Posament

Posament (franz.), so viel wie Band, Borte und Schnur.
Quelle: Pierer’s Universal-Lexikon 4. Auflage 1857–1865
Posamenten (franz. passements), alle vom Posamentier auf dem Posamentier-, Bortenwirker- oder Wellenstuhl hergestellten Artikel. Diese Stühle besitzen im wesentlichen die Einrichtung eines gewöhnlichen Webstuhls von geringer Breite, können auch mit Jacquardbetrieb verbunden sein. Ferner benutzt der Posamentier Überspinnmaschinen (Gimpemühlen) zum Überspinnen von Schnüren, Knöpfen etc., die Chenillemaschine zum Erzeugen von Borten sowie verschiedene Flechtmaschinen, auch die Klöppelmaschine. Der Ursprung der Posamenten ist stilistisch und technisch herzuleiten aus den stehengebliebenen Ketten- oder Schussfäden eines Gewebes, die schon im Altertum hohe künstlerische Ausbildung in Gestalt von Fransen und Quasten erfuhren, wie dies die Trachten der Königsfiguren auf assyrischen Reliefs zeigen. Aus dem frühen Mittelalter des Orients sind Fransenbesätze und einzelne Quasten aus festgedrehten und zu Knöpfen geballten Leinen-, Seiden- und Goldfäden erhalten (s. Koptische Kunst). Das Abendland ließ im späteren Mittelalter für Kirchenausstattung (Gewänder und zum Schmuck von Reliquienhüllen) dünne Besätze und bunte seidene Fransenborten an schmalen gewirkten Bändern und Schnürchen entstehen, während einzelne dekorativ wirkende Quasten des 14.–15. Jahrhunderts gebildet sind aus massig herunterfallenden langen kordonnierten Seidenfäden an einer wuchtigen Bergkristall-, Bernstein- oder getriebenen Edelmetallkugel: die Vorläufer eines aus Holz gedrehten und mit Fäden überzogenen sogen. Halters. Mit der Renaissance setzte durch die veränderte Kunstweise der Innenausstattung mit bezogenen und gepolsterten Möbeln für die Gestaltung der Posamenten eine neue Entwicklung ein, womit bestimmte Typen von allgemeiner Form auch der späteren Zeit gegeben wurden: so für die Quaste der rundliche, vasen- oder birnenförmige, mit Seide, Gold- oder Silberfäden netzartig übersponnene Halter, an dem dicht gelegte Fäden gleicher Art hängen oder sich, netzartig verbunden, als sogen. Mantel herumlegen. Für Leinenzeug und Bettkissen waren im 17. Jahrhundert in Italien Posamenten (fiocchis) aus Leinenfäden gebräuchlich, die im einzelnen der Spitzentechnik verwandt sind. Auch filierte und geklöppelte Silber- und Goldspitzen kommen in italienischen und deutschen Posamenten als netzartige Hülle der Quasten zur Verwendung. Gewirkte Borten, Troddeln, Schnüre und verwandte Zieraten schmückten zu allen Zeiten auch die Gewänder des öffentlichen Lebens; an ihrer Herstellung ist auch die Hausindustrie (seit dem 16. Jahrhundert im sächsischen Erzgebirge) stark beteiligt.
Bibliographie
- Dornbach: Das Posamentierkunstgewerbe (Dresd. 1894)
- Kumsch: Posamente des 16.–19. Jahrhunderts im königlichen Kunstgewerbemuseum in Dresden etc. (Dres. 1892, 25 Tafeln)
- Siegel: Zur Geschichte des Posamentiergewerbes (Annaberg 1892)