Gustav II. Adolf, König von Schweden

Gustav II. Adolf, König von Schweden

Gustav (II.) Adolf, König von Schweden, geb. 19. (9.) Dez. 1594 in Stockholm, gef. 16. (6.) Nov. 1632 bei Lützen, Enkel König Gustavs I., genoss eine ausgezeichnete wissenschaftliche und militärische Erziehung, die seine hervorragenden Anlagen zur glänzendsten Entwicklung brachte. Als er nach kurzer Vormundschaftsregierung im Dezember 1611 seinem Vater Karl IX. (s. d.) folgte, war das schwedische Reich zu gleicher Zeit in drei gefährliche Kriege verwickelt. Der Krieg gegen die Dänen, die bei seinem Regierungsantritt ganz Südschweden besetzt hielten, endete damit, dass Schweden im Frieden von Knäröd (30. Jan. 1613) Elfsborg und einige andere Gebiete für 1 Mill. Taler zurückkaufen musste, was sich wegen der kurzen Zahlungsfrist (6 Jahre) und der Erschöpfung des Staatsschatzes nur durch persönliche Opferwilligkeit des Königs und seiner Untertanen erreichen ließ. Der Krieg gegen die Russen, dessen Leitung Gustav Adolf 1614–15 selber übernahm, verlief dagegen glücklich und führte im Frieden zu Stolbowa (9. März 1617) zur Einverleibung von Karelien und Ingermanland. Mit seinem polnischen Vetter, dem katholischen Wasaspross König Siegmund III. (s. d.), der sein Anrecht auf den schwedischen Thron bestritt, stand Gustav Adolf, trotz wiederholter Waffenstillstände, von Anfang an auf gespanntem Fuße. Nachdem schon 1617 Pernau in seine Hand gefallen war, landete er im Sommer 1621 an der Dünamündung und brachte in mehreren Feldzügen (1621–22, 1625–26) Livland, Kurland und Estland sowie die wichtigen preußischen Städte Memel, Pillau, Braunsberg und Marienburg in seine Gewalt.

Zu diesen auswärtigen Errungenschaften gesellte sich eine nicht minder erfolgreiche Reformtätigkeit im Innern. Für die Hebung des Volkswohlstands wurde durch Unterstützung von Handel, Gewerbe und Schiffahrt, Verbesserung der Verkehrswege, Städtegründungen, Berufung kundiger Ausländer zur Einführung neuer Industrien etc. trefflich gesorgt, die Organisation der Zentral- und Lokalbehörden neu geregelt, die Rechtspflege durch Einführung einer neuen Prozessordnung (1614) sowie durch Errichtung von Hofgerichten in Stockholm (1614), Åbo (1623) und Dorpat (1629) wesentlich verbessert, die geistige Bildung auf mannigfaltige Art gefördert, die Kompetenz der Volksvertretung durch die Reichstagsordnung von 1617, die den Reichstag in vier Stände einteilte, gesetzlich festgelegt, der Adel durch neue Vorrechte (Ritterhausordnung von 1626) völlig für das Königtum gewonnen, dessen Hauptstütze er fortan im Heer wie in der Verwaltung bildete. So hatte Gustav Adolf in wenigen Jahren nicht nur das Ziel seiner auswärtigen Politik, die Ostseeherrschaft, fast erreicht, sondern auch ein blühendes nordisches Reich geschaffen, dessen gewaltige, in vielen Schlachten erprobte und von tüchtigen Feldherren geleitete Kriegsmacht bald eine hervorragende Rolle in der Geschichte Europas zu spielen berufen sein sollte.

Schon während des polnischen Krieges war Gustav Adolf ein aufmerksamer Beobachter des Krieges gewesen, der seit 1618 Deutschland verheerte, zumal der Kaiser den Polen offen Beistand leistete, selber die Ostseeherrschaft zu erlangen suchte und die in Schweden regierende protestantische Wasalinie bedrohte. Infolge der Ablehnung aller schwedischen Friedensvorschläge polnischerseits hatte er jedoch die wiederholte Aufforderung Frankreichs und der Niederlande, sich an die Spitze der deutschen Protestanten zu stellen, ablehnen müssen und den Hilferufen seiner verjagten mecklenburgischen Verwandten, des Böhmenkönigs Friedrich V. von der Pfalz sowie der Stadt Stralsund nur teilweise entsprechen können (s. Dreißigjähriger Krieg). Erst der durch französische Vermittelung 26. Sept. 1629 in Altmark (Westpreußen) auf sechs Jahre abgeschlossene schwedisch-polnische Waffenstillstand ermöglichte es ihm, nach Vollendung seiner Rüstungen sich mit Zustimmung des Reichstages nach Deutschland zu wenden. Es waren nicht bloß religiöse, aber auch keineswegs lediglich politische Beweggründe, die ihn zu diesem Schritt bestimmten, vielmehr gingen beide Motive nebeneinander her.

