Fastpainting

Blitzbemalung von Figuren im Maßstab 1:72

Fastpainting – Bemalen von Figuren im Maßstab 1:72

Australische Infanterie des Zweiten Weltkrieges. Der Soldat links im Bild wurde schwarz grundiert und weiß trockengebürstet, wodurch die scharfen Details der Revell-Figur hervorgehoben sind. Der Mann daneben wurde im „Stain Painting“-Verfahren gebeizt und anschließend detailliert. Wir verwendeten Acrylfarben von Tamiya, deren Pigmente sich allerdings als etwas zu grobkörnig für das „Stain Painting“ herausstellten. Wir konnten die Farbe nicht so verdünnen, dass sie einen feinen Film gebildet hätte, der die weißen Lichter färbt, die schwarzen Schatten aber noch durchscheinen lässt. Die Figur ist insgesamt zu wenig schattiert, es fehlt ihr an Kontrast, weshalb sie im normalen Sichtabstand von 60 cm ziemlich flach wirkt. Acrylfarben anderer Hersteller liefern vermutlich bessere Ergebnisse.

Der Autor beschreibt eine Technik der Blitzbemalung, die einfach zu erlernen ist und schöne Ergebnisse liefert. Neu ist die Kombination von schwarzer Grundierung und weißem Trockenbürsten vor dem klassischen „Stain Painting“. Der US-amerikanische Figurenhersteller Heritage USA hat bereits Ende der 1970er Jahre das „Stain Painting“ propagiert. Die Firma produzierte eine Reihe von Heritage Acrylfarben speziell für diese Anwendung. Selbst Anfänger konnten mit dieser Technik erstaunliche Ergebnisse erzielen, und zwar mit deutlich geringerem Aufwand als beim herkömmlichen Bemalen von Figuren. „Stain Painting“ funktioniert am besten an Figuren mit gestochen scharfen Details. Die Lasurfarbe fließt von erhabenen Flächen ab, in die Falten und Vertiefungen hinein, setzt Lichter und Schatten.

Werkzeug und Zubehör

Malanleitung für Kunststofffiguren

Ich möchte darauf hinweisen, dass mit dieser Technik verblüffend gut aussehende Figuren produziert werden können, obwohl Blitzbemalung den Fokus primär auf Geschwindigkeit legt. Da es eine sehr schnelle Maltechnik ist, würde ich keinen Moment zögern, eine alte Figur abzubeizen und sie noch einmal in diesem Stil zu bemalen.

Bevor wir in die Details der Maltechnik einsteigen, einige Worte zum Vorbereiten der Figur selbst. Gussnähte und Stellen von Formversatz müssen vor dem Bemalen mit einem scharfen Bastelmesser entgratet werden. Stumpfe Klingen sind gefährlicher als scharfe, weil erfahrungsgemäß mehr Kraft angewendet wird. Gleitet eine stumpfe Klinge von der Figur ab, bleibt sie unweigerlich im nächstgelegenen Finger stecken und richtet dort ein Blutbad an. Manche Leute empfehlen, man solle Figuren vor dem Bemalen mit Spülmittel von anhaftendem Formtrennmittel oder Hautfett befreien. Das mag sinnvoll sein, aber diese Mühe habe ich mir bisher immer gespart. Gut möglich, dass ich das irgendwann bereuen werde.

Grundieren und Trockenbürsten

Im ersten Schritt wird eine Grundierung von schwarzer Acrylfarbe unverdünnt aufgetragen. Diese Grundierung sollte über Nacht gut durchtrocknen; anschließend die Figur mit matter weißer Acrylfarbe trocken bürsten. Kunstharz-Emaillack eignet sich möglicherweise ebenfalls für diesen Zweck, das habe ich aber noch nie ausprobiert. Das Trockenbürsten sollte den größten Teil der Oberfläche weiß färben, nur die Falten und Vertiefungen bleiben schwarz.

