Kalmücken

Kalmückin

Kalmücken (Kalmyken, vom tatarischen Khalimik, d. i. Abtrünniger, nach eigener Benennung Mongol-Oirat, bei den Ostmongolen Ögeleb, sonst auch Ölöten oder Eleuten genannt), ein den westlichen Zweig der Mongolen bildendes Volk, dessen Hauptvertreter heute die Choschoten, Dsungaren, Dorboten (Dörböt) und Torgoten (Törga-Uten) in China und Sibieren sind. Die letzteren beiden Stämme zogen, die Torgoten 1636, die Dorboten 1723, aus ihren Stammsitzen in die Dsungarei infolge von Zwistigkeiten, sowie um das Reich Dschingis Khans wiederherzustellen, Niederlassungen gründend, zuerst zum Altai, von da in die Kirgisensteppe, dann zum Quellengebiet des Tobol, endlich an den Muhadscharbergen vorüber zum Uralfluss und zur Wolgamündung. Dort ließen sie sich nieder, leisteten dem Zaren Alexei Michailowitsch den Untertaneneid und halfen unter Peter d. Gr. die Baschkirenaufstände unterdrücken; auch kämpften sie gegen Persien.

Als die Chinesen 1759 das Dsungarische Reich zerstörten, flohen 40.000 Choschoten, Dorboten und Dsungaren an die Wolga; doch kehrte 1771 ein großer Teil, unzufrieden mit der russischen Regierung, unter den größten Gefahren und nach unsäglichen Beschwerden, denen von 169.000 nicht weniger als 100.000 erlagen, nach China zurück. Die zurückgebliebenen Kalmücken nomadisieren seit Ende des 18. Jahrhunderts friedlich in der Steppe zwischen Wolga und Ural, um Astrachan und Stawropol bis gegen Saratow. Die Kalmücken am Altai heißen auch schwarze oder Bergkalmücken, zum Unterschied von den türkisierten Teleuten (s. d.) oder weißen Kalmücken im Gouv. Tomsk. Die Kalmücken wohnen in Europa im Gouv. Astrachan, im Gebiet der Donischen Kosaken und im Gouv. Stawropol, in Sibirien im Gouv. Tomsk, in Zentralasien im Siebenstromland (Semiretschinsk, Semiretschje) und Kuldscha (im ganzen russischen Reich etwa 160.000), endlich in China in Kobdo und der Dsungarei (320.000) und in Ostturkistan im Tienschangebirge (50.000).

Ihr Äußeres stimmt ganz mit dem der Mongolen (s. d.) überein, auch ihre Sitten und Gebräuche sind denen jener nahe verwandt. Als Oberhaupt haben die russischen Kalmücken einen von der russischen Regierung eingesetzten Lama, der in Bazar Kalmuk an der Wolga bei Astrachan wohnt. Das Christentum hat hier und da unter ihnen Wurzeln geschlagen, auch bekennt sich ein Teil der Kalmücken zum Islam; die durch einen »Propheten« Nirod unter den Kalmücken im Altai verursachte Gärung führte 4. Juli 1904 zu einem Blutbad. Für die Bildung der Kalmücken hat die russische Regierung anfangs des 20. Jahrhundert viel getan.

Figuren

  • Kalmücken mit Bogen, 5 mm Heroics & Ros MRN18

Die Sprache der Kalmücken gehört wie die nahe damit verwandte mongolische zu dem uralaltaischen Sprachstamm; die für diesen Sprachstamm charakteristische Vokalharmonie hat sich hier aber in der Weise entwickelt, dass die Vokale der Endungen auf die Vokale der Wortstämme zurückwirken. Die Schrift ist eine vermehrte und verbesserte Abart der mongolischen. Eine Grammatik und ein Wörterbuch veröffentlichte Zwick (Donaueschingen 1852 und 1853), besser in russischer Sprache Popow (Kasan 1847) und Bobrownikow (Kasan 1849). Die Kalmücken haben geschriebene Gesetze und auch eine Literatur, die meist aus Gedichten und historischen, mit Sagen verwebten Überlieferungen besteht; eine epische Dichtung, die »Dschanggariade« (kalmückisch hrsg. von Golstunskij, Petersb. 1864), wurde von Erdmann ins Deutsche übersetzt (»Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft«, 1857), die Märchensammlung »Siddhi-Kür« von Jülg (mit Übersetzung und Wörterbuch, Leipz. 1866) herausgegeben.

Ihr Handel ist Tauschhandel von Vieh und Korn, wollene Kleider, Küchengeräte, u. dgl. Bei den chinesischen und sibirischen Kalmücken liegt die Verwaltung in den Händen ihrer Stammesfürsten (Jaifang) und deren Unterbeamten; Chinesen wie Russen wissen aber auf sie durch Ehrenbezeigungen aller Art einzuwirken.

Bibliographie

  • Bergmann: Nomadische Streifereien unter den Kalmücken (Riga, 1804–05, 4 Bde.)
  • Howorth: History of the Mongols, Bd. 1 (Lond. 1876)
  • Wenjukow: Die russisch-asiatischen Grenzlande (deutsch, Leipz. 1874)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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