Alfred der Große, König von Wessex

Alfred der Große (angelsächs. Aelfred), König von England, jüngster Sohn König Ethelwulfs, geb. 849, gest. 28. Okt. 901, ward als fünfjähriger Knabe vom Papst Leo IV. in Rom zum König gesalbt. Zwei Jahre später besuchte er mit seinem Vater Rom zum zweitenmal. Nach dessen Tod folgten zunächst Alfreds ältere Brüder; doch nahm Alfred seit 866 eine hervorragende Stellung im Reich ein. 871 folgte er seinem Bruder Ethelred als König von Wessex. Er übernahm die Regierung unter den traurigsten Verhältnissen: die Normannen drangen bis in das Herz von Wessex vor; der Ackerbau lag danieder, die Hälfte der Dörfer und Städte, der Kirchen und Klöster in Asche. Zwar schloss Alfred 872 einen Vertrag mit den Normannen, diese erneuerten aber trotzdem ihre Einfälle; Mercia und die benachbarten Reiche, zuletzt auch Wessex (878), gingen an sie verloren. Spätere romantische Sagen berichten, dass Alfred sich darauf einige Zeit in Wildnissen und Sümpfen verborgen habe. Sicher ist, dass der König nicht aufhörte, die Vertreibung der Dänen im Auge zu behalten.

In dem Waldgebiet zwischen dem Parret und der Thone verschanzte er sich mit seinen Gefährten zu Aethelney, sammelte dann die Edlen und das Volk von Somerset und rückte mit seinem Heer gegen Äthandune (Eddington bei Westbury), wo er im Mai 878 einen glänzenden Sieg gewann. Die Folge davon war, dass der Dänenfürst Guthrum, dem Alfred Ostangeln beließ, das Christentum annahm. Nun begann für England eine friedlichere Zeit. Aber Alfred rüstete zugleich zur Abwehr neuer Angriffe, indem er sich eine eigene Flotte schuf, schlug 885 eine normannische Flotte, die in Kent landete und Rochester angriff, zurück und wurde auch in den blutigen Kämpfen der Jahre 894–897 der unter Führung Hastings abermals eingefallenen Normannen schließlich Herr und zwang sie zum Abzug. Des Königs Sorge war nun darauf gerichtet, die Wunden zu heilen, welche die lange Kriegsnot dem Land geschlagen hatte. Dabei erst zeigte sich Alfreds ganze Größe.

Er erneuerte die Einteilung des Landes in Gaue (Shires) und Hundertschaften, sorgte für gewissenhafte Handhabung der Rechtspflege, sammelte die Gesetze von Kent, Mercia und Wessex, fügte neue hinzu und schuf so ein Gesetzbuch, das zum Teil die Grundlage des späteren common law wurde (vgl. Turk, The legal code of Alfred the Great, Halle 1893). Mit gleichem Eifer sorgte Alfred für Hebung der wirtschaftlichen Verhältnisse. Der Ackerbau wurde begünstigt, Städte und Dörfer wurden neu gegründet, London aus den Trümmern wieder hergestellt. Ebenso bemüht war der König, Handel und Schiffahrt zu pflegen, und seiner besonderen Fürsorge erfreuten sich Kirchen und Klöster. Auch die vaterländische Literatur begünstigte Alfred in jeder Weise; er selbst übersetzte, durch seinen Freund Asser, Bischof von Sherborne, vorgebildet, Orosius’ Weltchronik, Bedas Kirchengeschichte, Boëthius’ Schrift vom Troste der Philosophie, Gregors Pastoralregel ins Angelsächsische. Daneben war Alfred in der Bau- und Schiffbaukunst, in Gold- und Silberarbeit erfahren; er selbst erfand einen Stundenmesser. Hauptquelle für Alfreds Geschichte ist die Biographie Assers, herausgegeben von Wise (Oxf. 1722) und in den »Monumenta historica britannica« (Lond. 1848). Seine Werke wurden herausgegeben von Bosworth (Lond. 1858, 2 Bde.).

Bibliographie

  • Bowker, Alfred: Alfred the Great. Chapters on his life and times (Lond. 1899)
  • Hughes: Alfred the Great (Lond. 1878 u. ö.)
  • Pauli: König Alfred und seine Stelle in der Geschichte Englands (Berl. 1851)
  • Plummer: Life and times of Alfred the Great (Cambr. 1902)
  • Weiß: Geschichte Alfreds d. Gr. (Schaffh. 1852)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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