Royal Horse Artillery, 1799–1815
Testbericht der 1:76 Figuren von Airfix

Bei der Waterloo British Artillery im Maßstab 1:76 von Airfix handelt es sich um britische Reitende Artillerie (Royal Horse Artillery, RHA), die wie leichte Dragoner uniformiert waren, nämlich mit dem 1793 eingeführten „Tarleton“ Raupenhelm und dem um 1799 eingeführten Dolman.
Inhalt
14 Figuren in 13 Posen – 23,5 mm entsprechen 179 cm Körpergröße
- Offizier der Royal Horse Artillery (RHA), aufgesessen (1)
- Reitpferd der Royal Horse Artillery (1)
- Offizier der Royal Horse Artillery (RHA) mit Teleskop, stehend (1)
- No. 1 Senior Gunner/Richtschütze fehlt, kann aus No. 3 umbebaut werden
- No. 2 Spongeman mit Wischer/Setzer, abwartend (1)
- No. 2 Spongeman mit Wischer/Setzer, ansetzend (1)
- No. 3 Ventsman mit Richtbaum, richtend (1)
- No. 4 Loader mit Stückkugel (1)
- No. 5 Firer mit Luntenstock, abfeuernd (1)
- No. 5 Firer, am Lafettenrad, richtend (1)
- Kanonier (RHA) mit Wassereimern (1)
- Kanoniere No. 2 und No. 3, auf der Protze mitfahrend (1+1)
- Royal Horse Artillery Vorder- und Mittelreiter (2)
- Royal Horse Artillery Stangenreiter (1)
- Sattelpferd (3)
- Handpferd (2)
- Stangenhandpferd (1)
- Kastenprotze (1)
- Zugtau (1)
- 9-pfündiges Kanonenrohr, 23,6 mm lang (2)
- Block-Trail-Wandlafette System Desaguliers (2)
- Rad mit zwölf Speichen – 19 mm ⌀ entsprechen 57″ (6)
- Wassereimer (1)
- Pulverfass (1)
Bewertung
Exzellente Themenwahl, die legendäre Royal Horse Artillery diente während der gesamten Napoleonischen Kriege und erlangte insbesondere in der Schlacht bei Waterloo Berühmtheit. An diesem denkwürdigen Tag hielt G Troop, Royal Horse Artillery (Cavalié Mercer‘s Troop) wiederholten Angriffen der französischen schweren Kavallerie stand und feuerte Kartätschen mit verheerender Wirkung, statt, wie befohlen, die Geschütze aufzugeben und in nahegelegenen Karrees der braunschweigischen Infanterie Schutz zu suchen, die Mercer für „schwer erschüttert“ hielt. Bei Waterloo dienten acht Troops der Royal Horse Artillery, aber nur fünf Batterien der Fußartillerie. Airfix hat hier also die richtige Entscheidung getroffen.
Jahrzehntelang waren diese Airfix-Figuren die einzige Quelle für den attraktiven Tarleton-Helms, der auch von leichten Dragonern, britischen Fremdenregimentern, und leichter Infanterie getragen wurde.
Die verfügbare Bedienung lässt sich am besten beim Einstoßen der Ladung oder Stückkugel ins Rohr darstellen. An dieser Aktivität sind zwei der fünf Kanoniere beteiligt, No. 2 stößt mit dem Setzer ein, während No. 3 das Zündloch der Kanone mit einem ledernen Däumling verschlossen hält. Die drei übrigen Nummern der Bedienung stehen derweil in Grundstellung am linken Achsschenkel (No. 4), links der Richtmaschine (No. 5), und hinter dem Schwanz (No. 1). Der Ventsman (No. 3) fehlt, er kann aber aus dem Firer (No. 5) durch Entfernen des Luntenstocks umgebaut werden.
Weitere Darstellungsmöglichkeiten sind: das Richten des Geschützes (Nr. 3 und Nr. 5), oder das Abfeuern desselben (Nr. 5). Kanoniere, die nicht unmittelbar mit einer dieser Handlungen beschäftigt sind, nehmen Grundstellung am Geschütz ein.
Der für das Richten verantwortliche Geschützführer (No. 1) fehlt, weshalb No. 3 und No. 5 hier völlig planlos am Geschütz hantieren. Ein zweiter Kanonier (No. 3) könnte allerdings so umgebaut werden, dass er über das Rohr gebeugt ins Ziel visiert und mit dem etwas angewinkelten linken Arm Anweisungen zum Richten gibt.
Beim Abfeuern des Geschützes tritt hingegen nur No. 5 mit dem Luntenstock in Aktion, während die übrigen vier Nummern in Grundstellung neben dem Geschütz stehen. Artilleristen in Grundstellung fehlen allerdings völlig, dabei wären gerade diesen Posen besonders zweckmäßig gewesen.
