Ultramarin

Ultramarin

Ultramarin (Lasurblau, Azurblau), blauer Farbstoff, der ursprünglich durch ein mechanisches Verfahren aus dem Lasurstein (Lapislazuli) gewonnen wurde und sehr hohen Wert besaß, jetzt aber in gleicher Schönheit aus eisenfreiem Ton, Schwefel und Soda (Sodaultramarin) oder aus Ton, Glaubersalz und Kohle (Sulfatultramarin) künstlich dargestellt wird und sehr billig geworden ist. Man unterscheidet kieselarmes Ultramarin von hellem, reinblauem Farbton, leicht zersetzbar durch Alaun, und kieselreiches Ultramarin mit eigentümlich rötlichem Ton und widerstandsfähiger gegen Alaun.

Acrylfarben

  • Ultramarineblau (PB29, lasierend), PRIMAcryl 13684
  • Ultramarine Blue (PB29, halb lasierend), Golden Artist Colors 1400
  • Ultramarine Blue (PB29, halb lasierend), Chroma A2 0072
  • French Ultramarine Blue (PB 29, halb transparent), Atelier Acrylic
  • Ultramarine Blue Green Shade (PB29, lasierend), Liquitex 380
  • Ultramarine Blue Red Shade (PB29, lasierend), Liquitex 382
  • Ultramarine Violet (PV15, lasierend), Golden Artist Colors 1401
  • Ultramarine deep (PB29 • PW6, deckend), Lascaux Studio 942
  • Ultramarine light (PB29 • PW6, deckend), Lascaux Studio 943
  • Light Ultramarine Blue (PB29 • PW6, deckend), Golden Artist Colors 1566

Zur Darstellung des Ultramarins werden die Materialien, der Ton nach dem Schlämmen und Glühen, sehr fein gepulvert und innig gemischt. Die Mischung wird in Schamottetiegeln eingestampft und bei möglichst gehindertem Luftzutritt anhaltend stark erhitzt. Hierbei entsteht eine gesinterte, poröse, graue, oft gelbgrüne Masse, die gewaschen, gemahlen, abermals gewaschen, getrocknet und gesiebt wird. Dies grüne Ultramarin wird als Tüncherfarbe und im Tapetendruck verwertet, zum bei weitem größten Teil aber in blaues Ultramarin verwandelt. Dies geschieht in liegenden Zylindern, in denen das Ultramarin unter allmählichem Zusatz von Schwefel erhitzt und, um die Einwirkung der Luft zu befördern, durch eine Flügelwelle umgerührt wird, bis es reinblau erscheint. Die gebildete schweflige Säure entweicht über die Esse. Dann wird das Ultramarin ausgewaschen, gemahlen, geschlämmt, eventuell mit Kaolin oder Gips vermischt, getrocknet und gesiebt. Die Waschwasser vom grünen und blauen Ultramarin werden verdampft, um in ihnen enthaltene Natronsalze wiederzugewinnen. Sodaultramarin wird in ähnlicher Weise dargestellt und zeichnet sich durch dunklere Färbung und größeren Farbenreichtum aus. Das kieselreiche Ultramarin ist ein Sodaultramarin mit fünf bis zehn Prozent vom Gewicht des Kaolins fein zerteilter Kieselsäure. Man erhält es in einer einzigen Operation. Es wird mit steigendem Kieselsäuregehalt rötlicher und alaunfester. Auch violette, rote und gelbe Präparate hat man dargestellt, doch sind deren Beziehungen zum blauen Ultramarin noch wenig aufgeklärt. Die chemische Konstitution des Ultramarins ist nicht sicher bekannt.

Ultramarin ist prächtig tiefblau, geruch- und geschmacklos, sehr hygroskopisch (lufttrocken 5 Proz. Feuchtigkeit), unlöslich in den gewöhnlichen Lösungsmitteln, widersteht der Luft, dem Licht und dem Wasser, auch Alkalien und dem Ammoniak, wird aber durch Säuren und sauer reagierende Salze unter Entwicklung von Schwefelwasserstoff zersetzt. Es erträgt bei Ausschluss der Luft Rotglut und wird erst in höherer Temperatur und beim Glühen an der Luft farblos.

Ultramarin dient als Wasser-, Kalk- und Ölfarbe, zur Darstellung von Buntpapier, im Tapeten- und Zeugdruck, in der Buchdruckerei und Lithographie, zum Blauen von Wäsche, Papier, Zucker, Stärke, Barytweiß, Stearin, Paraffin. In neuerer Zeit haben blaue Teerfarben das Ultramarin vielfach verdrängt. Die gelegentliche Bildung von Ultramarin im Sodaofen beobachtete Tassaert 1814, und Bauquelin zeigte, dass die blaue Verbindung mit Lasurstein identisch sei. Gmelin stelle 1822 künstliches Ultramarin dar, und Guimet in Lyon bereitete es zuerst in größeren Mengen. Unabhängig von Gmelin entdeckte Köttig in Meißen 1828 das Ultramarin und gab ein Verfahren an, nach dem es seit 1829 in Meißen dargestellt wurde. Weiter Fabriken wurden 1836 in Wermelskirchen von Leverkus und 1837 in Nürnberg von Leykauf gegründet. Der Apotheker Wilhelm Ludwig Büchner, Betreiber einer kleinen Chemiefabrik in Darmstadt, vereinfachte die Produktion des Ultramarins und gründete 1845 seine Ultramarinfarbrik auf dem Gelände der ehemaligen Krappfabrik in Pfungstadt. 1895 produzierte Deutschland 65.000 dz und 1905 wurden 48.388 dz im Wert von 2,46 Mill. Mk. ausgeführt.

Bibliographie

  • Fürstenau: Das Ultramarin und seine Bereitung (Wien 1880)
  • Hoffmann, Reinhold: Die Entwicklung der Ultramarinfabrikation (Braunschw. 1875)
  • Hoffmann, Reinhold: Ultramarin (Braunschw. 1902)
  • Vogelsang: Natürliche Ultramarinverbindungen (Bonn 1873)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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