Hermann Gruson
Gruson. Hermann, Industrieller, geb. 13. März 1821 in Magdeburg, gest. daselbst 31. Jan. 1895, studierte 1839–42 in Berlin Naturwissenschaft und Philosophie und arbeitete gleichzeitig in der Maschinenfabrik von Borsig. 1845 wurde er Maschinenmeister an der Berlin-Hamburger Bahn, 1851 Oberingenieur in der Wöhlertschen Maschinenfabrik in Berlin, und 1854 kam er als technischer Dirigent der Hamburg-Magdeburger Dampfschiffahrtskompanie nach Buckau. Hier errichtete er 1855 eine Schiffswerft und eine Eisengießerei und lieferte namentlich Hartgussgegenstände, die bald Eingang im Maschinenbau fanden. Als sich auch Panzergranaten aus diesem Material den damals verwendeten weichen Stahlgeschossen als weit überlegen erwiesen, nahm die Fabrik so bedeutenden Aufschwung, dass sich 1868 eine erhebliche Vergrößerung und Verlegung notwendig machte. Es war Gruson gelungen, dem Hartguss Verwendung für fortifikatorische Zwecke zu verschaffen, und er lieferte nun Hartgußpanzertürme und Panzerbatterien für die meisten Staaten Europas und konstruierte für diese Türme und Batterien zur Handhabung der schweren Geschütze eine Minimalschartenlafette. Einen neuen Aufschwung erhielt die Fabrik durch die Aufnahme der Fabrikation der Schumannschen Panzerlaffeten. Auch konstruierte er eine Schnellfeuerkanone. Für die Industrie lieferte er Krane, Zerkleinerungsmaschinen, hydraulische Pressen, Aufbereitungsmaschinen etc. 1886 wurde das Werk unter dem Namen Grusonwerk in eine Aktiengesellschaft verwandelt die Gruson als erstes Mitglied des Vorstandes bis 1. Juli 1891 leitete. Kurz darauf wurde er in den Aufsichtsrat gewählt, zog sich im übrigen aber ins Privatleben zurück und widmete sich fortan wissenschaftlichen Arbeiten, besonders auf dem Gebiete der Astrophysik, und der Pflege seiner Gewächshäuser, die zu den reichhaltigsten und schönsten Europas gehörten und von seinen Erben der Stadt Magdeburg geschenkt wurden. Die Aktiengesellschaft Grusonwerk schloss 1892 einen Betriebsüberlassungsvertrag mit der Firma Friedr. Krupp in Essen, in deren Besitz das Werk 1893 vollständig überging. Gruson schrieb: »Im Reiche des Lichts. Sonnen, Zodiakallichte, Kometen, Dämmerungslichtpyramiden nach den ältesten ägyptischen Quellen« (2. Aufl., Braunschw. 1895). Vgl. »Geschichtliche und erläuternde Notizen über das Grusonwerk« (2. Aufl., Magdeb. 1890).
Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909