Driesen

Driesen, Stadt im [ehem.] preußischen Regierungsbezirk Frankfurt, Kreis Friedeberg, auf einer Insel der Netze und mit Station Driesen-Vordamm an der Staatsbahnlinie Berlin–Schneidemühl gelegen, hat eine evangelische und eine katholische Kirche, Synagoge, Pädagogium, Waisenhaus, Museum, Denkmäler Kaiser Wilhelms I. und des Geheimen Oberfinanzrates Schönberg von Brenkenhoff, des Kolonisators des Warthe- und Netzebruches und Gründers von Neustadt-Driesen, und ein Amtsgericht. Es betreibt Spinnerei und Tuchfabrikation, Eisengießerei, Gelbgießerei, Spiritusbrennerei, drei Holzbearbeitungsanstalten, Fabrikation von Glühlampen, landwirtschaftlichen Maschinen, Pumpen und Spritzen, Dampfschneidemühlen, Holzhandel, Schiffahrt und zählt (1900) 6108 meist evangelische Einwohner. Driesen ist Geburtsort des Astronomen Hencke, der auf seiner hier noch vorhandenen kleinen Sternwarte die Asteroiden Hebe und Asträa entdeckte.
Driesen war ursprünglich eine Burg, von der nur noch schwache Spuren übrig sind, und vielfach ein Zankapfel zwischen den Pommern, Polen, Brandenburgern und dem Deutschen Ritterorden. 1317 verkaufte Markgraf Waldemar von Brandenburg Burg und Stadt an die Ritter v. d. Osten, aus deren Händen Driesen 1408 an den Deutschen Ritterorden überging, der es wiederum 1455 an Brandenburg abtrat. Kurfürst Joachim Friedrich legte 1602 hier eine Festung an, die 1630 durch Verrat in den Besitz der Schweden gelangte, im Siebenjährigen Kriege 1758 von den Russen besetzt und 1763 von Friedrich d. Gr. geschleift wurde.
Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909