Österreichischer General der Kavallerie Carl Claudius Graf O’Donel

Carl Claudius Graf O’Donel (auch O’Donell), k. k. General der Kavallerie, 1756–1771 Inhaber eines k. k. Kürassierregiments, später Dragonerregiment Nr. 5, seit der Schlacht bei Torgau am 30. November 1760 Großkreuz des Militär-Maria-Theresienordens, wird im Jahre 1715 (nach Victorin, Geschichte des Dragonerregiments Nr. 7, in welcher Truppe er bis zum Obersten dient, im Jahre 1718) in Irland geboren und ist am 26. März 1771 zu Wien gestorben. Schon im 11. Jahrhundert lassen sich Ahnen desselben in Irland nachweisen; dort erwarb sich auch das von den Schlossherren von Dunegall und Dynasten im früheren Tyrconell abstammende Geschlecht der O’Donel’s am 10. April 1604 den Grafentitel von Tyrconell, welcher den etwa um das Jahr 1720 nach Österreich übersiedelten, dem neuen Vaterlande treu und verdienstvoll dienenden, direkten Nachkommen Hugh’s Graf von O’Donel, am 11. November 1768 neuerlich zuerkannt wurde. Von diesen erkämpfen sich nebst Carl Claudius noch Johann und Heinrich die höchste militärische Auszeichnung, mehrere andere, worunter Hugo, Carl, sowie einen zweiten Carl ereilt der Tod auf dem Schlachtfeld, Josef wirkt verdienstlich als Präsident der allgemeinen Hofkammer, Maximilian vereitelt am 18. Februar 1853 einen auf Kaiser Franz Josef unternommenen meuchlerischen Überfall. Fast für alle die hier Genannten fehlen aber leider umständliche und sichere biographische Daten und scheinen namentlich bezüglich Carl Claudius vor seiner Ernennung zum General und rücksichtlich der Schlacht bei Leuthen am 5. December 1757 mehrfache Verwechlungen mit dem Lebenslaufe seiner Verwandten zu bestehen.

Glaublich dürfte jedoch sein, dass Carl Claudius im Jahre 1736 als Kornett im Kürassierregiment Graf Andreas Hamilton, später Dragonerregiment Nr. 7, Aufnahme findet, in dessen Verbande im Türkenkriege am 23. Juli 1739 verwundet wird, noch in demselben Jahre zum Major vorrückt, im Österreichischen Erbfolgekrieg bei Hohenfriedeberg am 4. Juni 1745 eine zweite Blessur erleidet, 1748 zum Oberstlieutenant avanciert, 1752 als Oberst zum Dragonerregiment Sachsen-Gotha, später Ulanenregiment Nr. 8 kommt, kurz hierauf das Kommando des Regiments zugewiesen erhält und spätestens im Jahre 1756 in die Charge eines Generalmajors tritt. Denn als solcher befehligt er am 31. September 1756 den aus allen Grenadier- und Karabinierkompanien zu Fuß und zu Pferd und allen leichten Truppen der Generale Hadik und Draskowics zusammengesetzten Vortrab des Heeres, worauf er am 1. Oktober 1756 in der unentschiedenen Schlacht bei Lobositz nach Verwundung des Generals Radicati das Kommando der Reiterei übernimmt und ungeachtet des äußerst mörderischen feindlichen Gewehrfeuers unerschütterlich seine Stellung behauptet. Mit gleicher Umsicht und Ausdauer führt O’Donel auch bei Prag am 6. Mai 1757 die ihm untergeordnete Reiterei; ganz besonders hebt er sich aber in dieser Schlacht dadurch hervor, dass er vom linken Flügel aus der hart bedrängten Infanterie des rechten Flügels mit mehreren Regimentern zu Hilfe eilt, deren geordneten Rückzug nach Wolschan durch eine kühne, trotz großer Verluste nachdrückliche Attacke deckt und dann vor dem genannten Orte sich wieder festsetzt.

