Kriegsbrücken

Kriegsbrücke

Kriegsbrücken, im Krieg gebaute Brücken, werden entweder aus mitgeführtem und vorbereitetem Material (Trainbrücken) oder aus an Ort und Stelle vorgefundenem (Feldbrücken) errichtet. Über die Wahl von Brücken- oder Übergangsstellen entscheiden taktische und technische Rücksichten. An jeder Brücke unterscheidet man den Oberbau, bestehend aus der Brückendecke und dem Geländer, und den Unterbau, die Unterstützungen der Brückendecke, die entweder nur auf den Ufern oder außerdem noch auf besonderen Auflagern ruht. Die eigentlichen Feldbrücken (Behelfsbrücken) sind Kriegsbrücken zum Übergang über kleinere Gewässer, Hohlwege etc., von der Truppe, oft unter Beihilfe der Pioniere, hergestellt. Man unterscheidet: Brückenstege für Fußgänger bis 1 m breit, Laufbrücken für Infanterie in Reihen und Reiter, abgesessen, bis 2 m breit, und Kolonnenbrücken für sämtliche Truppen in Marschformation 4–5 m breit.

Die Brückenbahn, bei Stegen oft nur ein Baumstamm, besteht aus den Streckbalken und quer darübergelegten und festgebundenen Brettern. Die Zahl der Balken wird durch die erforderliche Tragfähigkeit der Brücke bedingt; bei Kolonnenbrücken sind in der Regel fünf erforderlich: ein Mittelbalken, zwei Ortbalken an den äußeren Enden und zwei Gleisbalken dazwischen, um die Spurbreite der Kriegsfahrzeuge voneinander entfernt, so dass die Räder auf ihnen rollen, wenn die Fahrzeuge die Mitte der Brücke halten. Der Bretterbelag wird auf den Streckbalken mit Rödelbalken oder Rödelbrettern mit Rödeltauen befestigt. Die Streckbalken reichen entweder in einer Spannung von Ufer zu Ufer, auf dem Landstoß lagernd (Uferbrücken, bei denen der erste Balken mit Leinen, auf Rollen, Wagen, durch Schwenken auf einem Klotz oder vermittelst der Schere hinübergeschafft wird), oder man braucht noch besondere Unterstützungen zwischen den Ufern; die Brücke hat dann mehrere Strecken, für die Unterstützung und Brückenbahn nacheinander hergestellt werden. Die Unterstützungen ruhen auf dem Flussgrund, oder sie schwimmen auf dem Wasser.

Als feste Unterstützung dienen für Lauf- und allenfalls auch Kolonnenbrücken Leiterwagen, die man ins Wasser oder in die Einsenkung fährt, und auf denen dann die Streckbalken befestigt werden (Wagenbrücken), oder bei flachen Gewässern für Kolonnenbrücken Bretterhaufen, durch Pflöcke in ihrer Lage erhalten (Brettstapelbrücken); wo viel Strauchwerk vorhanden, baut man Schanzkorbbrücken aus mit Steinen gefüllten und gut befestigten Schanzkörben, aus denen man Joche bildet, oder indem man das Gewässer mit hohlen, liegenden Körben füllt und über diese den Brückensteg legt; des Zeitaufwandes wegen seltener sind Pfahljochbrücken auf nebeneinander eingerammten, durch Latten zu größerer Haltbarkeit verbundenen Pfählen. Endlich liefern die häufig vorhandenen und auch schnell zu zimmernden Böcke, besonders vierbeinige Mauerböcke, das Material zu den am meisten gebrauchten Bockbrücken. Seil- und Kettenbrücken mit Hänge- und Sprengwerk sind nur selten anwendbar. Schwimmende Unterstützungen sind Balken bei Floßbrücken, leere, paarweise verbundene Tonnen bei Fass- oder Tonnenbrücken, Kähne und größere Flussfahrzeuge bei Schiffbrücken. Der Zugang oder Übergang über Weichland wird mit Strauchwerk und Faschinen hergestellt.

Als Kriegsbrücken (Trainbrücken) zum Zweck des Übergangs über große Flüsse, Ströme etc. verwenden die meisten Staaten Biragosche Brücken (s. Birago), jedes deutsche Armeekorps führt in zwei Divisionsbrückentrains für je rund 40 m, im Korpsbrückentrain für rund 120 m, im ganzen also ein Material für rund 200 m Brückenlänge mit sich. Belag ist für noch größere Längen vorhanden, so dass bei Mitverwendung unvorbereiteten Materials auch längere Kriegsbrücken erzielt werden.

