Gilde

Gilde, im Mittelalter freie genossenschaftliche Vereinigung (Einung) gleichberechtigter Mitglieder zur Förderung ihrer gemeinsamen Interessen. Ihr Ursprung wird auf altheidnische, mit Opfern (gield, gildi) verbundene Trinkgelage zurückgeleitet. In England und Norwegen ist die Gilde seit dem 11., in Deutschland und Dänemark seit dem 12. Jahrhundet nachweisbar. Die ältesten waren religiöse Gilden (Bruderschaften) mit einem Schutzpatron für kirchliche und wohltätige Zwecke. Die weltlichen Gilden waren teils Schutzgilden, Verbindungen zu gemeinsamem Schutz der Genossen gegen dritte (Erzielung von Rechtsschutz, Eideshilfe vor Gericht), überhaupt zur Unterstützung im Falle der Not (bei Feuersbrunst, daher die Bezeichnung »Brandgilden«, auch die Bezeichnung »Schützengilde« ist wohl dieses Ursprungs), teils politische zur Wahrung von Klasseninteressen, wie die Altbürgergemeinde als privilegierte Genossenschaft in manchen Städten Deutschlands, teils Gewerbsgilden, wie die Handels- oder Kaufmannsgilden (Merchant guild), die besonders in England stark verbreitet und mit vielen Privilegien ausgestattet waren, und die Handwerksgilden (Zünfte). Insofern Zugehörigkeit zu der betreffenden Gilde die Voraussetzung für Handels- und Gewerbebetrieb bildete, konnte auch von einem Gildezwang die Rede sein. Die in Russland bestehenden Gilden (Kaufleute erster und zweiter Gilde und Kleinhändler) haben nur die Bedeutung von Steuerklassen.

Bibliographie

  • Doren: Untersuchungen zur Geschichte der Kaufmannsgilden des Mittelalters (Leipz. 1893)
  • Gierke: Deutsches Genossenschaftsrecht (Berl. 1868–81, 3 Bde.)
  • Groß: Gilda Mercatoria (Götting. 1883)
  • Groß: The Gild Merchant (Oxford 1890, 2 Bde.)
  • Hegel: Städte und Gilden der germanischen Völker im Mittelalter (Leipz. 1891, 2 Bde.)
  • Nitzsch: Über die niederdeutschen Genossenschaften des 12. und 13. Jahrhunderts (im »Monatsbericht der Akademie der Wissenschaften zu Berlin«, 1879)
  • Pappenhem: Die altdänischen Schutzgilden (Bresl.[846] 1885)
  • Walford: Gilds, their origine, constitution, etc. (2. Aufl., Lond. 1888)
  • Wilda: Das Gildenwesen im Mittelalter (Halle 1831)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

Glossar militärischer Begriffe