Perserkriege

Perserkriege, die von 490-449 v. Chr. zwischen den Persern und den Griechen geführten Kriege, begonnen von den Persern, um durch Unterwerfung von Hellas ihre Weltherrschaft zu vollenden, und, nachdem dies misslungen, fortgesetzt von den Griechen, um sämtliche Städte griechischer Nationalität von dem fremden Joch zu befreien und sich die Herrschaft im Mittelmeer anzueignen. Die Perserkriege sind die Heldenzeit des griechischen Volkes und haben eine hervorragende weltgeschichtliche Bedeutung. Der unter dem Zepter der persischen Großkönige vereinigte Orient schien nicht nur an Macht, sondern auch an Kultur dem kleinen, einfachen, überdies politisch zersplitterten Griechenvolk so überlegen, dass dessen Unterordnung unter das Weltreich sogar von vielen Griechen für unvermeidlich gehalten wurde und diesen ebenso wie den ionischen Städten in Kleinasien und den Phöniziern eine ehrenvolle, bedeutende Stellung in Aussicht stellte. Daher war der Widerstand der Griechen anfangs vereinzelt und unentschlossen. Erst allmählich wurden vor allen die Athener der Bedeutung des Kampfes sich bewusst und setzten, durch glückliche Erfolge in ihrem Selbstbewusstsein gehoben, alle ihre Kräfte an die Verteidigung ihrer nationalen Unabhängigkeit, deren Behauptung die Entwicklung der griechischen Kultur ermöglichte und so der Welt eine der herrlichsten Blüten geistigen Lebens erhielt.

Die Ausbreitung der persischen Herrschaft über Europa, zunächst über die Küsten der Hämoshalbinsel, begann schon 515 während des skythischen Feldzuges Dareios’ I. Aufgehalten wurde sie durch den Aufstand der kleinasiatischen Ioner, und auch der erste Versuch, nach dessen Niederwerfung Griechenland zu unterwerfen, missglückte, ehe das von Mardonios geführte Heer das Land selbst erreichte, da seine Flotte am Vorgebirge Athos scheiterte und das Landheer im Kampf mit thrakischen Völkerschaften schwere Verluste erlitt (492). Gleichwohl taten die Griechen nichts, um sich durch enge Verbindung und energische Rüstungen gegen den übermächtigen Gegner, dessen Zorn sie gereizt hatten, zu schützen. Viele, namentlich die meisten Inselbewohner, unterwarfen sich sogar auf die Aufforderung des Dareios freiwillig. Als daher 490 eine persische Flotte mit einem großen Landheer unter Datis und Artaphernes im Ägäischen Meer erschien, konnte sie ungehindert die Kykladen unterjochen und Eretria zerstören, und als sie bei Marathon in Attika landete, leisteten nur die Platäer den Athenern Beistand. Aber unter Miltiades’ Führung nahmen sie, nur 10.000 Mann stark, den Kampf auf und erfochten im September 490 den glänzenden Sieg bei Marathon.

Ein Aufstand in Ägypten, dann der Tod des Dareios (485) verzögerten die Erneuerung des Eroberungskrieges, zu dem die Perser planvoll und umsichtig rüsteten. Wiederum aber versäumten die Griechen, sich für die Abwehr der drohenden Gefahr vorzubereiten; nur die Athener trafen auf den Rat des genialen Themistokles die geeigneten Maßregeln und verwendeten die gesamten Kräfte ihres kleinen Staatswesens auf den Bau einer Flotte. Erst als Xerxes ein ungeheures Heer und eine große Flotte (nach Herodots stark übertriebenen Angaben waren es 1.700.000 Mann zu Fuß, 80.000 Reiter und 1200 Schiffe) in Kleinasien gesammelt hatte, hielten die Griechen im Herbst 481 auf dem Isthmus von Korinth eine Bundesversammlung ab, an der die Peloponnesier, außer Argos, von den Staaten Mittelgriechenlands aber bloß Athen, Megaris, Platää und Thespiä teilnahmen. Es wurde hier gemeinsamer Widerstand und allgemeiner Landfriede beschlossen; auch wurden die übrigen griechischen Staaten zur Teilnahme am Krieg aufgefordert, Anschluss an die Perser als Hochverrat mit Strafe bedroht. Aber die Ausführung der Beschlüsse wurde wieder durch die alte Stammeseifersucht gelähmt; die Kerkyräer, Kreter und Sizilier verweigerten ihre Hilfe, Sparta zeigte sich kurzsichtig und eigennützig, und nur die heldenmütige Tatkraft und bewundernswerte Entsagung und Aufopferung der Athener retteten Hellas.

