Rapid Fire!
Testbericht der Spielregeln für Fast-Play Wargames des 2. Weltkrieges

Rapid Fire! wird als schnelles Regelwerk für Tabletop-Strategiespiele zum Zweiten Weltkrieg beworben. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde auf die detaillierten Tabellen und Diagramme klassischer Regelwerke zugunsten eines vereinfachten Spielablaufs verzichtet. Insbesondere die Panzerabwehrregeln sparen viel Zeit, da der Spieler feindliche Fahrzeuge beschießen kann, ohne sich Gedanken über den Schusswinkel, den genauen Trefferpunkt, die Art der Panzerung (vertikal, schräg oder geneigt), einen möglichen Streifschuss oder einen ungültigen Treffer an verdeckten Stellen machen zu müssen.
Auch die Regeln für Artillerie, Flugzeuge, Lastensegler, und Schiffe wurden vereinfacht, um das Einprägen und Anwenden im Spiel zu erleichtern.
Inhalt
- Titel: Rapid Fire!
- Epoche: 2. Weltkrieg
- Typ: Taktisches Wargame
- Zeitmaßstab: n.a. (ungefähr 1,5 Minuten pro Spielzug)
- Geländemaßstab: n.a. (1:656 basierend auf der 3″ Wurfweite für Handgranaten)
- Truppenmaßstab: 1 Figur = 15 Mann, 1 Modell = 5 Geschütze oder Fahrzeuge
- Basen: einzelne Figuren und Stände
- Feuerwirkung pro Spielrunde, auf 100 m Entfernung: (unmodifiziert)
- Schütze (Repetiergewehr): 0,19 Treffer
- Schütze (Garand): 0.19 Treffer
- Schütze (StG 44): 0.24 Treffer
- Light Machine Gun (Bren): 0.69 Treffer
- Leichtes MG (MG 42): 1.28 Treffer
- Mittleres MG (MG 42 lafettiert, Vickers): 1.28 Treffer
- Schweres MG (.50 cal. M2 Browning): 1.49 Treffer
- Panzerdurchschlagsleistung
- Sherman gegen Lingèvres Panther: 11 % pro Spielzug
- Autor: Colin Rumford & Richard Marsh
- Format: 120 Seiten, gebunden
- Sprache: Englisch
- Verlag: Rapid Fire Publications, York, England
- Publiziert: 2005
Kapitel
- Introduction
- Orders of Battle
- British Armoured Brigade
- British Infantry Brigade
- German Infantry Regiment Kampfgruppe
- German Panzer Grenadier Regiment Kampfgruppe
- American Armored Combat Command
- American Regimental Combat Team
- Russian Tank Brigade Forward Detachment
- Basic Rules
- Order of Play
- Morale
- Observation
- Smoke
- Heroic Actions
- Movement
- Reserved Fire
- Close Assault
- Firing
- Final Movement
- A Battalion-Level Scenario played with the Basic Rules
- Lingèvres – Normandy, 14th June 1944
- Advanced Rules
- Command and Control
- Resupply, Repairs and Medical Support
- Engineering and River Crossing
- Specialist Small Arms
- Aircraft
- Fighting in Built-Up Areas
- Paratroop and Glider Landings
- Amphibious Landings
- Naval Combat
- Terrain, Climate and Darkness
- A Brigade-Level Scenario played with the Advanced Rules
- Operation Martlet – Normandy, 26th June 1944
- End Pieces
Kurzreferenz
- Rapid Fire! Playsheet
- Casualty Calculator
Bewertung
Rapid Fire! ist ein Spiel, keine Simulation der Landkriegsführung im Zweiten Weltkrieg.
Die Panzerabwehrregeln wurden so stark vereinfacht, dass Rapid Fire! nicht einmal mehr zwischen der Frontpanzerung und der deutlich schwächeren Seitenpanzerung eines potenziellen Ziels unterscheidet. Während diese fehlende Differenzierung bei leicht gepanzerten Fahrzeugen mit schwacher Rundumpanzerung keine Rolle spielen mag, macht sie für den alliierten Spieler einen großen Unterschied, da seine Chance, schwere Panzer des Gegners mit einem gezielten Flankenfeuer aus nächster Nähe zu zerstören, nun noch geringer ist. Selbst wenn es dem alliierten Spieler gelingt, in den Rücken eines Panther- oder Tiger-Panzers zu manövrieren, erhöht sich die Trefferwahrscheinlichkeit nur um 16 % pro Spielrunde. Und dieser geringe Bonus verpufft, wenn sich der Schütze oder das Ziel beim Schuss bewegt.
Nach den Regeln von Rapid Fire! hat der britische Spieler eine geringe Chance von 11 %, den Panther zu zerstören, der am 14. Juni 1944 auf der D13 zwischen La Senaudière und Lingèvres angehalten hatte. Alliierte Spieler sollten sich gut überlegen, ob sie Rapid Fire! für ihre Spiele verwenden wollen.
In Rapid Fire! ist das britische Halbkettenfahrzeug M5 Half-Track irrtümlich mit dem .50 cal. Browning M2 Maschinengewehr bewaffnet. Das britische Motor Battalion verfügte 1944 in seiner Gefechtsordnung über keine .50 cal. Browning M2 Maschinengewehre. Es besaß 86 leichte Maschinengewehre Bren und acht Vickers .303 Maschinengewehre. Rechtzeitig zum D-Day ersetzte das unbewaffnete M5 Halbkettenfahrzeug einfach den 15 cwt 4×4 Lkw als neues Gruppenfahrzeug – mehr nicht. Selbstverständlich konnte der MG-Schütze der Gruppe mit seinem Bren l.MG vom gepanzerten MG-Stand des M5A1 Halbkettenfahrzeug aus schießen.
