Johann Karl Kolowrat-Krakowsky

k.k. General-Feldmarschall

Johann Karl Kolowrat-Krakowsky, Freiherr von Uzged, k.k. wirklicher geheimer Rat und Kämmerer, General-Feldmarschall, Großkreuz des kaiserlich-österreichischen Leopold-Ordens, des Maria-Theresien- und Johanniter-Ordens Kommandeur, Großoffizier der französischen Ehrenlegion, Inhaber eines Artillerie- und eines Regiments zu Fuß, und kommandierender General in Böhmen, wurde 12. Dezember 1748 zu Prag geboren. Sein Geschlecht gehört zu den ältesten in Böhmen1. Sein Vater Prokop war geheimer Rat und oberster Landrichter dieses Königreichs. Seine Mutter Anna war die Tochter des F. M., und kommandierenden Generals in Böhmen, Grafen Ogiloy. Sie war die letzte ihres Stammes. Ein im Lehrfach ausgezeichneter Mann, der Jesuit Seidel, wurde des jungen Grafen und seines Bruders Aloys (gegenwärtigen Bischofs von Königgrätz) Erzieher.

Im 18ten Jahr (1776) betrat er als Unterlieutenant im Regiment seines Oheims des Großpriors des Johanniter-Ordens in Böhmen, Generals der Kavallerie, Emmanuel Grafen Kolowrat (dieses Regiment wurde im Jahr 1801 als Coburg Dragoner aufgelöst) die kriegerische Laufbahn. Nach zweijähriger Dienstzeit bei der Reiterei kaufte er, um sich auch mit dem Dienst des Fußvolkes bekannt zu machen, eine Hauptmannsstelle im ungarischen Infanterie-Regiment Ádám Batthyány (vacant Wied-Runkel Nr. 34), welches eben damals in Prag als Besatzung lag. Der Übertritt zu diesem Regiment wurde Anlass zu der innigen Freundschaft, die sich hier zwischen Kolowrat und Melas, welcher letzterer Oberstwachtmeister im Regiment war, anknüpfte, und lebenslänglich dauerte.

Nach dem Bayerischen Erbfolgekrieg, der wenig Gelegenheit zur Auszeichnung in Erprobung persönlichen Mutes bot, wurde das Regiment Batthyány nach Ungarn verlegt. Dort blieb der Graf bis zum Ausbruch des Türkenkrieges, wo er bereits die Oberstleutnantswürde erlangt hatte. Am 2. Juni 1788 wurde er zum Obersten und Kommandanten des ungarischen Fußregiments Alvinzy (Hessen-Homburg Nr. 19) befördert. F. M. Lacy, als Oberbefehlshaber des Hauptheeres, schickte dem Obersten Graf Kolowrat am Schluss des ersten Feldzuges über das Betragen seines Regiments ein sehr rühmliches Zeugnis zu.