Fig. 1. Bock.

Das Material besteht aus eisernen Pontons und für die dem Ufer nahen Strecken aus zweibeinigen Böcken (Fig. 1) als Unterstützungen; für die Brückenbahn teils aus gewöhnlichen Streckbalken, teils aus sogen. Knaggenbalken und aus Belagbrettern. Rödelleinen und -Balken, Schnürleinen, Geländerstangen und -Leinen sowie das Material zur Verbindung (Spanntaue) und Verankerung der Pontons bilden das sonstige Zubehör. Der Transport des Brückenmaterials erfolgt auf den sogen. Hakets, die das Material für je eine Strecke tragen. Die Spannung der einzelnen Strecken ist für Bockstrecken mit Knaggenbalken gleichmäßig 5 m; für die Strecken mit Pontons kann die Spannung je nach der verlangten Tragfähigkeit wechseln. Jene können bei höchstens 2,5, diese bei mindestens 0,6 m Wassertiefe eingebaut werden. Fig. 1 zeigt eine Bockbrücke, Fig. 2 den Anfang einer Pontonbrücke. Die Böcke der ersteren (Fig. 1) haben einen an beiden Enden durchlochten, 5,33 m langen Holm und Beine von 3 sowie längere von 4,5 m. Zum Bau steckt man die Bockbeine b b durch die Öffnungen des Holms a und bringt die mit eisernem Schuh versehenen unteren Enden der Beine, die eine breite Fußscheibe ff gegen zu tiefes Einsinken sichert, an Ort und Stelle; der Holm hängt in Ketten kk, durch deren Länge man die Höhe der Brückenbahn über dem Wasserspiegel regelt; dann legt man die Köpfe der Knaggenbalken cc über den Holm, mit dem anderen Ende über einen Uferbalken. Die Köpfe der Balken von je zwei Strecken halten den Bock in seiner Lage, dd sind die Rödelbalken, e die Belagbretter.

Fig. 2. Bock und Pontonstrecke.

Das Einbauen der Pontons geschieht einzeln oder gliederweise, indem man 2, 3 oder 4 Pontons gleich am Ufer verbindet, die fertigen Stücke dann in die Brücke einfährt und mit den schon stehenden Teilen verbindet. Die Pontons werden zu je 2, 3 oder 4 durch Anker befestigt, zunächst oberstrom, aber zur Sicherung gegen Wind und Flut auch unterstrom (Strom- und Windanker). Der Bau und der Brückendienst liegen den Pionieren ob. Sie haben für dauernde Erhaltung durch sofortige Ausbesserungen sowie für Ordnung beim Übergang zu sorgen; die betreffenden Vorschriften für den Marsch über Brücken vgl. Felddienstordnung von 1900. Zerstörung und Herstellung von Brücken erfolgt fast ausschließlich durch technische Truppen (vgl. Pioniere). Nachdem 1902 für die deutschen, ausschließlich der bayrischen, Truppen eine neue Pontonier-Vorschrift erschienen ist, wird auch das Brückengerät eine Änderung insofern erfahren müssen, als das bisherige nicht auf stärkere Strömungen (Weichsel) und auch nicht auf den Transport der schweren Artillerie des Feldheeres Rücksicht nahm. Die Kavallerie hat ihr eigenes Material (s. Faltboote). Zu alledem kommen neuerdings noch die Kriegsbrücken, welche die Möglichkeit bieten sollen, Eisenbahnzüge über Flüsse und Ströme zu transportieren. Bei geringen Spannweiten und wenn die Mittel dazu an Ort und Stelle vorhanden sind, werden solche Kriegsbrücken aus Holz hergestellt. Für größere Spannweiten ist es notwendig, in Friedenszeiten vorbereitete und von den Truppen mitgeführte Brückenteile aus Stahl und Eisen zu verwenden. Da es erforderlich ist, Brücken der verschiedensten Spannweiten aus einheitlich vorbereitetem Material herzustellen, sind sogen. Einheitsbrückenteile konstruiert worden, die den Eisenbahntruppen die Möglichkeit bieten, unter verschiedensten Anwendungsarten der einzelnen Teile Brücken größter Spannweiten in kürzester Zeit herzustellen. Es gibt mehrere Systeme der beschriebenen Art. In Deutschland sind eingehende Versuche mit den Systemen Schulte und Lübbecke gemacht worden. Genaue Angaben sind nicht veröffentlicht.