Als das Perserheer heranrückte, wurde Thessalien, weil der Tempepass unhaltbar erschien, aufgegeben und erst bei den Thermopylen zur Verteidigung von Mittelgriechenland Stellung genommen, während die Flotte, 366 (darunter 200 athenische) Schiffe stark, zur Deckung der Thermopylen bei Artemision, dem nördlichen Vorgebirge von Euböa, ankerte. Xerxes erzwang sich bei Thermopylä (s. d.) den Weg nach Hellas durch den Verrat des Ephialtes (Heldentod des Leonidas und seiner 300 Spartiaten), verwüstete Phokis und besetzte und verbrannte ohne Widerstand Athen, da seine Einwohner nach Salamis, Ägina und Argolis geflüchtet waren. Die griechische Flotte hatte sich nach unentschiedenen Gefechten bei Artemision und der Vernichtung des Landheeres bei Thermopylä in den Saronischen Meerbusen zurückgezogen und gewann hier, nachdem die Athener die Entscheidung durchgesetzt hatten (die Spartaner wollten sich auf die Verteidigung der Peloponnes beschränken), den glänzenden Sieg bei Salamis (s. d.) über die doppelt so starke persische (Ende September 480), wiederum hauptsächlich durch den Patriotismus und die Tapferkeit der Athener und die Klugheit ihres Anführers Themistokles. Damit war auch über den zweiten Perserkrieg die Entscheidung gefallen; denn Xerxes zog sich nach Asien zurück, und der von ihm zur Fortsetzung des Krieges in Griechenland mit einem starken Heer zurückgelassene Mardonios wurde ein Jahr später bei Platää in Böotien von den Griechen unter Pausanias und Aristeides geschlagen und fand selbst seinen Tod. Um dieselbe Zeit erstürmte die Bemannung der griechischen Flotte unter Leotychides und Xanthippos das persische Schiffslager auf dem Vorgebirge Mykale in Kleinasien, wodurch die Seeherrschaft der Perser im Ägäischen Meer gebrochen wurde, und auch im Westen gelang es dem sizilischen Tyrannen Gelon und Theron, die im Einverständnis mit Xerxes vordringenden Karthager durch den entscheidenden Sieg an der Himera zurückzuschlagen.

Während dieses Krieges hatten die Athener auch zur See in patriotischer Selbstlosigkeit den Spartanern den Oberbefehl überlassen; als jetzt aber die Befreiung auch der kleinasiatischen Griechen ins Werk gesetzt wurde, fiel er wie von selbst den Athenern zu, welche die übrigen Seestaaten zu einem festen Bund zusammenschlossen. Namentlich betrieb Kimon den Angriffskrieg gegen die Perser; er schlug sie 466 zu Land und zu Wasser am Eurymedon, und eine von ihm nach Zypern geführte athenische Flotte siegte nach seinem Tode noch einmal bei Salamis (449). Damit aber endeten für längere Zeit die Kämpfe, indem die Athener, von neuem durch ihre Nebenbuhlerschaft mit Sparta in Anspruch genommen, den Angriffskrieg aufgaben, die Perser, deren Reich bereits durch Palastintrigen und Unbotmäßigkeit der Satrápen in Zerrüttung verfiel, auf die Herrschaft über die griechischen Kolonien in Asien verzichteten und den griechischen Handel in ihrem Gebiet nicht weiter belästigten. Ein förmlicher Friede wurde nicht abgeschlossen (s. Kimon).

Die Perserkriege sind in ihrer welthistorischen Bedeutung als der große Zusammenstoß orientalischer und hellenischer Bildung und infolge des Sieges der letzteren als Grundlage einer höheren und freieren Entwicklung der Menschheit zuerst von Herodot erkannt und in seinem klassischen Geschichtswerk in ebenso umfassender, großartiger Anlage wie in kunstvoller Form dargestellt worden.

Bibliographie

  • Delbrück, Hans: Die Perserkriege und die Burgunderkriege (Berl. 1887)
  • Hauvette: Hérodote historien des guerres médiques (Par. 1894)
  • Osten, Hans Henning v. d.: Die Perser (Essen 1956)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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