Im zweiten Feldzug erhielt er vom F. M. Loudon bei dem Sturm auf Belgrad am 30. September den ehrenvollen Auftrag, die dritte der stürmenden Kolonnen anzuführen. Er führte sie unter den Augen des Kommandierenden mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen durch den Laufgraben an die Schanzpfähle und an die doppelte Heckenreihe, welche die untere Stadt einschloss. Ein dichter Kugelregen, welcher die Stürmenden hier empfing, und das Feuer des feindlichen Geschützes, das sie von vorne und in die Seite fasste, war ihnen eben so wenig ein abschreckendes Hindernis, als die betäubende Kopfwunde, welche ihr braver Führer erhalten hatte, diesen bewegen konnte, sich von seinen Truppen zu entfernen. Sie überstiegen unerschrockenen Mutes die Schanzpfähle und Zäune, stürzten in die untere Stadt, drängten die Türken ungeachtet der tapferen Gegenwehr von Gasse zu Gasse zurück, bemächtigten sich endlich des großen Platzes mit allen seinen Zugängen, und nahmen dem Feind das gegen sie gebrauchte Geschütz ab. Platz und Gassen wurden sogleich mit Abschnitten versehen, und in Eile auf das möglichste befestigt. Die wütendsten wiederholten Anfälle des Feindes konnten die Stürmer aus dem blutig errungenen Besitz nicht mehr treiben. Der glückliche Erfolg war eben so sehr das Werk der einsichtsvollen Leitung des Anführers dieser Sturmkolonne, als des Beispiels, welches sein persönlicher Mut den Braven, die er befehligte, gab. Ingenieur-Major von Tomerlin, Grenadier-Hauptmann Graf Pillati de la Tour und Oberlieutenant Baron Wimpfen, ihm an diesem Tag persönlich beigegeben, waren die nächsten Zeugen und Teilnehmer seiner Auszeichnung. Die Kolonne, welche Kolowrat führte, bestand aus 1280 Mann mit sechs Geschützen. Als kurz vor 9 Uhr der Kanonendonner schwieg, rückte sie gegen den Palisadenumfang der Festung vor. Eine türkische Moschee war der bestimmte Punkt, nach welchem sie sich zu bewegen hatte. Der Widerstand des Feindes war groß und ausdauernd. Er verteidigte hartnäckig eine doppelte Reihe Palisaden gegen den Andrang der Freiwilligen. Der rasche Sturm der beiden Bataillone Nicoletti Grenadiere und Alvinczy entschied. Die Truppe rückte bis an das Glacis und setzte sich da fest. Die Raizenstadt und ein Teil der Wasserstadt waren erobert. Aus dem noch uneroberten Teil der letzteren, beunruhigte die Besatzung am Rest des Tages und in der darauf folgenden Nacht, fortwährend die Kaiserlichen, und fügte ihnen vielen Schaden zu. Nach einer fruchtlosen Verteidigung, die noch bis zum 7. Oktober fortwährte, kapitulierte die Festung, von welcher die Sieger am 9. Besitz nahmen.

Im Bericht Loudons an den Kaiser über den glänzenden Anteil, welchen Kolowrat an der Eroberung Belgrads gehabt habe, stehen ausdrücklich die Worte: „Der Oberst Graf Kolowrat hat durch militärische Einsichten und standhaft gelassene Tapferkeit meine Zufriedenheit vollkommen verdient.“

Der Monarch ernannte hierauf den heldenmütigen Obersten, ungeachtet er einer der jüngsten im Heer war, zum General-Feldwachtmeister.

Als solcher erhielt er den Befehl über eine Brigade bei dem in Böhmen, unter dem General-Feldzeugmeister Fürsten Hohenlohe-Kirchberg, gegen Preußen aufgestellten Beobachtungsheer. Nach Auflösung diese Heeres ernannte ihn F. M. Graf Wallis zum kaiserlichen Kommissär für die, dem Friedensschluss von Szistowa gemäße, Übergabe der Festung Belgrad, an Ali-Benir Pascha von drei Rossschweifen, dem Ermächtigten der Pforte. Die Übergabe geschah am 23. Oktober 1791.

Im Januar 1792 wurde Graf Kolowrat auf Antrag des Artillerie-Directeurs F. M. Joseph Colloredo zu dieser Waffengattung übersetzt, bei welcher er eine Brigade erhielt, und Inhaber ihres zweiten Regiments wurde. Zugleich erhielt er vom Monarchen als Beweis allerhöchster Zufriedenheit mit den bisher geleisteten Dienste eine Gehaltszulage. Lacy begleitete die Verordnung, durch welche ihm diese Auszeichnung erteilt wurde, mit folgenden Zeilen:

„Ich bin ausnehmend erfreut über den ausgezeichneten Beweis des allerhöchsten Beyfalls, den Euer Hochgeboren von der Gnade des Monarchen erhalten haben, und über die Zufriedenheit, welche Sie dießfalls empfinden. Ich hoffe bald das Vergnügen zu haben, Euer Hochgeboren mündlich meinen Glückswunsch darüber machen zu können, der um so aufrichtiger seyn wird, je mehr ich überzeugt bin, daß jede Stelle, welche Sie bekleiden, niemals besser besetzt seyn kann.“