An der Schlacht bei Kolin am 18. Juni 1757 nimmt O’Donel, nun schon Feldmarschalllieutenant, gleichfalls einen nennenswerten Anteil; er führt den Angriff in General Hülsen’s Rücken, lockt hierbei den Gegner durch einen vorbedachten freiwilligen Rückzug in ein heftiges Gewehr- und Geschützfeuer, und nachdem er dasselbe Manöver nochmals mit gleichem Erfolg wiederholt hat, zersprengt er endlich gemeinsam mit der übrigen Kavallerie die gesamte Infanterie Hülsen’s und des Prinzen Moritz. Vollste Anerkennung bringt ihm ferner der Überfall von Hochkirch vom 13. bis 14. Oktober 1758, bei welcher Gelegenheit er sich bereits in der Charge eines Generals der Kavallerie befindet und anfänglich die Verbindung zwischen Daun und Laudon zu halten hat; sein Hauptverdienst besteht aber darin, dass er nach dem Verlust eines Teiles des schon erobert gewesenen Hochkirch mit der Kavallerie des linken Flügels entschieden in die Aktion tritt, wiederholt mit Gewinn in Flanke und Rücken Zieten’s fällt, diesen dauernd aus dem Orte treibt, die in großer Gefahr gestandene Infanterie aus solcher befreit und endlich den Rückzug des Gegners ernstlich bedroht. Auch bei Sackwitz (Düben) am 29. Oktober und Maxen am 20. November 1759 findet O’Donel’s Tätigkeit und Truppenführung die gebührende Zustimmung.

Zu seiner verdienstvollsten Leistung gibt ihm aber der preußischerseits schwer errungene Sieg bei Torgau am 8. November 1760 den Anlass, denn O’Donel weiß sich an diesem Tage den wechselnden Anforderungen des Kampfes rasch anzuschmiegen und vornehmlich dadurch nutzbringend zu wirken, dass er selbständig dem Gegner in die Flanke fällt und auf eigene Verantwortung durch eine rechtzeitige kräftige Unterstützung des Generals Buccow diesem es möglich macht, der überlegenen feindlichen Reiterei Stand zu halten und auf des Gegners Infanterie einzuhauen. Noch während der Schlacht übernimmt O’Donel an Stelle des verwundeten Feldmarschalls Daun das Oberkommando des Heeres, welches er nach Dresden führt und während der Abwesenheit Dauns befehligt.

Seine letzte Verwendung im Siebenjährigen Krieg findet er in dem Gefechte bei Reichenbach (Mittel-Bielau) am 16. August 1762, wo sich nach einer Zuschrift Daun’s an Pergen vom 19. August 1762 die preußische Kavallerie unter Bevern „also zwar auf die Reiterei des Zentrums unter O’Donel wirft, daß hierdurch ein sehr hartnäckiges Cavalleriegefecht, dergleichen nicht so bald gesehen worden, erfolget und nach mehreren sich ergebenden choques die feindliche Cavallerie viermahlen gänzlich repoussiret worden ist“. Hierauf wird O’Donel im Dezember 1762 als kommandierender General nach den Niederlanden entsendet, im Jahre 1765 übernimmt er das Generalinspektorat der Kavallerie, vom Jahre 1768 bis Ende 1770 befindet er sich als Gouverneur zu Siebenbürgen, im Jahre 1771 erhält er den ehrenvollen Auftrag, Kaiser Josef nach Ungarn zu geleiten, doch schon während der Vorbereitungen zu dieser Reise endet sein Leben. Dass dasselbe reich an gemeinnützlicher Wirksamkeit gewesen sein muss, lässt sich aus den einstweilen bekannten, hier erwähnten Hauptzügen erkennen und wären wohl weitere Aufhellungen über O’Donel’s Lebenslauf und Charaktereigentümlichkeiten sehr erwünscht. Schon deshalb, weil O’Donel die erreichten hohen Würden und Auszeichnungen ausschließlich seiner Regententreue, Tapferkeit und erfolgreichen Betätigung bedeutender Fähigkeiten zu danken hatte; ferner aber auch aus dem Grunde, weil ihn als Reiterführer die für alle Zeiten lehrreichen Eigenschaften kennzeichnen, wie: stete Geistesgegenwart, selbstständige Entschlossenheit, rechtzeitig rasches Handeln, dann der Mut der Selbstverantwortung, sowie die Gewandtheit, sich in allen Lagen bestmöglichst zurecht zu finden.

Bibliographie

  • Hirtenfeld, Joseph: Der Militär-Maria-Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857)
  • Victorin: Geschichte des 7. Dragoner-Regiments (Wien 1879)
  • Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich 21. Th. (Wien 1870)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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