Tercio

Tercio (span. tercio español, spanisches Drittel), der aus zehn, später zwölf, Kompanien bestehende Infanterieverband der spanischen Habsburgerzeit. Per Dekret vom 23. Oktober 1534 aufgestellt, bezog sich die Bezeichnung Tercio auf die ursprüngliche Dreiteilung der Truppe in Pikeniere, Rodeleros, und Arkebusiere. Im Verlauf seiner gut 150-jährigen Geschichte erlebte das Tercio viele Veränderungen; so verloren die Rodeleros bald an Bedeutung und wurden durch Arkebusiere und Musketiere ersetzt. Die Zahl der Pikeniere veränderte sich ebenfalls zugunsten der Musketiere, bis die Pike im Verlauf des Spanischen Erbfolgekrieges endgültig von der Bajonettflinte abgelöst wurde.

Tercio und Kompanie waren rein administrative Einheiten. Auf dem Schlachtfeld bildete die spanische Infanterie Gevierthaufen, die sich »quadro de gente« (Viereck von Leuten) oder »quadro de terreno« (Feldkarree) nannten. Abhängig von der Zahl der verfügbaren Pikeniere, berechnete der Maestre de Campo die Zahl der Glieder und Rotten jedes Karrees. Gepanzerte Pikeniere, die Coseletes, standen vorne und Pica Seca dahinter. Arkebusiere und Musketiere traten als Einfassung oder Garnierung (guarnición) um das Karree herum, unter den Schutz der 5 m langen Piken. Zusätzlich bildeten sie vier Ärmel (mangas), die wie Bastionen an den Ecken des Karree aufgestellt waren.

Vier oder sieben Gevierthaufen bildeten eine spanische Brigade, die, in drei Treffen, in der Formation 1—2—1 oder 2—3—2 antrat. Indem die Karrees in der Verteidigung eine Ecke in Feindrichtung schwenkten, konnte das Feuer eines Karrees die Flanken der benachbarten Karrees bestreichen, ohne die eigene Truppe zu gefährden. Geriet der Feind zwischen die Karrees, war er dem überlappenden Feuer dreier benachbarter Karrees ausgesetzt.

Die Sollstärke der Tercios, 3.000 Mann in zehn Kompanie mit je 300 Mann oder, später, 3.000 Mann in zwölf Kompanien mit je 250 Mann, wurde im Felde praktisch nie erreicht. In der Schlacht traten daher meist zwei oder mehr Tercios zu einem gemeinsamen Schlachthaufen an. Die Fahnen der beteiligten Tercios standen relativ geschützt im hohlen Inneren des Karrees, wo auch die Verwundeten gesammelt wurden.

Figuren für frühe Tercios

Figuren für spätere Tercios

Die großen Karrees der Spanier und Kaiserlichen dominierten lange Zeit die Schlachtfelder Europas, bis das Aufkommen wirkungsvoller Handfeuerwaffen und beweglicherer Geschütze den Übergang zu kleineren Einheiten mit mehr Gliedern und weniger Rotten ermöglichte. Dem entsprechend wurde »Tercio« 1704 offiziell durch »Regimiento« abgelöst.

Bibliographie

  • Lopez, Ignacio & Iván Notario: The Spanish Tercios 1536–1704 (Botley 2012)
  • Roberts, Keith: Pike and Shot Tactics 1590–1660 (Botley 2010)
  • Wagner, Eduard: Tracht, Wehr und Waffen im Dreißigjährigen Krieg (Prag 1980)

Fragen und Antworten

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