Nachdem er sich in den ersten Feldzügen des französischen Revolutionskrieges als tüchtiger Artillerie-Befehlshaber vor dem Feind bewährt hatte, wurde er zum Feldmarschall-Lieutenant befördert, und mit der Oberleitung des Geschützwesens beim Hauptheer, das am Rhein unter F. M. Clerfayt stand, beauftragt.

Welche Verdienste und welche Liebe der Untergebenen sich der tapfere und einsichtsvolle Feldmarschall-Lieutenant als Anführer der Feldartillerie in mehreren Feldzügen erworben, dafür spricht am besten folgendes Bittgesuch des sämtlichen Offizierkörpers der Feldartillerie, welche ihm untergeordnet war, um Belohnung ihres ausgezeichneten und geliebten Kommandanten. Es wurde am 10. Januar 1797 zu Eckartsweier ausgefertigt. Die ausgezeichneten Namen Schwarzinger, Schuhay, Reisner und Vega standen an der Spitze der Unterschriebenen. Es lautet:

„Durch eine gerechte Bewunderung gereizt, wagt es das Offizier-Corps der Artillerie, die vielfältigen Verdienste seines Chefs, des Herrn Feldmarschall-Lieutenants Grafen von Kolowrat, zu erzählen; obschon diese merkwürdige Reihe von rühmlichen Thatsachen schon durch die Erfolge und durch die Zeugnisse der commandirenden Herren Generäle bestätigt wurden. Erkenntlich für die uns gegebene vortreffliche Leitung, der Ruhm selbst, den unsere Verwendung dem genannten Herrn Feldmarschall-Lieutenant verdanket, und der Wunsch, uns alle durch seine Belohnung geziert zu sehen, sind die Beweggründe, welche uns aufmuntern, jene Verdienste, welche er mit so vieler Bescheidenheit verschweigt, vor den allerhöchsten Thron zu bringen. Wenn wir dabey weniger nach Gesetz und Statuten, als nach der Eingebung unserer Herzen gehandelt haben, so sey das Außerordentliche unsers allerunterthänigsten Vortrags unsere Entschuldigung. Schon im Jahre 1794 und in der darauf gefolgten Campagne 1795, wußte sich Herr Feldmarschall-Lieutenant Graf Kolowrat die vollkommenste Schätzung und Zufriedenheit des Herrn Feldmarschall Grafen Clerfayt dadurch zu erwerben, daß er bey dem Rückzuge der Armee alle Festungen auf das schleunigste dotirte, die Depots rettete, und doch, als die Armee so rasch gegen die Sieg, und von da über den Rhein bis an den Speyerbach vorrückte, in so vielen Gefechten sie mit dem Nöthigen versah. Ein herrlicher Beweis, wie genau er seine Anstalten berechnete, und mit welcher Thätigkeit er sie betrieb. Die Einsicht und der Muth, mit welchem er die Batterien im Gefechte placirte, selbst leitete und zum größten Schaden des Feindes verwendete, sind in den Amtsberichten der Armee aufgezeichnet. Besonders war der unermüdete Eifer des Herrn Feldmarschall-Lieutenants und seine durch nichts gestörte Ueberlegung damals wahrzunehmen, als die Armee von Baumholden an den Niederrhein und von da gegen Breisgau marschirte. Die nothwendigen Rückzüge wurden so rasch beschlossen, daß die kostbarsten Depots von Laufen, Schwäbischgemünd, Heilbrunn und andere, kaum mehr einer Rettung fähig beurtheilt wurden, um so mehr, als zugleich die Hauptverpflegs- und Montour-Magazine, nebst der ganzen Belagerungs-Artillerie zurückgebracht werden mußten. Doch gelang es dem Herrn Feldmarschall-Lieutenant alles in Sicherheit zu bringen, die Armee an Munition niemals Mangel leiden zu lassen, und durch die klügste Berechnung der wahrscheinlichen täglichen Erforderniß, den dringenden Bedarf der Gegenwart mit der Rettung dieser unschätzbaren Vorräthe zu vereinbaren. Eben so schnell wurden diese Depots wieder der vorrückenden Armee in ihren ganz verschiedenen Richtungen nachgeführt, und man muß, um das Eigentliche des Verdienstes zu bestimmen, beurtheilen, wie schnell ihre Fortschritte, wie verschieden ihre Wendungen von der Donau an den Mayn, und von der Sieg bis an die Gränze der Schweiz, endlich wie weit die nach Böhmen und Oesterreich geflüchteten Vorräthe entfernt waren. Und doch fehlte es an nichts bey dem so außerordentlichen Aufwand an aller Gattung Munition. Die unbegreifliche Geschwindigkeit, mit welcher die Belagerungs-Artillerie für Kehl und die Brückenschanze von Hüningen vorgebracht, und trotz der größten Hindernisse mit überflüssiger Munition ausgerüstet wurde, ist gewiß eine neue Probe der thätigsten Verwendung des Herrn Feldmarschall-Lieutenant sowohl in dem Entwurfe als in der Ausführung allein angehören, dieses bestätigt die Folge seiner Anstalten und das Zeugniß aller seiner Untergebenen, welche insgesammt um seine angemessene Belohnung allerunterthänigst bitten.“

