Trautenau

Trautenau, Stadt in Böhmen, heute Trutnov in Tschechien, 418 m u. M., am Fuße des Riesengebirges, an der Aupa und an den Linien Chlumetz-Parchnitz und Trautenau-Freiheit-Johannisbad der ehem. Österreichichen Nordwestbahn gelegen, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat eine schöne Erzdechanteikirche (1768 umgebaut), eine evangelische Kirche, Denkmäler Josephs II., des hier geborenen Dichters Uffo Horn (gest. 1860) und Kudlichs (s. d.), ein Rathaus, einen Stadtpark, einen Rübezahl- und einen Lindwurmbrunnen, eine Oberrealschule, eine Lehrerbildungsanstalt, eine Acker- und Flachsbauschule, ein Museum, große Flachsspinnereien, eine Jutemanufaktur, Leinen- und Baumwollwarenfabriken, Maschinenfabrik und Eisengießerei, Holzrouleau-, Seifen- und Kerzenfabrik, Kunstmühle, Bierbrauerei, Papier- und Papierwarenfabriken, Dampfsägen, Flachs-, Garn-, Leinwand- und Getreidehandel, drei Bankfilialen, Sparkasse, ein Krankenhaus, Schlachthaus, Elektrizitätswerk und (1900) 12.695, mit den Vororten Krieblitz und Niederaltstadt 14.791 deutsche Einwohner.

Trautenau wurde 1264 von deutschen Kolonisten besiedelt, 1340 zur Stadt und 1436 zur königlichen Leibgedingstadt erhoben. Es wurde wiederholt zerstört (zuletzt 1861 durch eine große Feuersbrunst) und bildete während des Österreich-Preußischen Krieges im Sommer 1866 den Schauplatz wiederholter Kämpfe. Am 27. Juni wurde das 1. preußische Korps von Bonin beim Einrücken in Böhmen bei Trautenau vom 10. österreichischen Korps unter Gablenz zurückgeschlagen. Die Österreicher verloren 183 Offiziere und 4231 Mann an Toten und Verwundeten nebt 373 unverwundeten Gefangenen, die Preußen 56 Offiziere und 1282 Mann.

Im zweiten Gefecht von Trautenau, mit den Nebengefechten bei Soor, bei Burkersdorf und Rüdersdorf, ward das 10. österreichische Korps unter Gablenz 28. Juni von der preußischen Garde geschlagen und verlor 123 Offiziere und 3696 Mann, während die Garde nur 28 Offiziere und 685 Mann einbüßte. Zur Erinnerung an diese Kämpfe wurden Kriegerdenkmäler am Kapellenberg und ein Obelisk auf der Gablenzhöhe (505 m), wo Gablenz auch seit 1905 begraben ist, errichtet.

Bibliographie

  • Hüttel, Simon: »Chronik der Stadt Trautenau 1484-1601« (bearbeitet von Schlesinger, Prag 1881)
  • Kühne: Das Gefecht bei Trautenau (Heft 3 der »Kritischen und unkritischen Wanderungen«, 4. Aufl., Berl. 1891)
  • Roth: Achtzig Tage in preußischer Gefangenschaft und die Schlacht bei Trautenau 27. Juni 1866 (3. Aufl., Prag 1868; neue Ausg. Traut. 1895)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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