Deutsche Fallschirmjäger, 1943–1945
Testbericht der 1:72 Figuren von ESCI

Luftwaffe Fallschirmjäger von ESCI in Tropenuniform und Fallschirmjägerbluse M40 mit Sumpfmuster während des Feldzugs von 1943. Die knienden Panzerjäger sind Umbauten, die aus Teilen von zwei stehenden und zwei knienden Figuren dieses Sets zusammengesetzt sind. Die stehende Figur trägt eine Feldmütze M38 aus dem Set „Luftwaffenpersonal“ von Airfix. Die 2,8 cm s.Panzerbüchse 41 stammt von der 1. Auflage des Afrikakorps von Airfix. Die s.Pz.B. 41 erwies sich gegen die an der Ostfront eingesetzten mittleren und schweren Panzer als unzureichend, und viele dieser Waffen wurden an die italienischen Streitkräfte weitergegeben, die sie bis zum Waffenstillstand 1943 behielten.
Die meisten Figuren dieses Sets tragen Ausrüstung oder Uniformteile, die erst ab 1943 verwendet wurden, obwohl einige Figuren auch für frühere Feldzüge geeignet sind. Die Figuren lassen sich gut bemalen, und die Knochensäcke sehen in schlichtem Grünmeliert, Splittertarnmuster oder Sumpfmuster sehr ansprechend aus.
Inhalt
50 Figuren in 15 Posen – 23,5 mm entsprechen 170 cm Körpergröße
- Fallschirmjäger MG-Schütze Nr. 1 mit MG 34, stehend
- Fallschirmjäger MG-Schütze Nr. 1 mit MG 34, rastend
- Fallschirmjäger MG-Schütze Nr. 2 mit MP 40 ohne Magazin, m. Patronenkasten
- Fallschirmjäger mit Panzerfaust, stehend (2)
- Fallschirmjäger mit Panzerfaust, kniend, schießend (2)
- Fallschirmjäger mit Kar. 98k und Zf 39, H.Gr. 24 werfend (3)
- Fallschirmjäger mit Kar. 98k und Zielfernrohr 39, stehend, schießend (6)
- Fallschirmjäger mit Kar. 98k und Zielfernrohr 39, kniend, schießend (6)
- Fallschirmjäger mit Karabiner 98 kurz, vorgehend (3)
- Fallschirmjäger mit MP 40, laufend (3)
- Fallschirmjäger mit MP 40, avancierend (3)
- Fallschirmjäger mit MP 40, avancierend (6)
- Fallschirmjäger mit MP 40 ohne Magazin, Stielhandgranate 24 betrachtend
- Fallschirmjäger mit MP 40 ohne Magazin, vorgehend (6)
- Fallschirmjäger mit FG 42 ohne Magazin, vorgehend (6)
Bewertung
Schön modellierte Figuren in den weiten „Knochensäcken. Die Fallschirmjäger sind anatomisch korrekt, doch viele Posen leiden unter falscher oder fehlender Ausrüstung.

Die Uniformen, Waffen und Ausrüstung sind außergewöhnlich detailliert gestaltet und lassen sich wunderbar bemalen.
Markante Gesichtszüge. Leider verläuft die Gussnaht mitten durchs Gesicht vieler Figuren und lässt sich nur sehr schwer entfernen.

Gute Gussqualität, scharfe Details und praktisch kein überschüssiger Kunststoff. Allerdings weisen die meisten Figuren sichtbare Gussnähte auf, die vor dem Bemalen entfernt werden müssen.
Die Beine der beiden knienden Figuren eignen sich für Umbauprojekte. Kombiniert mit den Oberkörpern des vorrückenden Schützen mit FG 42 und eines MP 40-Schützen ergeben sie hervorragende Figuren für Granatwerfer- und PaK-Bedienungen, wobei eine nach links und die andere nach rechts blickt. Der Großteil des FG 42 muss von der Figur entfernt werden, aber die aus der Hand des Soldaten ragende Mündung kann in eine Granate für die 2,8 cm s.Pz.B. 41 oder die 3,7 cm PaK 35/36 verwandelt werden. Letztere ist die am häufigsten erhältliche deutsche Panzerabwehrkanone im Maßstab 1:72. Die s.Pz.B. 41 kann einem alten Figurenset der Deutschen Infanterie oder des Afrikakorps von Airfix entnommen und mit kleinen Rädern einer Spitfire von Airfix versehen werden.

