Britische reitende Artillerie im Ersten Weltkrieg
Testbericht der 1:76 Figuren von Airfix

Die Royal Horse Artillery im Maßstab 1:76 von Airfix scheint Fortunino Matanias Gemälde der Affaire bei Néry vom 1. September 1914 entsprungen zu sein – jenem Überfall der 4. (preußischen) Kavalleriedivision von Garnier auf das Biwak der britischen 1st Cavalry Brigade unter Brigadegeneral Briggs, der sich in ein abgesessenes Gefecht entwickelte. Die der Brigade unterstellte „L Battery“ Royal Horse Artillery wurde im Artillerieduell innerhalb weniger Minuten außer Gefecht gesetzt; lediglich ein einzelnes Geschütz feuerte weiter, bis die gesamte Munition verschossen war. Captain Bradbury, Battery Sergeant-Major Dorrell und Sergeant Nelson wurden für ihren heldenhaften Einsatz bei Néry mit dem Victoria Cross ausgezeichnet.
Inhalt
14 Figuren in 10 Posen – 22,5 mm entsprechen 171 cm Körpergröße
- No. 1 Geschützführer mit Fernglas, stehend
- No. 2 Verschlussmann / No. 3 Richtkanonier, sitzend (2)
- No. 4 Tempierer mit Granate, sitzend (2)
- No. 5 Munitionskanonier mit Granate, kniend (2)
- No. 6 Protzkanonier mit Granate, kriechend (2)
- Kanoniere, Royal Foot Artillery, auf der Protze fahrend (1+1)
- Vorderreiter, Royal Horse Artillery, nach vorne schauend
- Mittelreiter, Royal Horse Artillery, nach rechts schauend
- Stangenreiter, Royal Horse Artillery, nach links schauend
6 Pferde in 3 Posen
- Vorderpferde
- Mittelpferde
- Mittelsattelpferd
- Mittelhandpferd
- Stangenpferde
- Stangensattelpferd
- Stangenhandpferd
Feldgeschütze und Protze
- Ordnance QF 13-Pfünder Feldkanone (2)
- Protze (1)
- Rad – 19,8 mm ⌀ entsprechen 59″ (6)
- Zugtau (2)
Bewertung
Exzellente Themenwahl, die britische Royal Horse Artillery ist in diesem Maßstab einzigartig.
Vom stehenden Geschützführer abgesehen, bedienen die Kanoniere ihre 13-pfündige Feldkanone in Hemdsärmeln und ohne Stahlhelm. Airfix hat die Kanoniere ohne Fußbrettchen modelliert, damit die Figuren dicht beieinander um das Geschützmodell herum gruppiert werden können. Der Ladeschütze (Nr. 2; rechter Sitz) und der Richtschütze (Nr. 3; linker Sitz) sind identisch. Das kann durchaus funktionieren, aber der Kopf des Richtschützen sollte in Feindrichtung gedreht werden. In einem Diorama des Gefechts bei Néry könnte der Geschützführer (Nr. 1) den Verschlussmann (Nr. 2) ersetzen. In diesem Fall würde es passen, dass der Richtkanonier (Nr. 3) ebenfalls nach rückwärts blickt und Munition anfordert.
Die Kanoniere und Fahrer tragen Wickelgamaschen anstelle der vorschriftsmäßigen Ledergamaschen der berittenen Artillerie, die sich im Feldzug als ziemlich unbequem erwiesen hatten. Die Fahrer scheinen nicht vom Feind überrascht worden zu sein, sie sind vollständig bekleidet, und mit dem Bandolier, 50 rounds (Mark I) ausgerüstet.

Die Lafettenbaugruppe der Ordnance QF 13-Pfünder Feldkanone – gemessen von der Vorderkante der Räder bis zur Spitze des Erdsporns am Heck – ist 3700 mm lang, also 49 mm in diesem Maßstab, was Airfix korrekt umgesetzt hat. Dennoch wirkt das Geschützmodell unrealistisch, da Airfix den Lafettenholm direkt am Verschluss befestigt hat, anstatt am Achsfutter unterhalb des Schwerpunkts. Infolgedessen steigt der Lafettenholm steiler an und ragt so hoch empor, dass er die beiderseits davon postierte Bedienung optisch dominiert. Eine einfache Abhilfe besteht darin, den Lafettenholm vom Verschluss abzutrennen und ihn stattdessen am Achsfutter anzuschweißen.
Das Modell der Airfix Ordnance QF 13-Pfünder Feldkanone besteht aus lediglich vier Bauteilen: dem Geschütz samt Schild und Lafettenholm, einem vereinfachten Achsfutter sowie zwei 59″ großen Rädern – anstelle der eigentlich erforderlichen 60-Zoll-Räder. Das Geschützrohr ist 2 mm länger als es sein sollte; es ragt deutlich über den Rohrvorholer hinaus, und beiderseits des Lafettenholms fehlen die Sitze für die Kanoniere Nr. 2 und Nr. 3. Diese Ansammlung von Fehlern ist durchaus überraschend, wenn man bedenkt, dass die Konstrukteure und Modellbauer von Airfix zweifellos Kenntnis von der „Néry Gun“ (Geschütz Nr. 6, L Battery RHA) gehabt haben müssen, die in der „Victoria Cross and George Cross Gallery“ des Imperial War Museum in London ausgestellt ist. Wargamer könnten das Airfix-Geschütz wahlweise als 18-Pfünder der Royal Artillery verwenden oder dessen Rohr um 2 mm kürzen, falls ein 13-Pfünder der Royal Horse Artillery benötigt wird.

Bis zum heutigen Tag sind Kanoniere der reitenden Artillerie (Royal Horse Artillery) auf eigenen Reitpferden vollständig beritten, da sie nur so mit der Kavallerie Schritt halten können. Wenn Kanoniere auf der Protze mitfahren, wie Airfix es hier dargestellt hat, muss es sich um langsamer fahrende Fußartillerie (Royal Artillery) handeln.
Wie es dem Gefecht bei Néry gebührt, sind die Kanoniere von Airfix im heftigem Artilleriekampf dargestellt – in einer Situation, in der um sie herum alles katastrophal schiefzugehen scheint: entweder dicht am Boden geduckt oder mit einer im Arm gehaltenen Granate auf das Geschütz zukriechend.
Überschüssiger Kunststoff und auffällige Gussnähte müssen vor dem Bemalen entfernt werden.
Kompatibel mit EMHAR, und Revell.
Historische Verwendung
- Britische Royal Horse Artillery, 1914–1916
- Britische Royal Foot Artillery Protzmannschaft, 1914–1916
Interessante Umbauten
- Britische Royal Horse Artillery im Stahlhelm, 1916–1918
- Britische Royal Foots Artillery Protzmannschaft im Stahlhelm, 1916–1918
Bibliographie
- Hogg, Ian: Artillerie des 20. Jahrhunderts, S. 25
Die Royal Horse Artillery des Ersten Weltkriegs im Maßstab 1:76 von Airfix ist ein Muss für Wargamer, die britische Streitkräfte der Frühphase des Ersten Weltkriegs aufstellen möchten.
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