Major Ferdinand Baptista von Schill

Major Ferdinand von Schill fällt am 31. Mai 1809 in Stralsund

Schill, Ferdinand Baptista von, preußischer Kavallerieoffizier und Patriot, geb. 6. Jan. 1776 in Wilmsdorf bei Dresden, wo seit 1904 sein Denkmal steht, gefallen 31. Mai 1809 in Stralsund, tritt 1788 in ein preußisches Husarenregiment. Bei Auerstedt am Kopf verwundet, wartet er seine Genesung in Kolberg ab und bildet per Cabinetsordre vom 12. Januar 1807 aus Ranzionierten, entflohenen oder freigekauften Kriegsgefangenen, ein Freikorps von 1000 Mann, mit dem er die Verteidigung dieser Festung durch Behauptung der Maikuhle wirksam unterstützt, zugleich aber in Pommern umherstreift.

Nach dem Frieden von Tilsit Major und bald darauf als Inhaber und Kommandeur des 2. Brandenburgischen Husarenregiments in die preußische Armee eingegliedert, fasst er 1809 den Entschluss, Preußen durch eine kühne Unternehmung zum Kriege gegen Napoleon fortzureißen. Unter dem Vorwand eines Feldmanövers führt er sein Regiment 28. April 1809 ohne Vorwissen des Königs von Berlin gegen die Elbe; eine Anzahl Offiziere und eine Kompanie Fußjäger folgen ihm. Aber schon vor Wittenberg stößt das kleine Korps auf Widerstand, und da die Stimmung in Sachsen für Schill keineswegs günstig ist, so wendet er sich auf das linke Ufer der Elbe nach Anhalt. Bei Dodendorf, unweit Magdeburg, hat Schill 5. Mai das erste Gefecht mit einer Abteilung der Magdeburger Garnison. Da der König Schills »unglaubliche Tat« öffentlich mit den schärfsten Ausdrücken missbilligt, erhält dieser keinen Zuzug und muss vor der wachsenden Macht der Feinde zurückweichen.

Er wendet sich durch die Altmark nach Mecklenburg, um nach Rostock und Wismar zu gelangen, wo er englische Unterstützung zu finden hofft. Von holländischen und dänischen Truppen bedrängt, rettet sich Schill 25. Mai nach Stralsund und sucht in Eile die 1807 geschleiften und inzwischen verfallenen Festungswerke herzustellen. Aber schon 31. Mai erscheinen die vereinigten Holländer und Dänen (6000 Mann) vor der Stadt und dringen unter einer heftigen Kanonade ein. In den Straßen entbrennt ein blutiger Kampf, bei dem Schill, nachdem er den holländischen General Cateret, obwohl selbst aus mehreren Wunden blutend, vom Pferd gehauen, durch mehrere Gewehrschüsse den Tod findet. Etwa 200 Reiter und einige Jäger schlagen sich durch und erzwingen die Bewilligung freien Abzugs nach Preußen, wo die Soldaten in ihre Heimat entlassen, die Offiziere aber vor ein Kriegsgericht gestellt und mit Festungsstrafe und Kassation bestraft werden. Eine andere Abteilung entkommt von Rügen aus zu Wasser nach Swinemünde, der Rest des Korps aber bleibt im Gefecht oder wird (543 Mann) gefangen und nach Frankreich auf die Galeeren transportiert. Elf gefangene Offiziere werden in Wesel 16. Sept. 1809 erschossen. 1835 wird ihnen hier von der preußischen Armee ein Denkmal errichtet.

Schills Leichnam wird in Stralsund begraben, sein Kopf aber in Spiritus gesetzt und im Museum zu Leiden aufbewahrt, 1837 jedoch in Braunschweig nebst einigen dort begrabenen Kameraden in einem besonderen Mausoleum beigesetzt. 1889 wird das 1. Schlesische Husarenregiment nach Schill benannt.

Militärischer Werdegang

  • Eintritt in ein preußisches Husarenregiment, 1788
  • Secondlieutenant, 1806
  • Rittmeister, 1807
  • Kommandeur des Schillsches Freikorps, 1807
  • Major, 1807
  • Als Inhaber seines 2. Brandenburgischen Husarenregiments in die preußische Armee eingegliedert, 1808

Bibliographie

  • »Ferdinand v. Schill, ein militärisch-politisches Charakterbild« (Potsd. 1860)
  • »Briefe einer Braut aus der Zeit der deutschen Freiheitskriege 1804–1813«, herausgegeben von Edith v. Cramm (Berl. 1905)
  • Bärsch: F. v. Schills Zug und Tod (Leipz. 1860, neue Ausg. 1901)
  • Haken: Ferdinand v. Schill (Leipz. 1824, 2 Bde.)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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