Ein einzelnes, auf einem Fahrzeug montiertes .50 cal. Browning M2 Maschinengewehr ist in Rapid Fire! tödlich. Die Waffe hat einen Kampfwert für Handfeuerwaffen von 10, im Vergleich zu nur 8 für eine vollständige britische Infanteriekompanie mit acht Mann. Aus sicherer Entfernung, von außerhalb der 24 Zoll Schussweite für Handfeuerwaffen feuernd, hat das .50 cal. Browning M2 Maschinengewehr eine 33%ige Chance, einen feindlichen, in Deckung befindlichen Infanteristen auszuschalten, und eine weitere 16%ige Chance, noch einen zweiten von ihnen in der selben Spielrunde zu eliminieren. Statistisch gesehen dauert es zwölf Spielrunden, um eine eingegrabene, acht Mann starke Infanteriekompanie aus absolut sicherer Entfernung vollständig auszuschalten, sieben Spielrunden, wenn sie im offenen Gelände auf große Entfernung erwischt werden, oder nur drei Runden auf kurze Entfernung.
Die deutschen leichten Maschinengewehre MG 34 und MG 42 werden in Rapid Fire! überbewertet, basierend auf der theoretisch hohen Feuerrate des MG 42 von 1500 Schuss pro Minute. Diese 1500 Schuss pro Minute wurden im Gefecht natürlich nie erreicht, da der vierköpfige MG-Trupp nur einen Kampfsatz von 1000 Schuss Munition mitführte. Welches Ziel rechtfertigt schon den Verbrauch des gesamten Kampfsatzes in nur 40 Sekunden?! Bis heute werden deutsche MG-Schützen der Deckungsgruppe darin geschult, kurze Feuerstöße auf vermutete oder beobachtete feindliche Stellungen abzugeben, um den Feind zu niederzuhalten und der Sturmgruppe den nächsten Sprung in Richtung der feindlichen Stellung zu ermöglichen. Die Doktrin „Kein Feuer ohne Bewegung, keine Bewegung ohne Feuer!“ wird konsequent eingehalten.
In Rapid Fire! erhält eine aus acht Figuren bestehende Panzergrenadierkompanie einen Bonus von +2 (+ 33 %) auf den Würfelwurf beim Feuern mit Handfeuerwaffen. Dies führt zu 1,67 Verlusten pro Runde beim Beschuss feindlicher Infanterie in Deckung auf mittlerer Entfernung. Demnach benötigt der Panzergrenadier-Spieler fünf Spielrunden, um eine feindliche Infanteriekompanie vollständig auszuschalten.
Ohne diesen Bonus verursacht die britische Infanteriekompanie nur 1 Verlust pro Spielrunde und benötigt acht Runden, um eine deutsche Infanteriekompanie in Deckung auf mittlere Distanz zu eliminieren. Ein unfairer Nachteil, da die britische Infanterie ähnlich gut ausgebildet war wie ihre deutschen Pendants. Die Briten führten 3000 Schuss LMG-Munition im Gefechtstross-Lkw des Zuges mit, also 1000 Schuss pro LMG im Zug.
Die britische Ausbildungsbroschüre „British Small Arms Training, Volume I, Pamphlet No. 4 – Light Machine Gun, 1942 “ betont: „Während des Angriffs werden die Gruppen in zwei Teile aufgeteilt – der Schützentrupp und der MG-Trupp.“ Der MG-Trupp gab Deckungsfeuer, um dem Schützentrupp das Manövrieren gegen die feindliche Stellung zu ermöglichen. Britische MG-Schützen sollten, genau wie deutsche MG-Schützen, kurze Feuerstöße abgeben, um erkannten oder vermuteten Feind niederzuhalten. Die theoretische Feuergeschwindigkeit einer Fernwaffe ist im Kampf nicht der entscheidende Faktor, sondern die taktische Ausbildung des sie bedienenden Soldaten. Es gibt keinen Grund, warum nicht-deutsche Infanterie in Rapid Fire! so stark benachteiligt sein sollte, wenn sie nachweislich dieselben bewährten Taktiken von Feuer und Bewegung anwendete.
Um dem heftigen Infanteriefeuer entgegenzuwirken, erlaubt Rapid Fire! der Infanterie, sich in nur zwei Spielrunden in Deckung zu begeben. Das geht schnell! Wer schon einmal eine Schützenmulde oder einen Kampfstand ausgehoben hat, mag sich jetzt vielleicht etwas dafür schämen, dass die Arbeit deutlich länger als zwei Spielrunden gedauert hat. Aber Rapid Fire! ist schließlich nur ein Spiel, keine Simulation des Pionierdienstes aller Truppen.
Rapid Fire! ist ein leicht zu erlernendes Wargame des Zweiten Weltkrieges mit einer erkennbaren Bestätigungstendenz zugunsten deutscher Panzer, deutscher leichter Maschinengewehre, und britischer schwerer .50-Kaliber-Phantom-Maschinengewehre.