Gottfried III. der Bucklige, Herzog von Niederlothringen

Gottfried III. Gibbosus, der Höckerige oder Bucklige genannt, Herzog von Niederlothringen und Graf von Verdun, Markgraf von Tuscien und Herzog von Spoleto, gest. 1076, folgt in den letzten Tagen des Jahres 1069 seinem Vater, Herzog Gottfried dem Bärtigen, in der Herrschaft. Schon seit längerer Zeit ist er mit der bekannten Mathilde von Tuscien verlobt, die Hochzeit, zu welcher die Braut selbst nach Lothringen kommt, erfolgt wahrscheinlich erst 1071. Aber wenn diese Ehe auch nicht, wie mehrfach behauptet worden ist, nur zum Schein geschlossen war, so ward sie doch keineswegs eine glückliche. Mathilde verlässt bald ihren Gatten, und zwar wahrscheinlich seiner kirchlichen Haltung wegen.

Gottfried ist der Geistlichkeit wenig ergeben, und gleich im Anfang seines Regimentes gerät er mit ihr in Zwist, indem er das Testament seines Vaters, welches der Kirche überreiche Spenden gewährt, voll auszuführen verweigert. Jene Heirat soll vermutlich dazu dienen, den Herzog enger an die Interessen der gregorianischen Partei zu knüpfen, aber der beabsichtigte Zweck wird ebenso wenig erreicht, als spätere Bemühungen Gregors VII., der Gottfried sogar die Belehnung mit Sardinien verheißt, wenn er ihm Hilfstruppen gegen die Normannen stellte, Erfolg haben. Daher kommt es, obgleich der Herzog Ende 1072 selbst nach Italien geht, zu keiner Aussöhnung und Wiedervereinigung mit der Gattin. Überhaupt kümmert sich Gottfried wenig um Italien, findet das Feld seiner Tätigkeit fast ausschließlich in Deutschland.

In den Jahren 1071 und 1073 führt er einen glücklichen Krieg gegen Graf Robert von Flandern, in dem er dem Gegner nicht nur eine Niederlage beibringt, sondern auch friesische Gebiete erobert. Bald tritt er in die engsten Beziehungen zu Heinrich IV. und wird einer der einflussreichsten Männer im Reich, die beste Stütze des Königs namentlich im Kampf gegen die Sachsen. Zweifelhaft erscheint allerdings sein Verhalten bei dem Gerstunger Vertrag vom Oktober 1073, in welchem die Gesandten Heinrichs — unter ihnen eben Gottfried — den Sachsen insgeheim die Wahl eines anderen Königs zugesagt haben sollen. Aber der Bericht Lamberts, der allein diese Dinge ausführlich erzählt, ist kaum als zuverlässig zu betrachten, da wir den Herzog sonst in unwandelbarer Treue bei seinem König sehen.

Seine Schaaren sind es, welche die letzte Entscheidung in der Schlacht an der Unstrut herbeiführen, seine weiteren starken Rüstungen tragen viel dazu bei, die Aufständischen zur endlichen Unterwerfung zu zwingen, welche er selbst vereinbaren hilft. Indessen ist es zwischen Heinrich IV. und Gregor VII. zu ernsten Zerwürfnissen gekommen. Gottfried steht auch hier auf Seite des Königs und scheint von Anfang an auf eine entschiedene Haltung zu dringen. Demgemäß nimmt er hervorragenden Anteil an dem Konzil von Worms, welches Gregor absetzt, und erklärt sich bereit, den neu zu erwählenden Papst nach Rom zu geleiten. Aber ihm ist ein früher Tod beschieden. Als er bald nach diesen Vorgängen sich in die früher eroberten friesischen Gebiete begibt, wird er bei Vlaardingen von einem Meuchelmörder, einem Dienstmann des feindlichen Grafen Dietrich von Holland, in scheußlicher Weise tödlich verwundet und stirbt am 26. Februar 1076 in Utrecht. Seine Gebeine werden in Verdun beigesetzt; da er keine Kinder hinterlässt, folgt ihm sein Neffe, der berühmte Gottfried von Bouillon.

Die zeitgenössischen Schriftsteller, selbst die auf gegnerischer Seite Stehenden, sind voll des Lobes über ihn. Trotz seiner körperlichen Missgestalt war Gottfried ein tapferer Kriegsmann und zugleich ein tatkräftiger und weiser Fürst. Lambert bezeichnet ihn als die Kraft und Stütze des deutschen Reiches, dem kein anderer Fürst gleichgekommen sei, und lothringische Schriftsteller klagen, dass mit seinem Tod Friede und Gerechtigkeit aus dem Land gewichen sei.

Bibliographie

  • Giesebrecht: Geschichte der deutschen Kaiserzeit III, 1
  • Lindner, Theodor: Allgemeine deutsche Biographie, Bd.: 9 (Leipzig, 1879)
  • Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909
  • Pannenborg, A.: Studien zur Geschichte der Herzogin Matilde von Canossa (Götting. 1872)

Quelle: Theodor Lindner

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