Mingrelien

Mingrelien (Mingreul, »Land der tausend Quellen«), ehemals selbständiges Fürstentum in Kaukasien (s. Karte »Kaukasien«), am Schwarzen Meer, zwischen Abchasien (im Norden) und dem Fluss Rion (im Süden), gehörte später zu Persien, fiel 1804 an Russland und bildet seit 1867 einen Teil des russisch-kaukasischen Gouvernements Kutais (die Kreise Sugdidi, Senaki und Letschgum). Das Land ist gebirgig, im Süden morastig. Die Fruchtbarkeit des Bodens bei hoher Temperatur und feuchter Luft gewährt einen außerordentlichen Vegetationsreichtum. Hauptprodukte sind: Getreide, Mais, Baumwolle, Tabak, Wein, Öl, Hirse, Holz, Seide, Honig, Pferde. Eisenerz wird gebrochen. Die (1902) 241.000 Köpfe starken griechisch-katholischen Mingrelier (auch Kadzariai) bewohnen Mingrelien, Odischi und Gurien am Schwarzen Meer. Nach Sprache und Sitte sind sie ihren Nachbarn, den Georgiern und Swaneten, verwandt, aber sehr träge.

Mingrelien ist das Kolchis der Alten, bildete dann ein Stück von Georgien und ward bei der Teilung (1241) zu Imerethi geschlagen. Die Könige von Georgien ließen das Land durch Gouverneure verwalten, deren einer, Giorgi aus der Familie Dadian, sich um 1323 unabhängig machte und Stammvater der nachherigen Fürsten (Dadiane) von Mingrelien wurde, die bis 1694 über Mingrelien herrschten. Der ehemalige Zar von Mingrelien führte den Titel »Fürst des Schwarzen Meeres«. Seine Residenz war Isgaur oder Iskuriah (das alte Dioskurias) am Schwarzen Meer, zugleich der Haupthandelsplatz des Landes.

Das russische Infanterie-Regiment Mingrelien diente 1812 in der 16. Infanterie-Division unter Generalmajor Michail Bulatow.

Bibliographie

  • Erckert, v.: Der Kaukasus und seine Völker (Leipz. 1887)
  • Radde: Reisen im mingrelischen Hochgebirge (Tiflis 1866)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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