Am 5. Juli 1630 mit 13.000 Mann auf deutschem Boden gelandet, bemächtigte er sich der Inseln Usedom, Wollin und Rügen sowie, nach Unterwerfung des Herzogs Bogislaw XIV. von Pommern, der Stadt Stettin (vgl. Bogislaw 2). Hierauf durch Zuzüge aus den Ostseeprovinzen auf 40.000 Mann verstärkt, begann er schrittweise die Eroberung ganz Pommerns, Mecklenburgs sowie Brandenburgs und erhielt durch den Vertrag von Bärwalde (23. Jan. 1631) von Frankreich die zur Fortführung des Krieges erforderlichen Hilfsgelder zugesichert. Sein Plan, Magdeburg zu entsetzen, wurde durch Brandenburg und Sachsen, die ihm den Durchmarsch verweigerten, vereitelt. Vergebens machte er, um Tilly abzulenken, im April eine Demonstration gegen Schlesien und erstürmte Frankfurt a. O. sowie Landsberg a. W. Als sein brandenburgischer Schwager, Kurfürst Georg Wilhelm (s. d.), sich endlich (14. Mai) durch schwedische Gewaltmaßregeln genötigt sah, den Schweden vertragsmäßig den Durchzug durch sein Gebiet zu gestatten und ihnen die Festung Spandau als militärischen Stützpunkt einzuräumen, war es schon zu spät. Gerade die Zerstörung Magdeburgs (20. Mai) führte indessen eine für Gustav Adolfs Bestrebungen günstige Wendung herbei. Die Bildung einer protestantischen Mittelpartei war fortan unmöglich. Vielmehr schlossen Brandenburg (21. Juni) und Sachsen (11. Sept.), dessen Kurfürst Johann Georg I. seine Lande, trotz seiner Neutralitätserklärung, durch Tilly hart bedrückt sah, ein Bündnis mit Gustav Adolf, der in Sachsen einrückte.

Der am 17. Sept. erfochtene glänzende Sieg des Schwedenkönigs bei Breitenfeld über Tilly befreite mit einem Schlag ganz Norddeutschland von den Kaiserlichen. Die deutschen Fürsten, von denen sich ihm bisher, außer Landgraf Wilhelm von Hessen und Herzog Bernhard von Weimar, nur die aus ihren Ländern vertriebenen angeschlossen hatten, suchten nunmehr eifrig seinen Schutz oder sein Bündnis, und die evangelische Bevölkerung, besonders die Bürgerschaft der Reichsstädte, begrüßte ihn als Befreier. Als er im Herbst durch Thüringen nach Franken und dem Mittelrhein zog, stieß er fast nirgends auf erheblichen Widerstand. Würzburg, Hanau und Frankfurt fielen rasch in seine Hand, Nürnberg begab sich in seinen Schutz, und die fränkischen Stände huldigten ihm als Herzog von Franken. In Mainz, wo er während des Winters blieb, fasste er den Plan, den Evangelischen einen für immer gesicherten Frieden zu erkämpfen und sie zu einem Bund unter Schwedens Führung zu einigen. Zu diesem Zwecke vereinigte er sich im März 1632 bei Kitzingen mit seinem General Horn, folgte Tilly über Nürnberg und Donauwörth zum Lech, dessen Übergang er erzwang, und hielt Mitte Mai seinen Einzug in München. Erst das Wiederauftreten Wallensteins setzte seinem weiteren Vordringen ein Ende. Zwei Monate lang standen beide in befestigten Lagern bei Nürnberg einander gegenüber. Nach einem vergeblichen Versuch, das feindliche Lager zu erstürmen, wandte sich Gustav Adolf Anfang September nach Schwaben, rückte aber, infolge der Kunde von Wallensteins Einfall in Sachsen, in Eilmärschen dorthin, um seine eigene Stellung in Norddeutschland zu sichern und Kurfürst Johann Georg vom Abfall abzuhalten, und vereinigte Anfang November seine Streitkräfte in Erfurt. Wenige Tage später fiel er in der Schlacht bei Lützen.

