Kulm

Kulm (Culm), Kreisstadt im ehem. preußischen Regbez. Marienwerder, heute Chelmno in Polen, 2 km von der Weichsel, auf dem hohen Rande der Niederung, noch von einer Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert umgeben, Knotenpunkt der Bahnlinien Kornatowo-Kulm und Kulm-Unislaw, hat 2 evangelische und 2 katholische Kirchen, Synagoge, ein altertümliches Rathaus, Gymnasium, Realschule, ein Kloster der Barmherzigen Schwestern, ein Denkmal des Kaisers Friedrich III., Amtsgericht, Reichsbanknebenstelle, Eisengießerei mit Maschinenbau und Kesselschmiederei, Fassreifenfabriken, Dampfschneidemühlen, Essigfabrikation, Bierbrauerei, Ziegeleien, Getreidehandel, Schiffahrt und (1900) mit der Garnison (ein Jägerbataillon Nr. 2 und eine Maschinengewehrabteilung Nr. 4) 11.079 Einwohner, davon 3530 Evangelische und 339 Juden. Das 1776 von Friedrich II. gegründete Kadettenhaus wurde 1. Okt. 1890 nach Köslin verlegt.

Kulm ward vom Herzog Konrad von Masovien dem ersten Bischof von Preußen, Christian, geschenkt und von Friedrich II. 1226 dem Deutschen Ritterorden verliehen. Dieser legte 1232 die Stadt Kulm weiter unterhalb an der Weichsel an und gab ihr (und zugleich Thorn) in der Kulmischen Handfeste 1233 eine deutsche Städteordnung, die ein Vorbild für alle Städtegründungen im Ordensland wurde (vgl. Handfeste). 1244 wurde Kulm vom Herzog Swantepolk von Pomerellen belagert, indessen von den Frauen des Ortes erfolgreich verteidigt. Der Papst erlaubte dem Hochmeister 1387, in Kulm eine Universität zu gründen. Kulm wurde später Mitglied der Hanse, beteiligte sich dann an dem Aufstand gegen die Ordensherrschaft und wurde 1466 auf Grund des zweiten Friedens zu Thorn an Polen abgetreten, von dem es 1772 an Preußen kam. Das Kulmer Land, zwischen Weichsel, Drewenz und Ossa, bildet in seinem Hauptteil eine sehr fruchtbare, fast ebene Landschaft, die nur selten über 120 m ansteigt, mit zahlreichen Gütern.

Bibliographie

  • Brauns: Geschichte des Kulmer Landes bis zum Thorner Frieden (2. Aufl., Thorn 1881)
  • Schultz: Geschichte der Stadt und des Kreises Kulm (Danz. 1876)
  • Schultz: Geschichte der Stadt Kulm im Mittelalter (Danz. 1888)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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