Römische Hastati & Velites
Testbericht der 1:72 Figuren von HäT Industrie

Die römisch-republikanischen Hastati & Velites im Maßstab 1:72 von HäT eignen sich für die im 4. Jahrhundert v. Chr. eingeführte Manipularlegion, da die dargestellten Hastati schon nicht mehr mit der Hasta, sondern mit dem Pilum bewaffnet sind. Die Hastati tragen den Montefortino-Helm mit viel zu schmalen Wangenklappen, und eine einzelne Beinschiene (Ocrea) am linken Bein, die im Zuge der Marianischen Reformen wegfiel.
Inhalt
48 Figuren in 8 Posen – 25 mm entsprechen 180 cm Körpergröße
- Hastatus mit Pila und Parma, marschierend (8)
- Hastatus mit Pila und Parma, vorgehend (8)
- Hastatus mit Pila und Parma, Pilum werfend (8)
- Hastatus mit Gladius und Parma, vorgehend (4)
- Hastatus mit Gladius und Parma, fechtend auf Hieb (4)
- Veles mit Wurfspießen (hastae velitares) und Clipeus, werfend (4)
- Veles mit Wurfspießen (hastae velitares) und Clipeus, werfend (4)
- Veles mit Gladius und Clipeus, fechtend (4)
Bewertung
Gute Themenwahl, die Hastati und Velites der römisch-republikanischen Armee eignen sich für Wargames und Dioramen.
Die Figuren fallen mit 180 cm Körpergröße leider viel zu groß aus. Das ist wohl der Grund, warum HäT die selben Figuren im Set Römisches Pfeilgeschütz Skorpion (HäT 8035) noch einmal als „25 mm Figuren“ aufgelegt hat.

Die dargestellte, viereckige Pectorale (griech. Kardiophylax, Brustschutz) der Hastati scheint schon früh von einer handspannengroßen, runden Brustplatte abgelöst worden zu sein. Der griechische Historiker Polybios (ca. 200 bis 120 v. Chr.) spricht in diesem Zusammenhang ausdrücklich von einer runden Platte, die vor der Brust getragen wurde. HäT hat seinen Hastati hingegen noch eine zusätzliche Panzerplatte am Rücken spendiert.
Drei der fünf Hastati sind im Gefecht mit weit geöffnetem Schildarm dargestellt. Dieser Fehler lässt sich durch das Biegen des linken Armes etwas korrigieren, damit der Schild näher am, und schützend vor dem Körper geführt wird.
Zwei der fünf Hastati tragen einen Montefortino-Helm der mit Fell oder einem anderen fließenden Material überdeckt zu sein scheint, das die typische Kontur der Helmglocke auflöst. Haben wir es hier womöglich mit einem Produktionsfehler zutun?
Der römische Gladius wurde in geschlossener Ordnung primär als Stoßwaffe angewendet. Dass der Hastati in der Bildmitte zum Hiebfechten übergegangen ist, scheint eine sich auflösende Formation anzudeuten. Wargamer werden diese Pose korrigieren, indem der Gladius entfernt und durch ein Pilum ersetzt wird. Der mit gezogenem Gladius vorgehende Hastatus hält sein Schwert ungewöhnlich vom Feind weg. Dieser Fehler kann durch das Biegen des Schwertarmes nach vorne korrigiert werden.
Die Schilde sind an der Innenseite allesamt ohne Mittelgriff dargestellt. Es ist nicht festzustellen, wie die Hastati & Velites mit nur einer Hand den Schild plus einen oder mehrere Wurfspieße gehalten haben könnten. War sich der Modelleur darüber selbst nicht im Klaren und hat dieses wichtige Detail einfach ausgeblendet? Der Veles oben rechts im Bild hat eine ziemlich auffällige Auswerfermarkierungen an der Innenseite seines Schildes, und noch dazu an einer schwer zugänglichen Stelle.
Die Tuniken der Hastati und Velites sind mit übergroßen Ärmeln ausgestattet, die insbesondere die Hastati als extrem breitschultrig erscheinen lassen. Hinzu kommt, dass sich die Ärmel zweier Hastati anscheinend der Schwerkraft widersetzen, was den negativen Gesamteindruck noch verstärkt.
Offiziere, Unteroffiziere, und Spielleute fehlen, sie wurden erst 2001 mit dem Set „Roman Command“ (HäT 8051) nachgereicht.
Auffällige Gussnähte müssen vor dem Bemalen entfernt werden.
Historische Verwendung
- Velites der römisch-republikanischen Armee, 211 bis 107 v. Chr.
- Hastati der römisch-republikanische Manipularlegion, 290 bis 107 v. Chr.
Für den Einsatz in Wargames hätten die Hastati mit nur einer Pose eines entschlossen vorgehenden Hastatus in vollem Umfang dargestellt werden können. Die marschierenden und vorgehenden Hastati kommen dieser Anforderung ziemlich nahe, wenngleich sie ihren Schild oder die Pila nicht gefechtsmäßig führen. Die drei übrigen Posen hätten demzufolge für Offiziere, Unteroffiziere, und Spielleute der Hastati verwendet werden können. Für Dioramen reicht die Vielfalt an Posen hingegen überhaupt nicht aus. Hier hätte es separater Figurensets für Hastati und Velites bedurft.