Strategische Eisenbahnen

Strategische Eisenbahnen, Bahnlinien, deren Bau mehr durch Kriegs- als Friedensrücksichten veranlasst worden. Sie vervollständigen das Bahnnetz, das im Frieden zu Verkehrs- und Handelszwecken dient, in der Art, dass es geeignet wird, den strategischen Aufmarsch (Beförderung des Feldheeres in das Versammlungsgebiet), die Truppenverschiebungen in der Querrichtung sowie an den Landes- und Seegrenzen zu beschleunigen. Für den strategischen Aufmarsch muss das Bahnnetz die Benutzung vieler selbständiger Linien (möglichst einer für jedes Armeekorps) gestatten, die man auch wohl in ihrer Gesamtheit, obwohl sie in erster Linie dem Friedensverkehr dienen, Strategische Eisenbahnen nennt. Die strategischen Eisenbahnen erscheinen dabei als eingelegte kurze Strecken, bei denen Stromüberbrückungen nicht zu vermeiden sind. Wo sie als Querverbindungen zur Überführung von Truppen in eine andere Operationsrichtung, bzw. auf einen anderen Kriegsschauplatz, oder wo sie längs der Grenzen zur Verteidigung der Landesgrenzen oder Küsten dienen sollen, sind sie länger.

Der Friedensbetrieb auf den strategischen Eisenbahnen ist eingeschränkt, sie werden aber reichlich mit Gleisentwicklung, Wasserversorgung und Laderampen versehen, und ihre wichtigeren Kunstbauten (Brücken etc.) werden zur Zerstörung (Minenkammern) vorbereitet. Für Frankreich kann man rechnen, dass 14 selbständige durchgehende Linien bei einer Mobilmachung je ein Armeekorps nach der Grenze befördern. Russland hat sechs große durchgehende Linien nach der Westgrenze (Aufmarsch des Heeres in Polen) und seine Transkaspische und Sibirische Bahn sind in erster Linie Strategische Eisenbahnen und erst in zweiter wirtschaftliche.

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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