Adolf, Graf von Nassau

Wappenschild des Adolf, Graf von Nassau: in Blau und mit goldenen aufrechten Schindeln bestreut, ein goldener Löwe, rotbewehrt und rotgezungt

Adolf, Graf von Nassau, deutscher König, geb. zwischen 1250-1260, gest. 20. Juli 1298, ein Sohn des Grafen Walram von Nassau (walramische Linie) und der Adelheid, geb. Gräfin von Katzenellenbogen. Das väterliche Erbe war nicht groß. Wir treffen Adolf daher nicht bloß als Burgmann des Königs Rudolf I., sondern auch des Pfalzgrafen Ludwig bei Rhein. Sicherlich ist es ihm nicht an der Wiege gesungen worden, dass er einst die Krone Karls des Großen tragen werde. In der Schlacht bei Worringen hat er im Dienst des Erzbischofs von Köln mit Auszeichnung gefochten. Er war übrigens ein durchaus tüchtiger, tapferer und auch gebildeter Mann. Zur Würde eines deutschen Königs haben ihm freilich nicht seine Verdienste, sondern Umstände anderer Art verholfen.

König Rudolf von Habsburg hatte keine Anstrengung unterlassen, seinem Erstgeborenen Albrecht die Nachfolge im Reich zu sichern. Die Kurfürsten-Oligarchie jedoch widersetzte sich grundsätzlich diesem Verlangen, weil sie auch den Schein der Erblichkeit der Krone nicht mehr aufkommen lassen wollte, und weil der habsburgische Thronkandidat ihr überdies zu selbständig und zu mächtig war. So vereinigte sie zuletzt ihre Stimmen auf Adolf von Nassau (5. Mai 1292), der ihr in keiner Weise gefährlich erschien und dessen Ehrgeiz es zugleich über sich gewann, seinen selbstsüchtigen Wählern gegenüber alle verlangten, aber fast durchaus unwürdigen Bürgschaften und Verpflichtungen zu übernehmen. Zugleich musste er, namentlich den geistlichen Kurfürsten, die ihm übertragene Würde unter dem Titel der Wahlkosten in unverhältnismäßigem Grad und wieder auf Kosten des Reiches bezahlen. So versetzte er sich von vorneherein in eine falsche Stellung und er hatte keine Wahl, als die ihm zugedachte Rolle eines missbrauchten Werkzeuges seiner Wähler fügsam und ruhmlos durchzuspielen, oder die ihn umstrickenden Ketten zu brechen und die volle Gegnerschaft der enttäuschten Urheber seines Königtums wider sich hervorzurufen. Bekanntlich hat er Selbstgefühl und Mut genug gehabt, sich für das Letztere zu entscheiden. Dieses Verhältnis war für ihn um so bedenklicher, als er von Anfang an in dem Herzog Albrecht von Österreich, der es ihm nicht vergeben konnte, ihm nachgesetzt worden zu sein, einen höchst gefährlichen Gegner hatte. Albrecht erkannte ihn zwar nach mühsamen Unterhandlungen als König an, aber von einer aufrichtigen Unterwerfung war keine Rede. Auch in anderen Kreisen der Nation, z. B. der Städte, kam man Adolf mit Misstrauen entgegen: der unrühmliche Ursprung seines Königtums war „dem Pfaffenkönig“ überall im Wege.

