Alarich I.
König der Westgoten 370–410

Alarich I., Häuptling der Westgoten, (angeblich) aus dem Geschlecht der Balten, geboren jenseits der Donau um 370 n. Chr., gest. 410, arianischer Christ, führte die Westgoten im Winter 395 durch Thrakien gegen Konstantinopel, dann durch den Engpass von Thermopylae nach Griechenland. Athen wurde geplündert, Korinth verbrannt und die Peloponnes verwüstet. Der Oberfeldherr des weströmischen Reiches, Stilicho, nötigte ihn endlich, indem er bei Korinth landete und ihn nach Arkadien und Elis drängte, zum Rückzug nach Epirus. Daraufhin ernannte der oströmische Kaiser Arcadius 396 Alarich zum Statthalter von Illyrien (magister militum per Illyricum).

Am 18. Nov. 401 fiel Alarich in Oberitalien ein, belagerte Aquileja, machte Ende Februar 402 bereits die Umgebung von Mailand unsicher, belagerte vergeblich Ravenna und erlitt bei Hasta eine Schlappe. Von Stilichos Unterfeldherrn Saulus wurde Alarich 6. April 402 (Ostersonntag) bei Pollentia und kurz danach bei Verona geschlagen, worauf er über die Julischen Alpen nach Illyrien entkam. Zur Ausführung seiner illyrischen Pläne gegen Byzanz zog Stilicho 405 Alarich durch Überlassung von Illyrien auf seine Seite; 407 erzwang sich Alarich von Noricum aus eine Zahlung von 3 1/2 Mill. Mk. Als der Hof zu Ravenna jedoch nach Stilichos Ermordung (23. Aug. 408) andere Saiten aufzog, brach Alarich, dem es hauptsächlich um die Anerkennung der reich dotierten Würde eines Magister militum zu tun war, von neuem in Italien ein und zog im Winter 408 vor Rom; durch ungeheure Kontributionen erkaufte die belagerte Stadt Schonung. Als sich aber die mit Kaiser Honorius angeknüpften Unterhandlungen zerschlugen, erschien Alarich 409 wieder vor Rom, dem er durch Einnahme Ostias die Zufuhr abschnitt, und setzte den bisher heidnischen, nunmehr arianischen Stadtpräfekten Priscus Attalus als Gegenkaiser ein; dieser ernannte Alarich zum Magister utriusque militiae und dessen Schwager Ataulf (s. d.) zum Comes domesticorum equitum. Als aber Alarich mit Attalus bald zerfiel, entthronte er ihn (Sommer 410), verhandelte ergebnislos mit Honorius und erschien schließlich zum drittenmal vor Rom; die Tore der Stadt wurden in der Nacht des 14. Aug. durch Sklaven der frommen Proba geöffnet, und die Goten drangen ein; nun erfolgte eine dreitägige, von Brand und Mord begleitete Plünderung. Alarich zog dann nach Kampanien, verwüstete Nola und ging nach Unteritalien, von wo aus er Sizilien und Afrika erobern wollte. Unter Vorbereitungen zu diesem Zug starb er 410 in Consentia (Cosenza); der Sage nach bestatteten ihn die Goten im Bett des abgeleiteten Flusses Busento. Sein Nachfolger als König der Westgoten war Ataulf.

Bibliographie

  • Eicken: Der Kampf der Westgoten und Römer unter Alarich (Leipz. 1876)
  • Keller, R.: Stilicho (Berl. 1884)
  • Köpke: Die Anfänge des Königtums bei den Goten (Berl. 1859)
  • Riegel: Alarich der Balte (Offenburg 1871)
  • Simonis: Versuch einer Geschichte des Alarich (Götting. 1858)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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