Römische Prätorianer, 1. Jahrhundert v. Chr.
Testbericht der 1:72 Figuren von Revell

Zehn der 15 angeblichen „Prätorianer“ im Maßstab 1:72 von Revell sehen aus wie Reproduktionen antiker Elastolin-Römer von O. & M. Hausser, die vom Münchener Bilderbogen Nr. 558 “Zur Geschichte der Kostüme” and ähnlichen Gemälden des Klassizismus des 18. und 19. Jahrhunderts inspiriert zu sein scheinen. Die Figuren tragen Muskelpanzer, Schuppenpanzer, Schienenpanzer, Kettenpanzer, oder Linothorax, unterschiedliche Helme, und so viele verschiedene Schildformen mit unterschiedlichen Schildzeichen, dass wir es hier sicher nicht mit einer Einheit der Garde des römischen Kaisers zutun haben.
Inhalt
50 Figuren in 15 Posen – 23 mm entsprechen 166 cm Körpergröße
- Konsul mit Muskelpanzer und Paludamentum, gestikulierend (2)
- Offizier mit Muskelpanzer, Paludamentum, Gladius und Rundschild (3)
- Römer mit Pilum und Rundschild, Pilum werfend (3)
- Römer mit Gladius und rechteckigem Schild, laufend (5)
- Römer mit Gladius und rechteckigem Schild, kämpfend (5)
- Römer mit Gladius und rechteckigem Schild, angreifend (5)
- Römer mit Pilum und sechseckigem Schild, vorgehend (3)
- Römer mit Pilum und sechseckigem Schild, laufend (5)
- Römer mit Pilum und sechseckigem Schild, Pilum werfend (5)
- Römer mit Gladius und sechseckigem Schild, parierend (2)
- Römer mit Pilum und Parma, stürmend (3)
- Römer mit Gladius und Parma, verteidigend (3)
- Bogenschütze, laufend (2)
- Bogenschütze, schießend (2)
- Schleuderschütze, werfend (2)
Bewertung
Gute Themenwahl, Freunde der antiken Elastolin-Römer von O. & M. Hausser dürften sich über diese Neuauflage freuen, selbst wenn die Repliken nicht mehr 40 mm, sondern nur noch 23 mm groß sind. Wenn wir darüber hinwegsehen, dass die Figuren zum Teil mit erfundenen Schutzwaffen ausgerüstet sind, spricht sicher nichts dagegen, diese Römer im Maßstab 1:72 für Wargames und Dioramen zu verwenden.

Die Vorderseite der Verpackung stellt die Figuren viel uniformierter und geordneter dar, als es die Figuren tatsächlich sind. Wer hier entschlossen vorrückende „Gardetruppen“ erwartet, wird enttäuscht. Die wirklich ansprechenden und sehr lebendigen Posen stellen eher Einzelkämpfer im Handgemenge dar. Eine geschlossene Ordnung, wie wir sie von Einheiten der Kaisergarde erwarten würden, gibt es hier nicht.

Pila und Gladii sind überzeugend gestaltet. Die Schildzeichen sehen nach dem Bemalen bestimmt beeindruckend aus, sie sind jedoch viel zu unterschiedlich, als dass die Soldaten damit in einer gemeinsamen Zenturie antreten könnten. Der Fehler ließe sich mit einheitlichen Schilden aus Pappe oder Polystyrol beheben.

Mehrere Figuren tragen unrealistische Arm- und Beinschienen, die vor dem Bemalen entfernt werden müssten. Möglicherweise lässt sich der Fehler schon durch das Übermalen der Beinschienen mit Fleischfarbe einigermaßen kaschieren, ohne dass hier mit dem Skalpell nachgeholfen werden muss.

Die beiden Bogenschützen und der Schleuderer sind keine Prätorianer, sondern Hilfstruppen, die durchaus in gemeinsamen Einheiten mit ähnlichen Figuren anderer Hersteller deployiert werden können.
Auffällige Gussnähte müssen vor dem Bemalen entfernt werden.
Historische Verwendung
- Östliche Bogenschützen
- Schleuderer der Auxiliarinfanterie
Mögliche Umbauten
- Römische Legionäre mit einheitlichen Schilden, 1. Jahrhundert v. Chr.
Die „Prätorianer“ von Revell im Maßstab 1:72 sind keine Gardetruppen, sondern Reproduktionen alter Elastolin-Römer von O. & M. Hausser, deren teils fehlerhafte Ausrüstung aus Gemälden des Klassizismus stammen könnte. Wer sich daran nicht stört, findet eine Vielzahl schöner, lebendig wirkender Figuren für Fantasy-Wargames und Dioramen.