Polystyrolplatten aus Joghurtbechern

Joghurtbecher aus Polystyrol

Ein 500 g Joghurtbecher von Alnatura liefert ca. 275 cm2 Polystyrol mit einer Stärke von 0,5 mm. Nach dem Abtrennen des Bodens lässt sich der Becher zwar ausrollen, aber nicht dauerhaft glätten, denn das Material kehrt beim Loslassen sofort in seine ursprüngliche Form zurück. Solch eigenwilliges Polystyrol ist etwas schwierig zu verarbeiten, aber es spendet gewölbte Bauteile für viele interessante Anwendungen im Modellbau, z. B. für Schilde, Schildbuckel, Radkappen, Lampen- oder Obstschalen, Radarschirme, Sirenen, Fassreifen, Eimer, Töpfe und Topfdeckel, Pfannen, Teller, Helme, Orden, Broschen, Beschläge, Armreifen, Gürtelschnallen, Beinschienen, Halsbergen, Rosspanzer, oder die linsenförmigen Feldflaschen der konföderierten Armee, und vieles mehr. Linsenförmige Bauteile dreht man ganz einfach mit einem 10 bis 15 mm Locheisen aus dem dünnen Polystyrol heraus. Wenn nötig, lässt sich die Krümmung des Polystyrols beseitigen, indem man zwei Schichten des Materials an den einwärts gewölbten Flächen verklebt und bis zum Aushärten fest zusammenpresst.

Das dünne Polystyrol eines Joghurtbechers lässt sich sehr gut mit der Nagelschere bearbeiten. Zum Ausschneiden der langen und schmalen, unten spitz zulaufenden normannischen Schilde des 11. und 12. Jahrhunderts legt man ein maßstabsgetreues Papiermuster auf die gewählte Polystyrolplatte und schneidet mit der Nagelschere vorsichtig darum herum. Verglichen mit den baumdicken Schilden handelsüblicher Plastik- oder Zinnfiguren wirken selbstgemachte Schilde vom Joghurtbecher sehr dünn und zerbrechlich, obwohl der damit gewappnete Ritter praktisch immer noch ein massives Türblatt mit sich herumschleppt, das im Maßstab 1:72 immerhin 36 mm stark ist. Gerade bei stämmigen 28 mm Figuren kann es erforderlich sein, den Schild aus zwei laminierten Polystyrolplatten aufzubauen, oder ihn mit Randschienen aus Polystyrol zu beschlagen, damit er optisch zur übrigen Ausrüstung der Figur passt.

Fenster im Maßstab 1:72 aus Polystyrol eines Joghurtbechers hergestellt.

Die abgebildeten Fenster im Maßstab 1:72 sind aus einem Joghurtbecher von Alnatura entstanden, indem schmale Leisten des Materials als Fenstersprossen auf eine 12 × 15 mm große Polystyrolplatte aufgeklebt wurden. Nach dem Aushärten des Laminats können die Flächen zwischen den Sprossen als Glasfüllung bemalt, oder, wie hier gezeigt, mit dem Skalpell herausgetrennt werden. Im letzteren Fall hinterklebt man den Rahmen mit durchsichtiger Fensterfolie, gefolgt von gedruckten Papiervorhängen. Diese Prototypen von Fenstern aus Joghurtbechern sind nicht so filigran und perfekt wie das dahinter abgebildete Fenster des Post Office von Kibri im Maßstab 1:87, im bemalten und fertig eingebauten Zustand dürften sie aber überzeugend genug aussehen.

Seit 2013 verkauft Alnatura Joghurtbecher aus 0,25 mm Polystyrol, die in einer abrissperforierten Papphülle stecken. Das dünnnere Polystyrolmaterial der neuen Joghurtbecher eignet sich besonders gut für Arbeiten an Fahrzeugmodellen im Maßstab 1:87 bis 1:72.

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