Bei der Unternehmung auf Kehl, welche F. Z. M. Graf Latour befehligte, bezeugte dieser in einem Amtsbericht, die Artillerie hätte alles geleistet, was Geschicklichkeit, Entschlossenheit und Tapferkeit vermochten, und dass dieses nur eine Folge und Wirkung des glänzenden Beispiels gewesen wäre, welches ihr Anführer seinen Untergeordneten gegeben habe. Wörtlich heißt es ferner darin:

„Keine Mühe war zu beschwerlich, keine Gefahr zu groß, der sich der Herr Feldmarschall-Lieutenant nicht unterzog, um die zweckmäßigsten und nützlichsten Vorkehrungen zu treffen; und kein feindlicher Ausfall geschah, wo er nicht entweder selbst zugegen war, und die Artillerie zum größten Nachtheil des Feindes dirigirte, oder schon vorhin die vorsichtigsten Einleitungen in der zweckmäßigsten Placirung des Geschützes getroffen hat, um den Feind auf das empfindlichste zurückzuwerfen. Ueberhaupt verging kein Tag, wo sich der Herr Feldmarschall-Lieutenant nicht in der Tranchee befunden und nicht alles zum Artilleriefach Gehörige unter der größten feindlichen Gefahr selbst angeordnet hätte.“

Zur Belohnung so großer Verdienste wurde ihm das Commandeur-Kreuz des Theresien-Ordens.

Wie der erhabene Erzherzog Karl, dieser echte Kenner und Schätzer des Heldenwertes, von Kolowrat dachte, ist aus einem eigenhändigen Brief desselben an den Grafen (von Donaueschingen vom 20. März 1800) zu entnehmen, der unter anderem folgende Stelle ehrenvoller Anerkennung enthält:

„Des Undankes und der Ungerechtigkeit müßte ich mich belasten, wenn ich Ihnen Herr Feldmarschall-Lieutenant nicht unaufgefordert das Zeugniß ertheilte, welches Ihr unermüdeter Eifer und Ihre vollen Kenntnisse in Führung eines der beschwerlichsten Geschäfte verdienen. Alle Ihre Thaten zu erwähnen, die Sie, während ich das Obercommando der Armee zu führen die Ehre hatte, vollbrachten, wodurch Sie sich die allerhöchste Gnade Seiner Majestät des Kaisers und meine ganze unbeschränkte Zufriedenheit erwarben, würde mich nur zu weitläufig machen. Ich beschränke mich daher bloß auf die feyerliche Versicherung, daß Sie Herr Feldmarschall-Lieutenant alle jene Eigenschaften im vollen Maße besitzen, die den biedern, einsichtsvollen, tapfern Soldaten adeln und dem Stande seine Vorzüge geben.“

Auch wuchs selbst des Monarchen Vertrauen gegen Kolowrat fortwährend. Beweise davon erteilen zwei Handbillets Kaiser Franz des II. vom September 1800.

