Kriegslist

Kriegslist

Kriegslist, begreift irgend ein Mittel, den Feind zu täuschen, ihn zu verlocken, zu falschen Maßregeln zu verleiten usw. Dahin gehören zunächst die Vorspiegelungen und Demonstrationen, die Scheinangriffe und die verstellten Rückzüge, Umgehungen usw. Außer diesen gibt es viele andere, zwar weniger in die Augen fallende aber doch selten ihren Zweck verfehlende Mittel, welche als Kriegslisten gelten; doch kann man dafür keine Regeln geben, denn die Kunst zu täuschen kann keinen Regeln unterworfen sein, hängt einzig und allein von dem Genie des Feldherrn ab, und hat keine anderen Grenzen, als die des Verstandes.

Die Kriegslisten und Finten sind gewöhnlich die Waffen des Schwächeren, und finden deshalb vorzüglich bei Rückzügen ihre Anwendung. Man sucht den Feind über unsere Stellung zu täuschen, und ihn durch verstellte Rückzüge, durch scheinbare Fehler, heimliche Gegenmärsche, und versteckte Bewegungen von unseren wahren Absichten abzuleiten, um ihn in Defiléen zu locken, ihn auf den Flanken zu überfallen, seine Armee durch Schluchten und Flüsse zu teilen, und ihn einzeln zu schlagen. Dies ist die Kunst, dem Feind Hinterhalte zu legen, ihn sich nach unserem Willen bewegen zu lassen, um Gelegenheit zu erhalten, von seinen Fehlern Vorteil zu ziehen. Hierher gehört die Kunst, den Feind durch Nachrichten zu täuschen. Hat man das Glück einen feindlichen Spion aufzugreifen, so ist der schlechteste Gebrauch, den man von ihm machen kann, der, ihn aufknüpfen zu lassen. Verspricht man ihm aber die Freiheit, und noch Belohnung obendrein, so lässt sich noch ein größerer Vorteil von ihm ziehen. Die Hauptfrage an den Spion muss sein: Was hast du erforschen sollen? Beantwortet er diese aufrichtig, so lassen sich die reichhaltigsten Schlüsse daraus ziehen; man gibt sich den Anschein, den Wünschen und Vermutungen des Feindes gemäß zu handeln, und indem man überlegt, was hierauf der Feind zu tun habe, oder tun könne, trifft man dagegen die zweckmäßigsten Vorkehrungen. Indem man den Spion laufen lässt, zwingt man ihn, selbst wider seinen Willen die Unwahrheit zu sagen, sobald er zum Feind zurückgekehrt ist.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

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