Indes zeigte es sich doch bald, dass dieses Urteil nicht das richtige war. Adolf hatte eine nicht unwürdige Vorstellung von seinem königlichen Beruf und war entschlossen, ihr gerecht zu werden. Auch ein bestimmtes, allerdings nicht ausreichendes Maß der Fähigkeit, verwickelte politische Kombinationen zu bemeistern, lässt sich ihm nicht absprechen: schade nur, dass die Macht der Verhältnisse aber doch größer war und dass seine Hilfsmittel doch zu geringe waren. Es war ganz in der Ordnung, dass er zunächst für den öffentlichen Frieden, wie z. B. im Elsass, auftrat; es war klug, dass er mit dem wittelsbachischen Hause eine enge Verbindung einging; es stand mit seinem und des Reichs Vorteil im höchsten Einklang, dass er Miene machte, der aggressiven Politik Frankreichs gegenüber entschiedene Stellung zu nehmen und in diesem Zusammenhang gegen hohe Subsidien ein Bündnis mit England einging, das damals im Kriege mit Philipp dem Schönen sich befand. Leider aber ließ er sich, anstatt diese rühmliche Politik ernstlich und ungesäumt durchzuführen, zu einer anderen Unternehmung fortreißen, die unverkennbar die Bestimmung hatte, seine königliche Machtstellung zu erhöhen und ihn von dem Einfluss seiner Wähler zu emanzipieren, die ihn aber auch von seinen ursprünglichen nationalen Zielen wenigstens für die nächste Zeit unfehlbar entfernte und neue Verwickelungen schuf. Er beschloss nämlich, die Markgrafschaften von Meißen und Osterland für das Reich zu reklamieren. Von ihnen hatten nach dem Tode des Markgrafen Friedrich Tuto, eines Enkels des Markgrafen Heinrichs des Erlauchten, die nächsten Verwandten desselben, die Wettiner Friedrich mit der gebissenen Wange und Diezmann, Söhne des Landgrafen Albrecht von Thüringen, kraft vermeinten Erbrechtes Besitz ergriffen. Adolf ging nun von der Voraussetzung aus, dass diese Länder gemäß der Bestimmungen des Reichslehnsrechtes, da die gerade Linie des eingeborenen Fürstenhauses ausgestorben war, an das Reich zurückgefallen, und dass somit Friedrich und Diezmann, die sich in dieselben geteilt hatten, als Usurpatoren zu betrachten und zur Herausgabe derselben zu verurteilen und nötigen Falles zu zwingen seien. Es ist bemerkenswert, dass der König, indem er den Entschluss fasste, diesen seinen Standpunkt durchzuführen, im vollen Einklang mit den Kurfürsten handelte. Nur liegt freilich auch die Vermutung nahe, dass ihm hier eine Gelegenheit gegeben schien, auf diesem Wege nicht bloß etwa ein ansehnliches unmittelbares Reichsgebiet zu schaffen, sondern sich eine Hausmacht zu gewinnen, wie das s. Z. König Rudolf von Habsburg mit den österreichischen Ländern gelungen war. Zu dieser Vermutung sieht man sich um so mehr veranlasst, als Adolf zu gleicher Zeit Schritte tat, sich eine Anwartschaft auf die Landgrafschaft Thüringen zu sichern, obwohl auf diese das Reich ähnliche Rechtsansprüche wie auf Meißen und das Osterland in keiner Weise erheben konnte, da das Erbrecht der Söhne des Landgrafen Albrecht nicht anzufechten war.

Gleichwohl hat Adolf schon im Jahre 1293 einen Vertrag mit dem stets geldbedürftigen und gegen seine Söhne erbitterten Landgrafen geschlossen, der ihm für den Fall seines Todes die Nachfolge in der Landgraffschaft in Aussicht stellte. Und sofort und ohne Rücksicht auf das bereits eingeleitete Unternehmen gegen Frankreich setzte er sich in Bewegung gegen die wettinischen Länder, nachdem die Söhne des Landgrafen die Herausgabe derselben verweigert hatten. Der Reichskrieg wurde gegen sie erklärt und ausgeführt. Zwei Feldzüge hat Adolf gegen sie unternommen (1294-96), deren Ergebnis die wirkliche Eroberung von Meißen und Osterland und die Besitznahme dieser Länder im Namen des Reiches war. Seinen Vetter Graf Heinrich von Nassau hat er als Reichsstatthalter über dieselben eingesetzt. Auch in Thüringen ist Adolf nicht anders denn als Herr und Mitregent des Landes aufgetreten. Es ist bezeichnend, dass er die Städte, wie Eisenach und Freiberg, nicht ohne Erfolg durch das Versprechen der Reichsfreiheit für sich zu gewinnen versuchte. Aber auch dies dürfen wir nicht verschweigen, dass die vorherrschende Stimmung in diesen Ländern für das eingeborene Fürstenhaus sich aussprach: freilich waren sie gereizt durch das zügellose Auftreten der königlichen Truppen und durch Grausamkeiten des Königs, der unter Anderem die Besatzung der Burg Freiberg wegen ihres standhaften Widerstandes für ihren Landesherrn über die Klinge springen ließ. Aus diesen Erfolg gestützt, trat der König nun selbstbewusster und kräftiger nach allen Seiten auf.

Der Reichskrieg gegen Frankreich war freilich nicht ohne Schuld Adolfs noch immer nicht im Gange, und doch trat Philipp der Schöne von Tag zu Tag herausfordernder und gewalttätiger auf. Nun, im Frühjahr 1297, sollte endlich Ernst gemacht werden, aber eben jetzt löste sich die Eintracht zwischen dem König und den Kurfürsten; es erhob sich von innen heraus ein Sturm gegen ihn, und der König von England sah sich erst recht im Stich gelassen. Adolf war ihnen zu mächtig und selbständig geworden. So hatten sie es nicht gemeint, als sie das Unternehmen gegen die Wettiner unterstützten. Dass er sie an den reichen englischen Subsidien nicht hatte Teil nehmen lassen, hatte sie schon lebhaft verstimmt: nun sah der Kurfürst von Mainz durch die erfolgreiche Politik des Königs seine territoriale Stellung in Thüringen bedroht; der König Wenzel von Böhmen sah sich in der Hoffnung, die er sich gemacht hatte, mit Meißen belehnt zu werden, unangenehm enttäuscht. Auch der systematisch durchgeführte Anschluss Adolfs an die kleinen Herren und Dynasten, mit denen er sich offenbar ein Gegengewicht gegen die größeren Fürsten begründen wollte, hatte ihrerseits Unmut und Befürchtungen wachgerufen. So erwachte in den Kreisen der Mehrzahl der Kurfürsten der Gedanke, den König, in welchem sie sich bloß ein Werkzeug ihrer selbstsüchtigen Absichten zu schaffen vermeint hatten und der mit schlecht verhehlter Entschiedenheit nun ganz andere Wege ging, zu stürzen, ehe er ihnen noch gefährlicher würde. Indes wäre ihnen dies gleichwohl schwer genug geworden, wenn sie nicht in dem Herzog Albrecht von Österreich, dem nie versöhnten Nebenbuhler Adolfs, ein bereitwilliges Werkzeug für ihre Pläne gefunden hätten. So tief ging aber nun ihr Hass, dass sie sich nicht schämten und nicht scheuten, dem rechtmäßig gewählten König nun den Fürsten entgegenzustellen, wider welchen sie eben jenen s. Z. erhoben hatten.