„Der Monarch kenne“ heißt es in dem einen, „den Eifer und die Dienstergebenheit seines Feldherrn, und zähle daher zuversichtlich auf die schleunigste, pünktlichste und zweckmäßigste Vollziehung alles desjenigen, was seine Absichten, die Ehre und den Nutzen seines Dienstes befördern kann.“

Und in dem zweiten ist mit einer auf Thronen um so verehrungswürdigeren Herzlichkeit die Rede von dem Vergnügen, das der erhabene Herrscher empfinde, seinen getreuen Diener nicht nur der gänzlichen Zufriedenheit über dessen bisheriges Betragen, sondern auch der vorzüglichen Wertschätzung der Rechtschaffenheit desselben versichern zu können.

Kurz darauf, den 28. Weinmonat (Oktober) eben dieses Jahres, ward unser F. M. L. auf die Stufe eines General-Feldzeugmeisters erhoben. Bald folgten den 12. und 13. April 1801 die Ernennungen zum Hofkriegsrat und zum erbländischen wirklichen geheimen Rat. Am 21. April wurde er Inhaber des durch den Heldentod Fürstenbergs bei Stockach erledigten 36sten Fuß-Regiments. Seine Ernennung zum Mitglied des Hofkriegsrates war mit folgender höchst schmeichelhafter Zuschrift des Hofkriegsrats-Präsidenten Erzherzogs Karl begleitet:

„Um das große Werk mit Erfolg zu bearbeiten, die nöthigen Verbesserungen im Ganzen, so wie in den einzelnen Theilen festzusetzen und in Vollzug zu bringen, hielt ich es vor allem für nöthig, daß der Hofkriegsrath mit Generälen besetzt werde, welche sowohl die Kriegskunst im Allgemeinen übersehen, als auch in einzelnen Zweigen des Militärs besondere Einsichten und Kenntnisse besitzen, und welche dann mit mir ihre Kräfte vereinen sollten, um dem vorgesetzten Ziele mit jedem Tage näher zu kommen. Ich habe daher nach dem besonderen Vertrauen, welches ich auf die erprobten Talente und den Diensteifer des Herrn Feldzeugmeisters setze, Dieselben Seiner Majestät zu einer Stelle im Hofkriegsrathe vorgeschlagen, in der Ueberzeugung, daß Ihre durch Studium und Erfahrung erworbenen Einsichten in dem Kriegswesen überhaupt, auf diesem Posten für das Beste des Dienstes in die zweckmäßigste Thätigkeit gesetzt werden, und daß Dieselben mir, besonders in den auf Artillerie und Infanterie Bezug nehmenden Gegenständen durch Ihre bewährten Kenntnisse zu dem großen Zwecke vorzüglich an die Hand gegen können.“

Als der Wunsch des Generals der Kavallerie Grafen Melas wegen den Gebrechen seines Alters der Leitung des Generalkommandos in Böhmen enthoben und in Ruhestand versetzt zu werden, erfüllt wurde, ernannte der Monarch den F. Z. M. Grafen Kolowrat zum Kommandierenden in diesem Land (1803). Auf diesem Posten machte er sich im Jahr 1805 durch den Eifer, mit welchem er alle Anstalten des E. H. Ferdinand auf seinem Rückzug durch Franken, und bei dessen glücklicher Unternehmung gegen die mährische Grenze, unterstützt und gefördert hatte, sehr verdient. In dem vor dem Pressburger Frieden eingetretenen Waffenstillstand, wusste er bald darauf durch Achtung gebietende Haltung unbefugten Plackereien französischer Befehlshaber, in dem vom Feind besetzten taborer und budweiser Kreis, Einhalt zu tun.

