Kriegsmaschinen

Kriegsmaschinen

Kriegsmaschinen (hierzu Tafel »Kriegsmaschinen«), maschinelle Vorrichtungen für Angriff und Deckung im Kriege, besonders vor Einführung der Feuerwaffen. Schon die Perser unter Xerxes führten fahrbare Wurfmaschinen, Sturmdächer und Sturmböcke, ebenso Assyrer, Ebräer, Phönizier. Die Griechen haben die Kriegsmaschinen jedenfalls durch Vermittlung der letzteren erhalten, die Römer von den Griechen, ohne viel eigene Erfindungen dabei aufweisen zu können. Dann taten sich die Byzantiner, als ihre Schüler die Araber, im Bau gewaltiger Kriegsmaschinen hervor, endlich die Abendländer bis zum Ende des Mittelalters. Vgl. Geschoss.

Bekannte Modelle

  • Römische Vinea, 1:72 LW 22
  • Römische Vinea mit Ramme, 1:72 RedBox 72002
  • Belagerungsmaschinen (1), 1:72 Zvezda 8014
  • Belagerungsmaschinen (2), 1:72 Zvezda 8015
  • Onager mit Besatzung, 1:72 Petersfiguren W003
  • Mittelalterliche Belagerungstruppen, 1:72 Orion 72019
  • Mittelalterliche Belagerungsmaschinen (1), 1:72 Orion 72015
  • Mittelalterliche Belagerungsmaschinen (2), 1:72 Orion 72016
  • Mittelalterliches Belagerungsgeschütz (klein), 1:72 Valdemar Miniatures VM001
  • Mittelalterliches Belagerungsgeschütz (groß), 1:72 Valdemar Miniatures VM015

Den Übergang zu den Geschützen der Alten bildet die Armbrust (speziell die arcubalista, Bauchspanner), deren Konstruktion in den für den rasanten Schuss bestimmten Kriegsmaschinen hervortritt. Es waren dies die Geradspanner, in Griechenland Euthytona, da sie Pfeile verschossen auch Pfeilgeschütze, Katapelten, und von der allgemeinen Gestalt Skorpion genannt. Diese Konstruktion kehrt im römischen Heer als Katapult (Fig. 1) wieder. In die Rinne legte man das Geschoss (Pfeil, Stein, Kugel oder Balken) und spannte die Sehne mit Hilfe des am hinteren Ende der Rinne befindlichen Gewindes bis zu dem dicht vor diesem angebrachten Spannhaspen. Der Rahmen, durch den die Rinne hindurchragt, hieß Spannkasten, aus dem rechts und links die Bogenarme, aus starkem, schwer biegsamem Holz gefertigt, herausragten, mit ihren äußeren Enden durch die Sehne verbunden. Jeder Bogenarm wurde durch ein starkes, im Spannkasten angebrachtes Sehnenbündel (in der Figur das rechte sichtbar) umfasst. Vor dem Spannen brachte man diese Sehnenbündel durch Drehung der oben aus dem Spannkasten herausragenden Spannbolzen in sehr starke Torsion, durch die beim Loslassen des die Sehne haltenden Spannhaspens die Bogenarme mit außerordentlicher Kraft nach vorwärts geschnellt wurden.