Die österreichisch-ungarische Armee hat für ein Pionierbataillon eine leichte und drei normale Kriegsbrücken, insgesamt also 60, dann mindestens 10 als Reservevorrat. Die leichte Equipage teilt sich in 2 Divisionsbrückentrains (auf allen Wegen brauchbar), deren jeder auf (vierspännigen) 4 Balken-, 4 Pfosten-, 2 Bockwagen Material für eine 26,5 m lange leichte Kriegsbrücke enthält.

Fig. 3. Bockbrücke mit am Lande gefertigten Jochen.

Die normale Equipage führt auf 8 Balken-, 4 Bock- und 2 Requisitenwagen (letztere 2 mit 4, erstere mit 6 Pferden) Material mit zum Bau einer 53,1 m langen und 3,05 m breiten leichten Kriegsbrücke für Infanteriekolonnen in Sechserreihen, bez. Fuhrwerke bis 2240 kg, oder einer 33,2 m langen und 3,05 m breiten schweren Kriegsbrücke für dichtestes Menschengedränge, bez. 3360 kg schweres Fuhrwerk, oder endlich einer 66,4 m langen und 2,21 m breiten verschmälerten Kriegsbrücke.

Bauzeit: für ein Feld (6,64 m lang) samt Vorarbeit unter günstigen Verhältnissen bei Bockbrücken 18, Pontonbrücken 15 Minuten. Erstere im Trockenen bis 3,8 m, ausnahmsweise 5 m Höhe oder über Gewässer von höchstens 2,5 m Tiefe und Stromgeschwindigkeit; letztere bei mindestens 0,8 m (Wassertiefe) und höchstens 3,2 m Stromschnelligkeit. Jede Equipage (normale in ½ und ¼ teilbar) mit Geleitkommando und Bespannung von der Traintruppe. Tragvermögen der teilbaren Stahlpontons 4500 kg, Bocksystem nach Birago (s. d.).

Die Eisenbahnkriegsbrücke System Kohn lässt Spannungen bis 45 m zu. Eiffelbrücke: Eisenfachwerk unten mit Bahn, Trägerhöhe 1,5 m, Knotenweite 3 m. Eine dreiteilige Dispositionsgruppe reicht für eine 129,6 m lange Brücke mit 8 Feldern, 7 stehenden und 7 schwimmenden Unterlagen (diese letzteren eiserne, zerlegbare Schiffe, 16 m lang, 3 m breit, als Wasserfahrzeug 140 Infanteristen oder 32 Ton. Güter fassend).

Geschichtliches

Kriegsbrücken werden schon im Altertum erwähnt, so die Brücken der Perser unter Dareios über den Bosporus und die Donau, im Krieg gegen die Skythen, des Xerxes über den Hellespont zum Zuge nach Griechenland, von denen nach Herodot die eine aus 314, die zweite aus 360 Schiffen bestand. Alexander der Große führte schon tragbare Brücken auf seinen Kriegszügen mit. Die Römer bauten regelrecht Bockbrücken (Fig. 3), Pfahljoch- und Schiffbrücken; Cäsar ließ leichte Kähne zum Brückenbau mitführen. In der Kaiserzeit hatte jede Legion Pontons in ihrem Train.

Fig. 4. Kriegsbrücke des 14. Jahrhunderts (»Manuskript du sérail«, Paris).

Aus dem Mittelalter, Fig. 4, 5 u. 6, ist über den Bau der Kriegsbrücken wenig überliefert, nur Albas Brückenbau über die Schelde bei der Belagerung von Antwerpen 1584 ist genauer bekannt. Die Kriege der Revolutionszeit brachten häufige Überbrückungen des Rheins. Aus der Napoleonischen Zeit haben die Schiffbrücken über die Donau bei Aspern 1809 und die 1812 mühsam hergestellten zwei Bockbrücken über die Beresina kriegsgeschichtliche Berühmtheit erlangt. Aus den Kriegen der letzten Jahrzehnte sind der Brückenschlag der Preußen über die 240 m breite Schlei 6. Febr. 1864 und zahlreiche Überbrückungen der Mosel, Maas, Seine etc. im Kriege 1870/71 zu nennen.

Fig. 5 u. 6. Kriegsbrücken des 16. Jahrhunderts (nach Diego Uffano).

Bibliographie

  • Ripper: Europäische Kriegsbrückensysteme (Wien 1895)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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