Ohne Tritt – marsch!

Ohne Tritt

»Ohne Tritt – marsch!«, bedeutet für den Soldaten, dass ohne Gleichschritt marschiert wird, sich also jeder Mann in der Truppe nach seiner Bequemlichkeit bewegt. Der Verzicht auf Gleichschritt ist beim Übergang über Brücken und zugefrorene Wasserflächen zwingend erforderlich, denn das gleichmäßige aufstampfen vieler Füße löst Schwingungen aus, die schlimmstenfalls zum Einsturz einer Brücke führen können, falls die Erregerfrequenz der Tritte mit der Eigenfrequenz des Bauwerks übereinstimmt und Resonanz entsteht (s. Resonanzkatastrophe). Dem entsprechend heißt es in § 27 Abs. 6 der deutschen Straßenverkehrs-Ordnung (StVO): »Auf Brücken darf nicht im Gleichschritt marschiert werden«. Prominente Beispiele sind der Einsturz der Broughton Suspension Bridge, am 12. April 1831, der durch marschierende Soldaten des King’s Royal Rifle Corps (KRRC) ausgelöst worden sein soll, und der Einsturz des Pont de la Basse-Chaîne bei Angers, am 16. April 1850, bei dem 220 Soldaten des III. Bataillons, 11. Légère-Regiment, und drei Zivilisten starben.

Beim Reisemarsch, auf dem Weg in die Unterkunft, in den San-Bereich, ins Gelände, von und zum Arbeitsplatz, oder zur Kantine, marschiert die Truppe meist ebenfalls ohne Tritt.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

Glossar militärischer Begriffe