Farben und Pinsel

Bemalen von Figuren in 1:72

Farben und Pinsel

Teure Marder-Pinsel in Größe 1 und 2 sind das wichtigste Werkzeug des erfolgreichen Malers. Die Anschaffung in Höhe von ca. 6,- Euro pro Pinsel lohnt sich, denn diese hochwertigen Pinsel halten eine feine Spitze, die zur Arbeit im Maßstab 1:72 unbedingt erforderlich ist. Bei regelmäßiger Reinigung mit Geschirrspülmittel bleiben die teuren Pinsel viele Jahre im Einsatz, während billige Pinsel schon nach kurzer Zeit zerstört sind. Wer hier spart, wird an dem Hobby wenig Freude finden und jahrelang nur minderwertige Ergebnisse erzielen.

Kleinere Pinsel, z. B. in Größe 0 oder 00, stellen eine erhebliche Behinderung dar. Sie nehmen so wenig Farbe auf, dass nach jedem kurzen Strich nachgefasst werden muss. Die ständige Unterbrechung des Malflusses wirkt sich nachteilig auf die Qualität der Bemalung und auf die Geschwindigkeit aus. Mit dem richtigen Pinsel ausgestattet, sollte ein etwas geübter Maler ein Regiment mit 24 Figuren an zwei Abenden fertigstellen können.

Figuren werden üblicherweise mit Künstlerölfarbe, Kunstharz-Emailfarbe, oder wasserlöslicher Acrylfarbe bemalt. Künstlerölfarbe in Tuben eignet sich am besten, sie bietet brilliantere Farben für deutlich weniger Geld als vergleichbare Hobbyfarben in Döschen oder kleinen Flaschen.

Bemalen mit Kunstharz-Emailfarbe

Auf den Rückseiten der Figurenpackungen befinden sich Vorschläge zum historischen Bemalen der Figuren. Die benötigten Revell-Farben werden dort mit Bestellnummer aufgelistet. Revell-Farben sind bereits im richtigen Farbton abgemischt und können direkt aus der Dose angewendet werden. Die Farben vor dem Einsatz gut verrühren, damit nach dem Trocknen eine gleichmäßig matte Oberfläche erreicht wird.

Um einen guten Haftgrund zu erreichen, sind die Figuren vor dem Bemalen mit Geschirrspülmittel zu reinigen und danach mit einem fusselfreien Handtuch zu trocknen. Anschließend werden die Figuren mit UHU oder Ponal Holzleim auf eine schmale Holzleiste geklebt, damit sie während des Bemalens nicht mehr angefasst werden müssen. Die Abstände zwischen den Figuren können ca. 1 cm betragen, es ist aber darauf zu achten, dass alle Teile der Figuren mit dem Pinsel erreichbar sind. Infanterie klebt man in der Regel nebeneinander, aber ca. 45 Grad nach links gedreht auf, Kavallerie hintereinander.

Die Figuren werden mit matter weißer Plakafarbe grundiert, um eine bessere Leuchtkraft der darüber liegenden Farbschichten zu erreichen. Grundierung kann mit einem großen Pinsel dünn und gleichmäßig aufgetragen werden. Die Grundierung sollte über Nacht trocknen, bevor mit dem Bemalen begonnen wird. Sinnvollerweise werden gleich mehrere Regimenter auf Holzleisten montiert und in einem Arbeitsgang grundiert.

Das eigentliche Bemalen erfolgt in etwa in der Reihenfolge, in der sich die Figur normalerweise anziehen würde, also Hemd, Hose, Jacke und Aufschläge, Gürtel und Taschen, Stiefel, Helm, Waffen usw. Schwer zugängliche Stellen sind zuerst zu bemalen, weshalb die Reihenfolge der Bemalung auch als "von innen nach außen" bezeichnet werden kann. Figuren eines Regiments sind grundsätzlich in Serie zu bemalen, also 24 Paar Hosen, danach 24 Jacken usw. Diese Technik erfordert etwas Disziplin, da nicht sofort sichtbare Ergebnisse erzielt werden, es ist aber der schnellste Weg zum Erfolg. Figuren dieses Maßstabes sind als Einzelfiguren uninteressant, sie kommen erst in großen Formationen richtig zur Geltung, insbesondere in Geländedioramen.

Revell-Farben sind schnelltrocknend, was ein zügiges Bemalen und Massenproduktion erlaubt. Wenn Figuren in Serie bemalt werden, ist die erste Figur bereits ausreichend trocken wenn das nächste Kleidungsstück an der Reihe ist. Lediglich bei weißen Bandelieren auf roter Jacke "blutet" die darunterliegende Farbe noch durch, was aber in einem zweiten Arbeitsgang mit weißer Farbe beseitigt werden kann. Noch besser ist es, wenn Gurte zunächst in schwarz angelegt und danach erst weiß bemalt werden. Die schwarze Farbe blutet weniger auffällig durch und man erreicht auf diesem Wege eine leicht graue Schattierung der Gurte. An den Seitenflächen der Gurte soll die schwarze Farbe stehenbleiben, damit eine scharfe Trennlinie zwischen Gurt und Uniform entsteht.

Zum Schattieren der Uniformteile wird die Grundfarbe mit einem dunkleren Farbton angemischt und dieser in die Rockfalten eingebracht, bzw. an den Unterseiten der Figur angewendet. Zum Aufhellen der im Sonnenlicht liegenden Uniformteile wird die Grundfarbe mit weiß angemischt. Bei den schnelltrocknenden Kunstharz-Emailfarben ist es allerdings nicht einfach, die Übergänge zwischen Licht und Schatten fließend zu gestalten, gelegentlich sind drei oder vier Abstufungen der Grundfarbe notwendig, um eine realistische Schattierung zu erreichen.

Kunstharz-Emailfarbe fließt gut, wenn sie mit Terpentin oder Malmittel etwas verdünnt wird. Eine zu starke Verdünnung führt allerdings dazu, dass die Farbe später seidenmatt oder sogar stark glänzend antrocknet. In diesem Fall kann nachträglich noch farbloser Mattlack aufgetragen werden, vorzugweise aus der Sprühdose.

Kunstharz-Emailfarbe wird nach dem Trocknen sehr hart. In Verbindung mit weichen und biegsamen Plastikfiguren hat dies den Nachteil, dass die Kunstharz-Emailfarbe sofort bricht und sogar abplatzt, wenn die Figuren beim Hantieren verbogen werden. Diese Beschädigungen treten typischerweise an den Waffen, an ausgestreckten Armen und an den Beinen der Figuren auf. Sammler suchen immer wieder nach einer Lösung dieses Problems, bisher aber ohne große Erfolge. Eine Grundierung mit Nagellack verleiht der Kunstharz-Emailfarbe zusätzliche Festigkeit, allerdings platzt auch der Nagellack irgendwann ab, wenn die Figur unvorsichtig behandelt und gebogen wird. Außerdem führt diese Grundierung dazu, dass viele Details der Uniform zugedeckt werden. Mit Kunstharz-Emailfarbe bemalte Figuren aus Weichplastik gehören deshalb in die Vitrine, wo sie vor Beschädigung sicher sind.

Fragen und Antworten

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