Weißenfels

Weißenfels, Stadt (Stadtkreis) im [ehem.] preußischen Regierungsbezirk Merseburg, an der Saale, Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Bebra-Weißenfels, Berlin–Weißenfels und Weißenfels–Zeitz, 102 m ü. M., hat zwei evangelische und eine katholische Kirche, ein Denkmal Kaiser Wilhelms I., einen Bismarckturm, eine Oberrealschule, ein evangelisches Schullehrerseminar, Taubstummenanstalt, Museum, Amtsgericht, Bergrevier, Reichsbanknebenstelle, mechanische Schuhfabriken (4500 Arbeiter), eine Papierfabrik, eine Nagel- und Kettenfabrik, eine Eisengießerei und Maschinenfabrik, eine Trommel-, eine Gummiwaren- und eine Zuckerfabrik, ein Elektrizitätswerk, Rauchwarenzurichterei, Orgelbau, Braunkohlengruben mit Anstalten zur Gewinnung von Grudekoks etc., Fischerei und (1905) 30.894 Einwohner, davon 1175 Katholiken und 103 Juden.
Dabei das auf einem Sandsteinfelsen gelegene umfangreiche Schloss, die neue Augustusburg (1664–90 erbaut), sonst Residenz, jetzt Unteroffizierschule. In der Gruft unter der Schlosskapelle sind mehrere Fürsten und die Eingeweide Gustav Adolfs von Schweden beigesetzt.
Weißenfels, um 1200 zwischen Thüringen und Meißen streitig, kam wenig später an die Wettiner und bei der Teilung von 1485 an die Albertinische Linie. Im Weißenfelser Vertrag 1. Juli 1249 setzte Markgraf Heinrich der Erlauchte von Meißen seine Anerkennung als Landgraf von Thüringen durch. Von 1656 an war die Stadt die Residenz der Herzoge von Sachsen-Weißenfels, einer Nebenlinie des Kurhauses Sachsen, die von August, zweitem Sohne des Kurfüsten Johann Georg I., gestiftet wurde und mit Johann Adolf II. 1746 wieder erlosch (s. Stammtafel beim Artikel »Wettin«). 1814 fiel Weißenfels an Preußen.
Bibliographie
- Gerhardt: Geschichte der Stadt Weißenfels (Weißenf. 1907)
- Mensch: Die Finanzwirtschaft der Stadt Weißenfels im 19. Jahrhundert (Halle 1907)
- Sturm: Chronik der Stadt Weißenfels (Weißenf. 1846, Auszug 1869)
Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909