Zweiter Schlesischer Krieg, 1744–1745

Zweiter Schlesischer Krieg, 1744–1746

Zweiter Schlesischer Krieg (1741–1745). Die Siege der Österreicher und ihrer Verbündeten in Deutschland und Italien 1742–1743 über die Bayern und Franzosen, verdächtige Äußerungen Maria Theresias über Schlesien, der Wormser Vertrag vom 13. Sept. 1743 zwischen Österreich, England und Sardinien, in dem bei der Garantie der Pragmatischen Sanktion Schlesien nicht ausgenommen wurde, u. a. erweckten in Friedrich II. die Besorgnis, dass man ihm nach Beendigung des Erbfolgekrieges Schlesien wieder entreißen werde. Er beschloss, dem zuvorzukommen, schloss 15. April 1744 mit Frankreich und 22. Mai mit Kaiser Karl VII., Kurpfalz und Hessen-Kassel ein Bündnis und rückte Ende August als »Beschützer des deutschen Kaisers und der deutschen Freiheit« an der Spitze von 80.000 Mann »kaiserlicher Hilfsvölker« in Böhmen ein, eroberte 16. Sept. Prag und besetzte ganz Böhmen, während General v. d. Marwitz in Mähren einfiel.

Die matte Kriegführung der Franzosen gestattete jedoch dem Prinzen Karl von Lothringen, mit einem Heer vom Rhein nach Böhmen zu ziehen, und 20.000 Sachsen fielen Friedrich von Norden her in den Rücken. Prinz Karl, vom General Traun beraten, wich jeder Schlacht aus, nahm stets starke, unangreifbare Stellungen ein und belästigte Friedrich durch Angriffe seiner leichten Reiterei, die Proviantkolonnen abfing, Magazine zerstörte und den Gegner durch den kleinen Krieg erschöpfte. Das preußische Heer wurde hierdurch, durch Krankheiten infolge des Mangels an Lebensmitteln und des schlechten Wetters sowie durch Desertionen so geschwächt, dass es im Dezember Böhmen räumte und sich nach Schlesien zurückzog, in das die Österreicher zu gleicher Zeit nach Vertreibung von Marwitz aus Mähren eindrangen.

Friedrichs Missgeschick, das einer Niederlage gleichkam, der Friede mit Bayern nach Karls VII. Tod (20. Jan. 1745), das Warschauer Bündnis (8. Jan.) mit den Seemächten und Sachsen, endlich die durch England vermittelte Annäherung Russlands ermutigten Maria Theresia zu der Hoffnung auf Wiedererwerb Schlesiens, wo ihre Truppen bereits die preußischen Wappen wegrissen und die Huldigung für ihre Königin verlangten; der Vertrag mit Sachsen vom 18. Mai sicherte ihr Schlesien, diesem Magdeburg, Krossen und Schwiebus zu. Das österreichisch-sächsische Hauptheer unter dem Prinzen Karl von Lothringen, 75.000 Mann, sollte, Ende Mai über das Riesengebirge in Schlesien einbrechend, die Eroberung dieses Landes vollenden.

Der Sieg Friedrichs bei Hohenfriedeberg (4. Juni) vereitelte dies zwar, vernichtete aber den Gegner, der sich in eine feste Stellung an der oberen Elbe zwischen Josephstadt und Königgrätz zurückgezogen hatte, nicht. Im Lager bei Chlum erlitt Friedrichs Heer durch Krankheiten Verluste; der König ging deshalb bei Annäherung des Winters nach Schlesien zurück und sicherte sich den Rückzug durch den Sieg bei Soor (30. Sept.). Die Österreicher fassten jetzt einen kühnen Plan: während Friedrich durch das Vordringen der Österreicher in Schlesien, Leopold von Dessau mit der Reservearmee bei Halle durch die Sachsen festgehalten wurde, sollte das Hauptheer durch die Lausitz direkt in die Mark und auf Berlin losgehen. Friedrich ließ sich jedoch in Schlesien nicht festhalten, sondern rückte in Eilmärschen nach der Lausitz, fiel dem Hauptheer unerwartet in die Flanke, zersprengte durch das Gefecht bei Katholisch-Hennersdorf (23. Nov.) das Korps des Grafen Grünne und zwang den Prinzen Karl zum Rückzug nach Böhmen.

Leopold von Dessau, durch einen tadelnden Befehl des Königs gereizt, griff 15. Dez. die Sachsen unter Rutowski bei Kesselsdorf an und schlug sie so entscheidend, dass ganz Sachsen in Friedrichs Gewalt fiel und er 18. Dez. in Dresden einziehen konnte. Sachsen bat um Frieden, Maria Theresia ließ sich durch England ebenfalls zu Verhandlungen herbei, und 25. Dez. bereits ward der Friede von Dresden abgeschlossen, der den Berliner Frieden von 1742 bestätigte. Maria Theresia verzichtete nochmals auf Schlesien und Glatz, wogegen Friedrich ihren Gemahl Franz I. als Kaiser anerkannte, und Sachsen zahlte 1 Mill. Taler Kriegskosten.

Bibliographie

  • »Die Kriege Friedrichs d. Gr., hrsg. vom Großen Generalstab«, 2 Abt. (Berl. 1895, 3 Bde.)
  • Becker: Der Dresdener Friede und die Politik Brühls (Leipz. 1902)
  • Knötel, Richard: Gebet des Alten Dessauers vor der Schlacht bei Kesselsdorf
  • Orlich, v.: Geschichte der Schlesischen Kriege (Berl. 1841, 2 Bde.)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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