Im Jahr 1809 rief ihn, das von dem ruhe- und rastlosen Kaiser Napoleon von neuem bedrohte, Österreich wieder ins Feld. Er drang als Befehlshaber des zweiten Armeekorps aus Böhmen in Bayern bis zur Donau vor, nahm am 19. April Stadt am Hof, und besetzte am 20. Regensburg. Nach den bekannten später eingetretenen Ereignissen, führte er seine Heeresabteilung in das südliche Böhmen, und von da nach dem Land ob der Ens. Zur Wagramer Schlacht vereinigte er sich wieder mit dem Hauptkorps, und hatte an dessen hier so glänzendem Ruhm verdienten Anteil2.

Zur Deckung Böhmens wurde nun die Errichtung eines besonderen Heeres von 50.000 Mann unter dem Oberbefehl des E. H. Ferdinand beschlossen, welchem F. Z. M. Graf Kolowrat als Beirat zugegeben sein sollte. Die Willensmeinung des Monarchen hierüber, so wie die Gründe desselben, enthält ein Handschreiben des kaiserlichen Herrschers, welcher die Eigenschaften seiner Treuen zu würdigen und ihren Verdiensten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen weiß, an seinen erhabenen Bruder, den Generalissimus E. H. Karl (vom 20. Juli 1809) mit Folgendem: »Diesem finde ich nur noch nachzutragen, daß der Feldzeugmeister Graf Kolowrat bey gedachtem Armee-Corps um so mehr mit zu verbleiben hat, als er nach seiner genauen Kenntniß des Landes und dessen Verhältnissen, dann seinem rühmlichen mir wohl bekannten Eifer und vielen Erfahrungen, die ersprießlichsten Dienste leisten, und dem Herrn Vetter Ferdinand mit Rath und That an die Hand gehen wird.«

Bald sollte nun das hohe Verdienst Kolowrats ihn auf die höchste Stufe der kriegerischen Würden Österreichs haben. Im September (10.) ernannte ihn der Kaiser zu Dotis in Ungarn zum General-Feldmarschall. Die Teilnahme des kaiserlichen Helden Karl, an der verdienten Belohnung seines durch Jahre von ihm unzertrennlichen Kriegsgefährten, spricht sich in folgenden freundlich gnädigen Zeilen von Teschen (22. September 1809) ehrenvoll aus:

„Mein lieber Kolowrat!
Empfangen Sie meinen Glückwunsch zu Ihrer Beförderung zum Feldmarschall. – Meine Achtung für Sie und meine aufrichtige Anhänglichkeit, welche Ihnen bekannt sind, bürgen Ihnen für das Vergnügen, das ich empfinde, so oft Ihnen etwas Angenehmes widerfährt, um so mehr, wenn Sie so einen Beweis von der Gnade und Zufriedenheit unsers Kaisers erhalten. Denken Sie oft an mich, lieber Kolowrat, und seyn Sie überzeugt, daß ich nie die Zeit vergessen werde, welche wir mit einander zubrachten, und die angenehmen Verhältnisse, die mich an Sie knüpften. – Nie wird meine Freudschaft für Sie ein Ende nehmen, und jede Gelegenheit wird für mich erwünscht seyn, wo ich Ihnen werde Beweise davon geben können.“ – –