Nach Konstantin erscheint bei den Griechen und Römern die Ballista, die entweder mit dem Katapult identisch oder eine große Armbrust mit eisernem Bogen ist. Die Araber führten ebenfalls Ballisten (arradah), im Abendland hatte man im Mittelalter Standarmbrüste verschiedener Größe und Rutten (Ballester), säulenartige Gestelle mit riesiger Spannfeder an der Rückseite, die den oben aufgelegten Pfeil (meist Brandpfeil, Malleolus) fortschnellte. Für den Wurf dienten die Winkelspanner, in Griechenland Palintona, nach den von ihnen entsandten Geschossen auch Steingeschütze, Lithobolen, bei den Römern Onager (Waldesel, Fig. 2), bei den Arabern manganyk genannt. Der Balken, der das Geschoss (Stein) aufnimmt, steckt hier mit seinem unteren Ende in einem horizontal zwischen den beiden Seitenbalken des als Basis dienenden Rahmens ausgespannten Sehnenbündel, dessen Torsion von der Seite aus erfolgte und durch in ein Zahnrad eingreifende Vorstecker erhalten wurde. Der Balken wurde bis zur horizontalen Lage herabgewunden, nahm hier in seinem löffelförmigen oberen Ende das Geschoss auf und wurde durch Bolzen festgestellt, deren plötzliche Lösung durch die Kraft des Sehnenbündels den Balken hochschnellen ließ. Diese Bewegung wurde durch das Polster am Querbalken des vorn auf dem Grundrahmen ausgerichteten Joches gehemmt, und das Geschoss flog allein weiter. Viel Anwendung fanden die Wurfgeschütze in Westeuropa im Mittelalter und zwar die hohen Gewerfe (nach der Bauart so genannt), als Bleide (Blyde, s. Tafel: Belagerung im Mittelalter, 6), Tribock (jedenfalls der Bleide sehr ähnlich), Brikole (ebenda, 4 u. 5), Petraria (wohl Name für alle Arten Wurfgeschütze), und die niederen Gewerfe als Mange, Matafunde etc. Ganz bestimmte Angaben lassen sich betreffs der Konstruktionen selten machen, weil die Überlieferung, in Wort wie Bild, oft unklar und willkürlich ist, doch scheint das Grundprinzip der Konstruktion des Onager dauernd geherrscht zu haben.

Fahrbare Geschütze besaß man ebenfalls, z. B. die Marga (fahrbare Mange), oder bei den Römern früher die carrobalistae. Um bei Belagerungen Bresche zu legen, bedienten sich die Griechen des Krios (Sturmbock, Widder) oder des Trypanon (Mauerbohrer mit scharfer Spitze), die Römer der gleichen Vorrichtung als Aries (Fig. 5), die Araber als Kabsh, im Abendland kamen dafür die Namen Tarant, Fuchs, Krebs auf, wobei besonders bei letzterer Bezeichnung mit an die Deckung des Widders durch ein Dach, die Testūdo, Schildkröte, Widderschildkröte, Vinea (Fig. 4 u. 6) gedacht wurde, die entweder durch dicht nebeneinander emporgehaltene Schilde oder als festes Gebäude erscheint.

War vor der feindlichen Befestigung ein Graben angelegt, den es auszufüllen galt, so geschah dies im Schutz der Schüttschildkröte (griech. chelonai chostrides, arab. dabbalah, im Mittelalter Katze), deren Handhabung die Tafel (Belagerung im Mittelalter, 1 u. 2) zeigt. Frontschirme (Holzbrustwehren, Wandschirme, fahrbare Blenden, plutei) deckten die Leute, die an den Kriegsmaschinen zu arbeiten hatten, gegen die Geschosse des Gegners, und Laufhallen (griech. stoai) gewährten gesicherte Annäherung von rückwärts. Zur Annäherung bediente man sich ferner der Wandeltürme (Rolltürme, Helepolis, turres ambulatoriae, pyrgoi, Fig. 3 der Tafel), auf Rädern oder Walzen ruhend, auf und in denen Geschütze aufgestellt waren, und von denen man auf Fallbrücken oder durch Krane (Hebekasten, toleno) Krieger auf die Mauer der gegnerischen Befestigung hinüberzubringen suchte. Diese Türme kamen von 10-20 Etagen Höhe vor.

Im Mittelalter hatte man in Deutschland für die gesamten Kriegsmaschinen den Ausdruck Antwerk, später Zeug, und teilte es ein in Stoßzeug zum Mauerbrechen, Schuss- und Wurfzeug, Deckzeug zum Schutz gegen die feindliche Waffenwirkung und Türme (Ebenhöch). Doch lassen sich sehr viele Einzelheiten mangels genauer Überlieferung nicht feststellen.

Bibliographie

  • Droysen, H.: Heerwesen und Kriegführung der Griechen (Freiburg 1888)
  • Funcken: le costume et les armes des soldats de tous les temps, Vol. 1, p. 67
  • Jähns: Handbuch einer Geschichte des Kriegswesens (Leipzig 1880, mit Atlas)
  • Köchly und Rüstow: Geschichte des griechischen Kriegswesens (Aarau 1852)
  • Marquardt: Römische Staatsverwaltung, 2. Abt. (2. Aufl., Leipzig 1884)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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