Stawropol

Stawropol, Gouvernement des russischen Generalgouvernements Kaukasien (s. Karte »Kaukasien«), an der Nordgrenze gegen Astrachan und das Donische Gebiet, 54.301 km² mit (1897) 873.805 Einwohnern (zwei Drittel Russen, dann Nogaier, und Turkmenen, Kalmücken, Armenier, Griechen, Deutsche, Polen, Juden). Das Land, in dessen Südwesten bis 827 m hohe Ausläufer des Elbrus hineinreichen, ist sehr fruchtbar, im Osten aber weite, reiche Steppe. Die beiden Hauptflüsse Manytsch und Kuma verlieren sich im Sande. Sie bilden an ihren Ufern große Seen mit Brackwasser. Das Klima zeigt große Extreme (Maximum +37°, Minimum -30°) und ist in der Steppe trocken, am sumpfigen Unterlauf der Flüsse ungesund. Wald nimmt nur 0,49 Proz. des Areals ein, ein 5600 Hektar großer Wald findet sich bei der Stadt Stawropol. Die Bevölkerung lebt noch großenteils nomadisch. Man zählte 1895: fünf Mittel- und 295 Elementarschulen mit 12.000 Schülern. Hauptbeschäftigung sind Ackerbau (Getreide, namentlich Weizen, Flachs, Sonnenblumen, Wein auf 3095 Hektar) und Viehzucht (250.000 Pferde, 805.000 Rinder, 2.500.000 Schafe, meist grobwollige, 120.000 Schweine, 63.000 Ziegen, 9500 Kamele). Die Industrie erzeugt Mehl, Branntwein, Öl, Bier, Met, Wachs, Ziegel; die Ausfuhr der Landesprodukte richtet sich nach Rostow. Die Eisenbahn Rostow–Wladikawkas durchschneidet den Südwestzipfel des Gouvernements mit Abzweigungen (241 km).

Das russische Infanterie-Regiment Stawropol diente 1812 in der 22. Infanterie-Division unter Generalleutnant Sergei Alexandrowitsch Esersky im Armeekorps der Türkischen Front.

Stawropol.

Stawropol, 1) Hauptstadt des gleichnamigen russisch-ziskaukasischen Gouvernements und Kreises, 611 m ü. M., am wasserarmen Flüßchen Taschla und an der Bahn Klawkaskaja–Stawropol, hat (1897) 41.621 Einw. (meist Russen, ist Sitz eines Zivil- und Militärgouverneurs und des kaukasischen und tschernomorskischen Bischofs, hat 13 griechisch-russische Kirchen, ein Nonnenkloster, ein geistliches Seminar, ein Gymnasium, zwei höhere Töchterschulen, eine Junkerschule, eine öffentliche Bibliothek, zwei Krankenhäuser, eine Irrenanstalt, 35 Fabriken mit 1,2 Mill. Rubel Produktion, eine Stadtbank, bedeutenden Handel mit Vieh und Talg und drei große Jahrmärkte.

Stawropol, 2) Kreisstadt im russischen Gouvernement Samara, am linken Ufer der Wolga, 1738 gegründet, mit einer Stadtbank und (1891) 5383 Einwohner, die sich vorwiegend mit Anbau von Getreide, Zwiebeln und Kartoffeln beschäftigen.

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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