Kertsch

Kertsch (Kertsch-Jenikale), Hafenstadt im russischen Gouvernement Taurien, auf der Ostküste der Halbinsel Krim, an der Straße von Kertsch (auch Straße von Jenikale, bei den Alten Kimmerischer Bosporus genannt) und an einem Zweig der Eisenbahn Kursk–Charkow–Sewastopol. Die Stadt, am Fuß des steilen Mithradatesbergs amphitheatralisch in Halbmondform gelegen, hat zwölf griechisch-katholische Kirchen, acht Synagogen und Moscheen, zwei Gymnasien, ein adliges Fräuleinstift, eine Realschule, eine Bibliothek, ein Museum und mit dem 10 km entfernten Jenikale zusammen (1897) 31.702 Einwohner, die Heringsfang (5 Mill. Stück jährlich) und etwas Getreidehandel treiben. Seit 1895 sind in der Nähe von Kertsch reiche Eisenlager gefunden worden, mit einer Mächtigkeit von ca. 850 Mill. t und einer Erzförderung von (1902) 270.000 t, zu deren Ausbeutung ein großartiges Hüttenwerk angelegt wurde. Kertsch bildet mit Jenikale eine besondere Stadthauptmannschaft. Gegen 4 km südlich von der Stadt liegt die gleichnamige starke Festung, 85 m ü. M., bestimmt, die Durchfahrt ins Asowsche Meer zu hindern. Die 3 km lange Linie der Befestigungen ist so gebaut, dass auf jeden Punkt ein starkes Kreuzfeuer gerichtet werden kann.
An der Stelle von Kertsch lag im Altertum die Stadt Bosporos oder Pantikapäon, die Hauptstadt des bosporanischen Reiches unter Mithradates. Im Mittelalter gehörte die Stadt den Genuesen (bis 1475), dann den Türken; 1771 wurde sie russisch und blühte rasch auf. In den Kertsch umgebenden Hügeln Kul-Oba (»Aschenhügel«) und Altun-Oba (»Goldberg«) hat man Sarkophage aus Zypressenholz und Schmucksachen aus den letzten Jahrhunderten v. Chr. entdeckt. Sie befinden sich in der Eremitage zu Petersburg. In der Nähe befinden sich auch mehrere Schwefel- und Naphthaquellen sowie Schlammvulkane.
Bibliographie
- McPherson: Antiquities of Kertch (Lond. 1857)
- Stephani, L.: Die Altertümer von Kertsch (Petersb. 1880
Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909