Drei der vier Schützen sind mit dem Scharfschützengewehr Karabiner 98k mit Zielfernrohr 39 bewaffnet. Zwei von ihnen sowie der Fallschirmjäger mit dem FG 42 sind Linkshänder! Das ist ziemlich unrealistisch, wenn man bedenkt, dass linkshändige Kinder im deutschen Schulsystem zwangsweise umerzogen wurden. Weder der Karabiner 98k noch das Fallschirmjägergewehr 42 waren für Linkshänder konzipiert. Eine Studie von Aggleton JP, Kentridge RW und Neave NJ aus dem Jahr 1993 zeigt, dass Linkshänder einem höheren Mortalitätsrisiko ausgesetzt sind als Rechtshänder, insbesondere im Kriege, wenn sie mit für sie ungeeigneten, rechtshändigen Handfeuerwaffen kämpfen müssen.
Infanteriewaffen fehlen: Die Box enthält lediglich zwei leichte Maschinengewehre, viel zu wenig, um einen typischen Fallschirmjägerzug aufzustellen. Man fragt sich, wann die Hersteller endlich lernen, die korrekte Anzahl an Infanteriewaffen in ihre Figurensets aufzunehmen. Militärmodellbauer weltweit, Experten wie Anfänger, schütteln immer wieder fassungslos den Kopf, wenn sie solche Sets sehen. Es ist weder schwieriger noch teurer, es richtig zu machen, doch die Hersteller von Plastikfiguren scheinen ein Händchen dafür zu haben, stets die falschen Posen und Waffen für ein bestimmtes historisches Thema auszuwählen. Wenig überraschend bleiben die Verkaufszahlen dieser verpfuschten Sets weit hinter den Erwartungen der Hersteller zurück, doch die Probleme ziehen sich Set für Set fort. Airfix, Atlantic, und ESCI mussten schließen, Revell strich einen Großteil seiner historischen Figurenreihe aus dem neuen Katalog, doch es gibt kaum Anzeichen dafür, dass die Hersteller an den Wünschen ihrer Kunden interessiert sind. Positiv zu vermerken ist hingegen, dass Italeri und HäT Industrie den Markt für historische Figuren aktiv erforschen und ihre Produkte stetig verbessern.
Viele verschwendete Posen: zum Mangel adäquater Infanteriewaffen kommt hinzu, dass die Soldaten mit mannschaftsbedienten Waffen in diesem Set unvollständig bewaffnet sind oder eine falsche Haltung einnehmen. Sie führen fast keine Ausrüstung mit sich, nicht einmal Feldflaschen. Das Fehlen von Pistolen ist ein schwerwiegender Mangel, denn deutsche Fallschirmjäger waren durchweg mit Pistolen bewaffnet, um sich bis zum Erreichen eines abgeworfenen Waffenbehälters verteidigen zu können.
- Die beiden Maschinengewehrschützen können sich unmöglich in der Nähe der Hauptkampflinie befinden; einer benutzt sein Gewehr als Armstütze, mit der Mündung im Dreck, der andere steht im „Rührt euch!“, aber niemand außer ihm scheint hier zum Appell angetreten zu sein, was diese einsame Pose ziemlich sinnlos macht.
- Der einzige Schütze Nr. 2 in der Gruppe stützt seinen Fuß auf einen einzelnen Patronenkasten – sehr wenig Munition für eine Luftlandung – und er hat kein Magazin in seiner MP 40.
- Einer der Panzerfaustschützen hält seine Waffe geschultert, wie es im 18. Jahrhundert üblich war. Erschwerend kommt hinzu, dass die Panzerfaust aufgrund der Schwerkraft in ständiger Bewegung zu sein scheint und dem Mann jederzeit von der Schulter rutschen könnte.
- Einer der Grenadiere scheint in philosophischer Stimmung zu sein und sinniert tief über eine Stielhandgranate 24. Man könnte ihm vielleicht helfen, indem man ihm stattdessen eine Flasche französischen Wein in die Hand drückt. Wie der Schütze Nr. 2 trägt auch er eine leere MP 40 in der Hand, anstatt sie über der Schulter zu hängen. Keiner der Grenadiere hat zusätzliche Granatentaschen, und niemand sonst in der Gruppe trägt eine Stielhandgranate 24 bei sich. Offensichtlich handelt es sich hier nicht um die Fallschirmjäger, die man erwarten würde.
- Der zweite Grenadier hat ein Scharfschützengewehr über der Schulter. Dieser Fehler lässt sich relativ leicht beheben, indem man das Zielfernrohr vorsichtig abtrennt. Unglücklicherweise trotzt das Gewehr auch der Schwerkraft. Die Waffe hängt nicht an ihrem Riemen, sondern hat sich um 180 Grad gedreht, der Lauf zeigt nach oben, und die Mündung zieht den Riemen in die Luft. Damit ihm sein Gewehr nicht wegfliegt, trägt dieser clevere Soldat seine Ausrüstung über dem Gewehrriemen – eine ziemlich unpraktische Trageweise.