Für den Glanz seines Namens starb Gustav Adolf zur rechten Stunde: er strahlte fortan im Andenken der Protestanten als Glaubensheld, der für das Evangelium den Heldentod erlitten. Dieser Nimbus wäre aber zweifellos verblichen, hätte er seinen Plan, durch Eroberungen an Deutschlands Küsten die Alleinherrschaft im Baltischen Meer (dominium maris baltici) zu erringen, verwirklicht, wodurch er so manche Interessen verletzen und große Schwierigkeiten hervorrufen musste. Gleichwohl war sein Tod für die Sache des deutschen Protestantismus, dem von nun an eine einheitliche, zielbewusste Leitung fehlte, wie für die junge schwedische Großmacht ein unersetzlicher Verlust. – In religiöser Hinsicht fromm, aber nicht unduldsam, als Staatsmann besonnen und umsichtig, war er als Krieger tapfer bis zur Tollkühnheit, aber gerade deshalb bei seinem Heer wie beim deutschen Volk sehr beliebt. Seine Leistungen in der Taktik, seine Neuerungen in der Bewaffnung, Einteilung und Aufstellung der einzelnen Truppengattungen sowie im Geschützwesen waren epochemachend, seine Soldaten in Bezug auf Manneszucht und moralische Tüchtigkeit damals unerreicht. Feldherren wie Johan Banér, Nils Brahe, Gustav Horn, Torstensson und Karl Gustav Wrangel waren seine militärischen Schüler, während er selber in der Politik den Reichskanzler Axel Oxenstierna (s. d.) zum Lehrmeister hatte. – Seit 1620 mit der brandenburgischen Prinzessin Maria Eleonora vermählt, hinterließ er nur eine Tochter, Christine (s. d.). Außerdem hatte er einen unehelichen Sohn, den spätern Grafen Gustav Gustafsson von Wasaborg (geb. 1616 oder 1617, gest. 1653). In Schweden und Deutschland wurden ihm mehrere Denkmäler errichtet. Ein dauerndes Andenken fand er in Deutschland durch den Gustav Adolf-Verein (s. d.).

Figuren

  • Gustav Adolf zu Pferd, 54 mm Peipp Miniaturen 540900
  • Gustavus II. Adolf und Stab, 28 mm Assault Group REN159
  • Gustavus II. Adolf und Stabsoffizier, 28 mm 1st Corps TYW06
  • Gustav II. Adolf, König von Schweden, 15 mm Testudo TYPERS1

Bibliographie

  • »Konung Gustaf II Adolfs Skrifter« (hrsg. von Styffe, Stockh. 1861)
  • »Schriftstücke Gustav Adolfs, zumeist an evangelische Fürsten Deutschlands« (hrsg. von G. Droysen, Halle u. Stockh. 1877)
  • »Konung Gustaf II Adolfs bref och instruktioner till A. Oxenstierna« (hrsg. von Sondén, Stockh. 1888)
  • Ålund: Gustaf II Adolf (1894)
  • Björlin: Gustaf II Adolf (Stockh. 1890)
  • Cronholm: Sveriges historia under Gustaf II Adolfs regering (Stockh. 1857–72)
  • Droysen, G.: Gustav Adolf (Leipz. 1869–70)
  • Egelhaaf: Gustav Adolf in Deutschland 1630–1632 (Halle 1901)
  • Fey, C.: Gustav Adolf im Lichte der Geschichte (Leipz. 1894)
  • Flathe: Gustav Adolf und der Dreißigjährige Krieg (Dresd. 1840–41)
  • Fletcher: Gustavus Adolphus and the struggle of protestantism for existence (New York 1890)
  • Forssell: Gustaf II Adolf (1894)
  • Fryxell: Geschichte Gustav Adolfs (Leipz. 1852)
  • Gfrörer: Gustav Adolf, König von Schweden, und seine Zeit (Stuttg. 1835)
  • Gutjahr: König Gustav II. Adolfs Beweggründe zur Teilnahme am deutschen Kriege (Leipz. 1894)
  • Hallenberg: Svea rikes historia under Gustaf Adolf den Stores regering (Stockh. 1790–96)
  • Helbig: Gustav Adolf und die Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg 1630–1632 (Leipz. 1854)
  • Hjärne: Gustaf Adolf, protestantismens förkämpe (Stockh. 1901, auch deutscher Auszug)
  • Kretzschmar: Gustav Adolfs Pläne und Ziele in Deutschland und die Herzoge zu Braunschweig und Lüneburg (Hannov. 1904)
  • Lamparter: Gustav Adolf (Barm. 1892)
  • Soden, v.: Gustav Adolf und sein Heer in Süddeutschland (Erlang. 1865–69)
  • Stavenow: Gustaf Adolf, hans personlighet och betydelse (Stockh. 1894)
  • Stevens, J. L.: Life and times of Gostavus Adolphus (New York 1885)
  • Struck: Das Bündnis Wilhelms von Weimar mit Gustav Adolf (Strals. 1895)
  • Varenius: Gustav Adolfs schwedischer Nationalstaat (schwed. 1900; deutsch von Arnheim, Leipz. 1901)
  • Weibull, M.: Gustaf II Adolf (1881, 2. Aufl. 1894)
  • Wittich: Magdeburg, Gustav Adolf und Tilly (Berl. 1874)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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