Zwischen Adolf und Herzog Albrecht hatte, trotz der scheinbaren Unterwerfung des letzteren, die ganze Zeit her ein schlechtverhaltener Kriegszustand bestanden. Der Eine hatte dem Anderen überall Schwierigkeiten zu erwecken versucht. Hatte der König Adolf Philipp dem Schönen gegenüber eine drohende Haltung angenommen, so war der Herzog in um so engere Beziehungen zu demselben getreten und so fort. Man kann sich denken, mit welcher Genugtuung der Habsburger den sich vorbereitenden Bruch zwischen Adolf und den Kurfürsten verfolgte. Seinem Hass gegen Adolf brachte er seine Abneigung gegen den König Wenzel von Böhmen zum Opfer: ohne Zögern trat er in die sich bildende Koalition, indem er sich zugleich rüstete, im Einverständnis mit der Kurfürstenpartei, den vernichtenden Schlag auf ihn zu führen. Es wurde festgesetzt, Adolf sollte gestürzt, abgesetzt, Albrecht dafür zum König erhoben werden. Schon war Albrecht mit den Kurfürsten über die Bedingungen einig, unter welchen sie ihn zu ihrem Oberhaupt machen wollten.

Adolf, der sich über die Absichten seiner Gegner nicht mehr täuschen konnte, versäumte freilich nun auch seinerseits nichts, den Kampf aufzunehmen, der ja nicht mehr zu vermeiden war. Bereits führte Albrecht im Elsass, wohin er mit einem starken Heer gezogen war, drohende Bewegungen aus. Und zu gleicher Zeit traten die aufrührerischen Kurfürsten in Mainz zusammen und sprachen über den abwesenden König unter den nichtigsten Gründen das Absetzungsurteil aus und verkündeten seinen Gegner Albrecht als König. So weit war es mit der Hoheit des deutschen Königtums in den Händen der falschen Wächter seiner Ehre gekommen. Indessen nicht ein solches Urteil, sondern das Schwert allein konnte die Entscheidung bringen. Sie fiel am 2. Juli in der Schlacht von Hasenbühel bei Göllheim (Rheinpfalz), in welcher Adolf tapfer kämpfend den Tod gefunden hat: elf Jahre später ist sein Leichnam in der Kaisergruft zu Speier beigesetzt worden. So erlag einer schmählichen Verschwörung der Fürst, der wenigstens besser als die meisten seiner Gegner genannt werden darf, und dessen größtes Unrecht vielleicht doch nur war, dass er nach einer Stellung die Hand ausstreckte, der selbst Fürsten von größeren geistigen und materiellen Hilfsmitteln, als er sie mitbrachte, nicht mehr gewachsen waren. Bekanntlich hat er auch Italien in den Kreis seiner Politik gezogen. Er hat wohl auch daran gedacht, sich die Kaiserkrone zu gewinnen; Papst Bonifacius VIII. wenigstens, der feurige Gegner Philipps des Schönen, würde sie ihm nicht geradezu verweigert haben; aber die Möglichkeit der Ausführung eines solchen Entwurfes ging von vorne herein in den Schwierigkeiten unter, mit denen Adolf mit und ohne eigene Schuld diesseits der Alpen zu ringen hatte. Die Gemahlin Adolfs, Frau Imagina, aus dem Hause der Herren von Limburg-Isenburg, überlebte ihn, sein Sohn Gerlach pflanzte seinen Stamm fort.

Quelle: Franz Xaver von Wegele

Bibliographie

  • Kopp: König Adolf und seine Zeit (Berl. 1862)
  • Schliephacke: Geschichte von Nassau (2. und 3. Bd. Wiesb. 1867-69)
  • Wegele, Franz Xaver von: Allgemeine deutsche Biographie, Bd. 1 (Leipzig 1875)

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