Dschingis Khan

Dschingis Khan (»der sehr mächtige Khan« oder »vollkommener Held«, eigentlich Temudschin mit Namen), geb. zwischen 1155 und 1163 als Sohn des Mongolen Yesukai (gest. 1175), gest. im August 1227, war einer der größten Eroberer aller Zeiten. Der erste Gegner von Bedeutung, den Dschingis Khan als Häuptling einer Schar junger Edelleute aus verschiedenen Geschlechtern 1202 besiegte, war Ong-Khan, Fürst des benachbarten (christlichen) Keraitstammes. Hierauf folgte die Unterjochung der vereinzelten Türkenstämme der Ojuraz, Kungraz und Naiman. 1206 hatte sich Dschingis Khan bereits sämtliche Nomaden der Gobiwüste unterworfen und wurde am Onon vom Kurultai, einem Reichstag von Mongolen, zum Dschingis Khan erklärt, worauf er seinen Sitz in Karakorum aufschlug. Eine neue Gesetzgebung wurde nun von ihm erlassen, Aszan genannt, worin (mit Beibehaltung der überlieferten Gebräuche und Rechte) der Krieg als erste Pflicht aufgestellt war.

Die Herrschaft blieb in den Händen der nächsten Anhänger des Dschingis Khan, mit deren Hilfe das neue Reich begründet war; eine geringe Zahl dem Khan verwandtschaftlich oder sonst nahestehender, ihm blind ergebener Männer führte den Oberbefehl in den verschiedenen Gebieten. Erst nach der riesigen Erweiterung des Reiches besetzte Dschingis Khan die höheren Verwaltungsstellen mit Männern aus vorgeschritteneren Kulturen; so war der chinesisch gebildete Tunguse Ili tschu sai später sein Reichskanzler.

Von den östlichen Uiguren entlehnte Dschingis Khan für seine Nomaden eine Religion und für ihre Sprache Schriftzeichen. 1211 begann er seinen Siegeslauf als Eroberer. Er überstieg die Chinesische Mauer, erstürmte Yen king, zwang den Tungusen Hsüan Tsung, der als Führer der Nütschi oder Kin damals Nordchina beherrschte, zur Entrichtung eines Tributs, wandte sich hierauf gegen Westen, unterwarf die tatarischen Stämme und drang gegen den Chwaresmier Kutub ed-din Mohammed vor (1218).

Sein mächtiges, angeblich 600.000 Mann starkes Heer teilte er in vier Teile. Den ersten Heerhaufen befehligten seine Söhne Dschagatai und Ogdai gegen die Festung Otrar am mittleren Sir Darja; dies, der Schlüssel Turkistans von Nordosten her, fiel. Das zweite Heer operierte gegen Dschend, das 1219 fiel. Das dritte Korps nahm Binaket und Chodschent. Der vierte Heeresteil unter persönlicher Anführung von Dschingis Khan nahm Bochara 1220. Um Samarkand sammelten sich die vier Abteilungen wieder, worauf auch dies 1221 genommen wurde. Transoxanien war somit unterworfen; mit Mohammeds Sohn Dschelal ed-din Mankburni, der bis 1231 in Persien heldenmütig Widerstand leistete, war die Dynastie der Chwaresmier vernichtet. Das Land wurde greulich verheert, die Städte zerstört und die Einwohner und Schätze weggeführt. Nachdem im Zusammenhang damit auch Nordwestindien (1221/22) verwüstet und im Westen ein fürchterlicher Vorstoß bis nach Kiev (1223) gemacht worden war, zog Dschingis Khan nach Karakorum zurück. 1224 verteilte er sein Reich unter seine Söhne und Enkel, so dass China samt der Dsungarei an den künftigen Groß-Khan Ogdai fiel; Dschagatai (s. d.) erhielt Transoxanien; Orda und Batu, Söhne des verstorbenen ältesten Sohnes Dschudschi, wurden Herren über Ost- und Westkiptschak, während Temudschins jüngster Sohn, Tuli, über die eigentliche Mongolei gesetzt wurde. 1222–26 verwüsteten die Mongolen noch das tangutische Reich Hsia in Westchina. Wenigstens 5 Mill. Menschen fanden durch Dschingis Khan ihren Untergang; Zerstörung und Barbarei bezeichneten überall seine Spur. Das einzige bekannte Denkmal Dschingis Khans ist eine in den Ruinen von Nertschinsk aufgefundene Granittafel mit einer mongolischen Inschrift, das Denkmal seiner Eroberung des Königreichs Sartagol (Karakitai) 1219–20.

Bibliographie

  • Barthold: Entstehung des Reiches von Tschingiz-Chan (russ.; in den »Zapiski« der orientalischen Sektion der kaiserlich russischen Archäologischen Gesellschaft, 10, 1897)
  • Douglas: Life of Jenghiz-Chan (a. d. Chines., Lond. 1877)
  • Schurtz im 2. Band von Helmolts »Weltgeschichte« (Leipz. 1902)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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