Stainpaint

Die Uniformfarben legen wir nun mit verdünnter Acrylfarbe an. Ich verdünne die Farben zur Konsistenz von Milch und setze sie mit dem Pinsel auf die entsprechende Fläche der Figur. Die richtige Konsistenz hängt vom jeweiligen Farbton ab, und kann von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich sein. Hier gilt es, ein bisschen zu experimentieren. Die Farbe sollte weiße Flächen färben, schwarze Flächen aber nur tönen. Das Ergebnis liefert Lichter und Schatten. Ich verwende stahlgraue oder goldgelbe Farbe für Metallteile, da Silber, Gold und andere metallische Hobbyfarben für das „Stain Painting“ ungeeignet sind.

Details

Für helle Flächen, besonders für helle Haut, weiße Ausrüstung etc. verwende ich diese Technik nicht. „Stain Painting“ lässt diese Flächen nämlich kalt und verwaschen aussehen. Stattdessen verwende ich die entsprechenden Farbtöne unverdünnt, und lege dann ein sehr stark verdünntes, mittleres Braun lavierend darüber. Die Lavur sammelt sich in den Falten und schattiert sie automatisch. Die Flächen wirken dann wärmer und freundlicher.

Basieren und Fixieren

Ich basiere die fertigen Figuren einzeln auf 20 bis 25 mm große Unterlegscheiben aus dem Autozubehör, die ich mit Modellgras einstreue. Anschließend werden die Figuren mit mattem Firnis konserviert.

Massenproduktion

Ich male immer eine große Gruppe von Figuren gleichzeitig, wobei ich einen Farbton nach und nach auf alle Figuren auftrage, bevor ich zum nächsten Farbton wechsle. Auf diese Weise kann ich in vier Stunden ungefähr 40 Figuren mit einfachen Uniformfarben bemalen, z. B. US-amerikanische oder sowjetrussische Infanterie des Zweiten Weltkrieges, oder die Hälfte davon, wenn es sich um Highlander des 19. Jahrhunderts oder Soldaten mit mehrfarbiger Tarnkleidung handelt.

Ein Wort der Ermutigung

Als ich diese Maltechnik zum ersten Mal ausprobierte, verzweifelte ich bereits auf halbem Wege. Die Farben sahen verwaschen aus, und die vielen noch weißen Stellen ließen Zweifel aufkommen, ob ich die Figuren jemals fertigstellen würde. Sobald aber alles Weiß im richtigen Farbton angelegt war, gefielen mir die Figuren wirklich gut. Seitdem bin ich bei dieser Technik geblieben.

Neuerdings verwende ich diese Form des „Stain Paintings“ auch für 25 mm Zinnfiguren. Nach dem Trockenbürsten sehen diese Figuren überwiegend grau aus, mit schwarzen Schatten in den Falten der Kleidung; deshalb bürste ich sie nach dem Trocknen ein zweites Mal mit weißer Acrylfarbe, sodass der Nasenrücken und die schärfsten Falten der Kleidung noch deutlicher hervortreten. Wenn die Figur nun lavierend bemalt wird, sehen die mehrstufigen Lichter und Schatten sehr attraktive aus. Ich habe mit dieser Technik ganze Horden muslimischer Krieger und Reiter der Kreuzzüge bemalt, und bin mit Ergebnis sehr zufrieden. Dieses Experiment hat mich in die Lage versetzt, endlich einmal eine Armee von 25 mm Figuren fertigzustellen; etwas, dem ich nie zuvor nahe gekommen bin, weil es so viel Zeit braucht, diese größeren Figuren mit traditionellen Techniken zu bemalen.

Weitere Artikel

Military Miniatures Magazin befasst sich in einer Reihe von Artikeln mit dem „Stain Paintings“, Beizen, Lavieren, oder Lasieren von Figuren aus Metall oder Kunststoff.

Probieren Sie Fastpainting aus. Ich bin sicher, die Ergebnisse werden Ihnen gefallen.

Will Scarvie

Bemalen von Figuren und Fahrzeugen