- Die stehenden und knienden Schützen in diesem Set sind fälschlicherweise mit Scharfschützengewehren ausgerüstet, aber weder irgendwie getarnt noch in Scharfschützenpose. Die stehend schießende Figur ist eine weitere überflüssige Pose; nur ein Narr würde in einem modernen Feuergefecht aufrecht stehen. Sollte eine stehend schießende Figur in einem Diorama benötigt werden, könnte sie leicht aus einem knienden Schützen umgebaut werden. Die nützlichsten Figuren für Dioramenbauer und Wargamer sind die in vorrückenden und knienden Posen. Im Gefecht befindliche Soldaten verbringen die meiste Zeit mit dem Beobachten des vor ihnen liegenden Geländes, beim Feuern, oder in der Bewegung. Das Set enthält vier vorrückende Posen, die diese Rolle sehr gut erfüllen, aber sie reichen nicht aus, um Züge und Kompanien aufzustellen.
- Der Fallschirmjäger mit dem FG 42 ist Linkshänder. Es ist bekannt, dass Elitetruppen den beidhändigen Umgang mit Waffen trainieren, doch linkshändiges Schießen ist eigentlich nur im Häuserkampf sinnvoll, wenn sich rechter Hand eine gute Deckung bietet. Während Rekognoszierungspatrouillen müssen Soldaten, die die rechte Seite der Schützenreihe decken, nicht unbedingt mit links schießen, es sei denn, das Gelände begünstigt Hinterhalte auf kurze Distanz. Wird auf erkannten oder vermuteten Feind geschossen, kann die gesamte Gruppe Feuerstellung in Linie einnehmen, und mit der bevorzugten rechten Hand schießen. Das Problem mit der ungewöhnlichen Pose des FG 42-Schützen ist, dass alle sechs Abgüsse der Figur so dargestellt sind, was einen ungewöhnlich hohen Anteil an Linkshändern ergibt. Die Figur eignet sich jedoch gut als kniender PaK-Kanonier oder Mörserschütze, wenn man sie mit den Beinen eines knienden Fallschirmjägers entsprechend umbaut.
- Schließlich hat sogar einer der schießenden MP 40-Schützen kein Magazin in der Waffe, und keiner der MP 40-Schützen trägt mehr als eine Patronentasche für Stangenmagazine MP 40 bei sich.
86 % der Männer besitzen keinen Feldspaten.
42 % der Fallschirmjäger haben improvisierte Tarnnetze aus Drahtgeflecht am Stahlhelm, anstelle der viel häufiger verwendeten Stoffüberzüge.
30 % der Soldaten sind ohne Feldflasche im Einsatz.
14 % der Männer haben keine Patronentasche für ihre persönliche Waffe.
Offiziere und Unteroffiziere fehlen. Gruppen- und Zugführer trugen Ferngläser, Taschenlampen und Kartentaschen, und möglicherweise eine Meier-Mütze im Felde. Angesichts der vielen unnötig verschwendeten Posen in diesem Set ist das Fehlen von Unteroffizieren und Offizieren bedauerlich.
Falsche Malanleitung. Hosen und Patronentaschen der Luftwaffe waren blaugrau, Patronenbandelier für Fallschirmjäger blaugrau, bzw. blaugrau oder sandfarben, wenn sie mit der Tropenuniform getragen wurden, und Helme RAL 7016 »Anthrazitgrau«. Lederne Pistolentaschen, Koppel, und Y-Riemen der Luftwaffe waren lederbraun, nicht schwarz.
Historische Verwendung
- Deutsche Fallschirmjäger, 1943–1945
- Rumänische Fallschirmjäger, 1943–1944
Mögliche Umbauten
- PaK-Bedienung der Fallschirmjäger
- Granatwerfer-Bedienung der Fallschirmjäger
Trotz der vielen Fehler, gehören die deutschen Fallschirmjäger von ESCI immer noch zu den besten Figuren in diesem Maßstab. Die Fallschirmjäger von Airfix sind selbst für den Maßstab 1:76 zu klein. Die Fallschirmjäger von Revell wirken etwas flach und nicht detailliert genug. Der Funker, stehende MP 40-Schütze, der kniende und der gestikulierende Gewehrschütze von Revell können mit diesen ESCI-Figuren durchaus kombiniert werden, aber die Ausbeute beider Figurensets ist zu gering, um einen typischen Fallschirmjägerzug aufstellen zu können. Die Figuren von ESCI sind detaillierter und lassen sich sehr gut umbauen. Mit etwas Geschickt, lassen sich die fehlenden Figuren vielleicht aus Teilen der Fallschirmjäger und des Afrikakorps von ESCi zusammenbauen.