Hirschberg

Hirschberg, 1) (Hirschberg in Schlesien, heute Jelenia Góra in Polen) Kreisstadt im [ehem.] preußischen Regierungsbezirk Liegnitz, in anmutiger Lage am Einfluss des Zacken in den Bober, Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Kohlfurt–Glatz, Hirschberg–Grünthal und Hirschberg–Schmiedeberg, 342 m ü. M., hat eine evangelische Kirche (seit 1709, eine von den sechs sogen. Gnadenkirchen), vier katholische Kirchen, Synagoge, mehrere Kriegerdenkmäler und (1900) mit der Garnison (1 Jägerbataillon Nr. 5) 17.865 Einwohner, davon 4118 Katholiken und 335 Juden.
Im Mai 1745 siegte Winterfeldt im Gefecht bei Hirschberg über die Österreicher unter Nádasdy.
Die Industrie erstreckt sich auf Kammgarnspinnerei, Fabrikation von Leinen- und Baumwollwaren, Rouleaus, Jalousien, Kartonnagen, Zigarren, künstlichen Blumen, Maschinen, Papier, Holz- und Strohstoff, Portlandzement, Porzellan, Obstwein und Fruchtsäften; ferner hat Hirschberg lebhaften Handel in Getreide, Wein, Zement, Leinwand, Butter etc. Hirschberg hat ein Gymnasium, Waisenhaus, Landgericht, Handelskammer und eine Reichsbanknebenstelle. Anziehende Punkte der Umgegend sind: der Kavalierberg mit schöner Aussicht, der Kreuzberg (Kramstaberg) mit Anlagen, der sagenreiche Hausberg, der Helikon und die Schlucht des Sattler am Bober mit Eisenbahnviadukt. Zum Landgerichtsbezirk Hirschberg gehören die zwölf Amtsgerichte zu Bolkenhain, Friedeberg, Greifenberg, Hermsdorf, Hirschberg, Lähn, Landeshut, Liebau, Löwenberg, Schmiedeberg, Schömberg und Schönau. Hirschberg erhielt 1108 Stadtrechte und wurde durch Herzog Boleslaw II. von Liegnitz 1241 bedeutend vergrößert. Den Grund zu seinem Wohlstand legte im 16. Jahrhundert die Lein- und Schleierweberei. Vgl. Hirschberger Tal.
Hirschberg, 2) (Hirschberg in Thüringen) Stadt im Fürstentum Reuß jüngerer Linie, an der Saale und der sächsischen Staatsbahnlinie Schönberg–Hirschberg, 441 m ü. M., hat eine evangelische Kirche, ein fürstliches Schloss, Amtsgericht, Leder- und Messerfabrikation, Handelsmüllerei und (1900) 2014 evangelische Einwohner.
Hirschberg, 3) (Hirschberg am See, heute Doksy in Tschechien) Stadt in Böhmen, Bezirkshauptmannschaft Dauba, an der Böhmischen Nordbahn, mit einem gräflich Waldsteinschen Schloss und Park, Hopfenbau, Sägewerken und (1900) 2050 deutschen Einwohnern. In der Umgebung befinden sich ausgedehnte Waldungen und drei große Teiche. Südöstlich erhebt sich auf einem 603 m hohen Phonolithkegel die malerische Burgruine Bösig aus dem 12. Jahrh. mit weiter Rundsicht.
Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909