Den ruhmvollen Unternehmungen des Befreiungskrieges 1813, 1814, 1815 persönlich beizuwohnen, hinderte den F. M. eine sehr geschwächte Gesundheit, die natürliche Folge seiner außerordentlichen Anstrengungen sowohl, als der hartnäckigen Verzichtung auf jede Art von Bequemlichkeit und Erleichterung, die er sich durch alle seine Feldzüge, auch noch auf den höheren Stufen, um so durch das Beispiel der Abhärtung auf den untergeordneten Krieger zu wirken, zur Regel gemacht hatte. Wenn die von ihm befehligte Mannschaft beiwachtete, war er nie zu bewegen gewesen, der Ruhe unter dem Dach eines zufällig auch noch so nahen Hauses zu pflegen, sondern er brachte auch die Nacht immer unter freiem Himmel zu, um dem Krieger vom untersten Rang seine Lasten dadurch erträglicher zu machen, dass er sie brüderlich mit ihm teilte. Feldmarschall Kolowrat musste sich also begnügen, die verbündeten Heere, an deren Großtaten er nicht mehr teilnehmen konnte, durch die in Böhmen, dem ihm anvertrauten, dem Kriegsschauplatz so nahen vom Feind bedrohten Land, getroffenen Anstalten zu unterstützen, was er mit jenem Eifer und der Umsicht tat, die ihm unter den ersten Männern des österreichischen Heeres seine Stelle schon lange versichert haben. Als die von Heereszügen immer unzertrennlichen Entbehrungen, Beschwerlichkeiten und Anstrengungen, mehr noch die blutigen Auftritte an der Grenze und in dem benachbarten Sachsen, Böhmen, und insbesondere Prag, mit Kranken und Verwundeten überschwemmten, entsprach seine Sorgfalt für diese ganz seiner väterlichen Denkart gegen den untergeordneten Krieger. Mit dem reinsten Edelmut eines wahrhaft tapferen Kriegers, verbesserte er so gut er konnte, zugleich das Schicksal der verwundeten gefangenen Feinde.

Ludwig der XVIII. erkannte und belohnte dieses Verdienst um die verwundeten und kranken Franzosen in Böhmen, durch Ernennung des Grafen zum Groß-Offizier der französischen Ehrenlegion. Sein Kaiser gabe ihm im Jahr 1815 einen neuen Beweis seines Wohlgefallens, durch die Erteilung des goldenen Kreuzes des neu gestifteten Zivilehrenzeichens, mit der Erklärung: es geschehe in Rücksicht seiner, während der letzten Kriegsepoche der Jahre 1813 und 1814, zur Beförderung der heiligen Sache dieses denkwürdigen Kampfes geleisteten patriotischen Dienste und der dadurch um allerhöchst Seine Majestät auf den Staat erworbenen ausgezeichneten Verdienste.

Indessen hatten sich die Anfälle auf des Feldmarschalls Gesundheit – er war wiederholt vom Schlag berührt worden – so sehr gehäuft, dass man alle Ursache hatte, für sein Leben besorgt zu sein. So wenig die Annäherung des Todes den Mann erschüttern konnte, der, seiner Pflicht gegen Thron und Vaterland treu, ihm in blutigen Auftritten unerschrocken entgegen gegangen war, so wenig litt es seine Denkart, die Vorteile und den Glanz des Amtes fort genießen zu wollen, dessen Pflichten er nicht mehr im ganzen Umfang glaubte entsprechen zu können. Er bat also, des ihm anvertrauten Oberbefehls in Böhmen enthoben und in Ruhestand versetzt zu werden. Seine Majestät willfahrten seinem Wunsch, bewilligten ihm seinen ganzen Gehalt als Pension, und erteilten ihm (wie die Worte des Hofkriegsratspräsident Fürsten von Schwarzenberg lauten) zum Merkmal der vollen allerhöchsten Zufriedenheit mit seinen vielfältigen Diensten das Großkreuz des kaierslich-österreichischen Leopold-Ordens. Den höchsten Wert gaben dieser doppelten Gnadenbezeugung in den Augen des getreuen Sohnes des Vaterlandes, die sie begleitenden Worte des Vaters seiner Völker:

„Lieber Feldmarschall Graf Kolowrat!
Mit vielem Bedauern habe ich ersehen, daß Ihnen Gesundheitsumstände nicht mehr gestatten, Ihre langen und ersprießlichen Dienste fortzusetzen. Sie haben sich durch Ihre lange Dienstzeit stets meine volle Zufriedenheit erworben, und ich werde mich besonders freuen, wenn Sie nun der wohlverdienten Ruhe recht lange genießen. Zugleich als ich wegen Ihrer Pension das Erforderliche bestimmt habe, habe ich Ihnen das Großkreuz des Leopold-Ordens verliehen, und hoffe, daß Sie hierin den Beweis meines Dankes für Ihre immer bewiesene Anhänglichkeit, so wie jenen meiner vorzüglichen Achtung finden werden. Fiume den 15. Mai 1816.
Franz. m. p.“

Bald darauf wurde er in eine bessere Welt abgerufen. Der fünfte des Brachmonats (Juni) 1816 war der letzte Tag seines 68jährigen tätig-wirksamen Lebens. Die nächste Ursache seines Todes war Entkräftung, die natürliche Folge eines wiederholten Schlagflusses. Seelengröße im beständigen Bund mit Herzensgüte, war in allen seinen Schritten unverkennbar. Er gehörte unter jene Feldherren, deren Ruhm sich auf Tugend gründet, und die durch Sanftmut und anspruchslose Bescheidenheit am sichersten siegen. Böhmen verlor an ihm seinen schönsten Stolz, das Heer eine seiner ersten Zierden, die Menschheit ihren wärmsten Freund. Die Leiche des Edlen ruht zu Chisch in der gräflich Lažanskyschen Familiengruft an der Seite seiner Mutter.

Quelle: Biographien der ausgezeichneten Feldherren der k.k. österreichischen Armee, aus der Epoche der Feldzüge 1788-1821 (hrsg. von Johann Ritter v. Rittersberg)

1) Als im VI. Jahrhundert „mit den slawischen Schaaren in Böhmens Gauen über drey Flüße geflogen kam die gesellige Schwalbe,“ als der Held Czech die zweiten Gefilde freudig überschaute, und am Ende der Wanderung sein Schachtschwert in den Boden stieß, sagend: „Hier könnt ihr Gefährten Trotz bieten jedem Feind, und der Götter Segen wird mit Euch seyn“; standen im Kreise, zu dem er sprach, auch edle Kolowrate. So wie Krok zum Andenken an das verlassene Schloss Pfary ein anderes Pfary erbaute, von Libussa Libin, und heute Wischehrad genannt, da wo durch Felsen gebrochen unwillig die Moldau sich abwenden muss, so bauten sie dem Heeresfürsten nacheifernd ein Schloss Kollowrati, das nun gebrochen liegt, aber seinen Namen dem anstoßenden Dorf Kolowrati (kauerzimer Kreis, Lichtensteinische Herrschaft Aurzinowes) gegeben hat, – ein Denkmal für die kommenden Geschlechter. Der Hauptstamm der Kolowrate teilte sich in späteren Jahrhunderten in drei Linien: Nowohradsky, Krakowsky, Liebsteinsky. Taschenbuch für die vaterländische Geschichte, herausgegeben durch die Freiherren von Hormayr und Medeyansky. 5ter Jahrgang 1824. Seite 412. Kolowrate. 2) Das dritte von ihm befehligte Armeekorps brachte den linken Flügel des bei Raschdorf aufgestellten feindlichen Treffens zum Weichen, und drang im Sturmschritt mit versagtem linken Flügel gegen das neue Wirtshaus vor. Später umgab es mit dem sechsten Armeekorps die feindliche Stellung konzentrisch, war zum Teil schon auf seine Kommunikation vorgerückt, und stand im Begriff, die ferneren Bewegungen zur Vollziehung des großen Zweckes fortzusetzen. Beim Rückzug behauptete er bis Mitternacht die auf den Stammersdorfer Höhen gefasste Stellung. Relation über die Schlacht bei Deutsch-Wagram.

Figuren der Österreich-Ungarischen Armee der Napoleonischen Kriege