Der Ladekanonier No. 4 hat mit einer 3-, 6- oder 9-pfündigen Kanonenkugel in der rechten Hand in Grundstellung neben dem linken Achsschenkel zu stehen, bis er an der Reihe ist. Die Art und Weise, wie dieser Kanonier von Airfix mit der Stückkugel hantiert, wirkt hingegen höchst unsoldatisch.
Der abwartende Kanonier No. 2 hat in Grundstellung, mit dem Wischer/Setzer beim Fuße, neben dem rechten Achsschenkel zu stehen. Den Wischer/Setzer so vor dem Körper zu balancieren, wie der Airfix-Kanonier es tut, ist sinnlos und zehrt unnötig an seinen Kräften.
Der Offizier mit Teleskop und der Kanonier No. 4 mit Stückkugel sind mit modernen Anti-Gravitations-Säbelscheiden ausgestattet, die neben beiden Figuren aufrecht stehen, statt am Säbelgehenk zu hängen.
Es gibt nur ein einziges Zugtau, um die drei Pferdepaare mit der Protze zu verbinden, obwohl für ein realistisch wirkendes Militärgeschirr in diesem Maßstab mindestens vier Zugtaue benötigt würden. Es ist schon knifflig genug, dieses eine Zugtau anzubringen, aber wie die drei fehlenden Zugtaue selbst herstellen? Eine bessere Alternative wäre, die Pferdepaare zunächst zu bemalen, und dann erst Zugtaue aus Nähgarn mit Holzleim oder klarem Acrylmedium anzubringen.
Bei den mit Säbeln bewaffneten Fahrern handelt es sich um Leute, die direkt bei den Batterien (Troops) der Royal Horse Artillery eingestellt waren. Beim Corps of Royal Artillery Drivers, das die Geschütze der Fußartillerie fuhr, waren hingegen nur Offiziere und Unteroffiziere bewaffnet.
Das Kanonenrohr entspricht mit 23,6 mm Länge ziemlich genau dem Blomefield 9-pounder „Brass“ Feldgeschütz (24 mm) der Royal Horse Artillery, aber nicht dem Armstrong light 6-pounder „Bronze“ Feldgeschütz (18 mm). Ein entsprechender Umbau wäre mit dem etwas kürzeren Kanonenrohr der Britischen Fußartillerie von Revell 02577 oder mit gedrehten Kanonenrohren aus Messing möglich. Allen diesen Kanonenrohren fehlen jedoch die Henkel, die aus Draht nachgebildet werden müssten.
Die 1793 neu aufgestellte Royal Horse Artillery verwendete standardisierte Räder von 60 Zoll Durchmesser, die der Artilleriegeneral Thomas Desaguliers 1775 zusammen mit der von ihm entwickelten Block-Trail-Wandlafette eingeführt hatte. Die Räder von Airfix fallen mit nur 57 Zoll (19 mm) Durchmesser hingegen etwas kleiner aus.
Historische Verwendung
- Royal Horse Artillery, 1799–1815
- Long 6-pdr. „Bronze“ Field Gun auf Block-Trail-Wandlafette, 1788–1815
- Light 6-pdr. „Bronze“ Field Gun auf Block-Trail-Wandlafette, 1777–1815
- Light 6-pdr. „Bronze“ Field Gun auf Wandlafette, 1793–1812
- 9-pounder „Brass“ Field Gun auf Block-Trail-Wandlafette, 1808–1815
- King‘s German Legion Horse Artillery, 1808–1815
- Reitende Artillerie der Rohan-Husaren, 1795
Interessante Umbauten
- Corps of Royal Artillery Drivers, 1793–1822.
Bei diesem Umbau werden die Säbel der Fahrer entfernt; die Protze eignet sich dann für den Einsatz bei der Fußartillerie. - Konföderierte Artillerie.
Bei diesem Umbau wird der Tarleton-Helm durch ein Kepi oder einen Hut ersetzt, und die Schnüre von der Brust entfernt.

Umgebaute Artilleristen der Royal Horse Artillery von Airfix bedienen einen 12-pounder Napoleon M1857 (Accurate 7204) der Konföderierten Armee. Die Figuren haben eine Blitzbemalung durch Tauchen in getrübtem Holzschutzlack auf Polyurethan-Basis erhalten.
Die Royal Horse Artillery von Airfix ist in diesem Maßstab bis heute unübertroffen in Qualität und Vielfalt der Figurenposen und ihrer Ausstattung mit Geschütz und Protze.