Hinterhalt

Hinterhalt

Hinterhalt oder Versteck, Embuskade, ist eine in der Nähe eines Ortes, den der Feind, gewissen Nachrichten oder Voraussetzungen zu Folge, passieren wird, im Voraus gewählte verdeckte Stellung, aus der man ihn unerwartet anfallen will. Man macht dahin einen heimlichen Marsch und richtet es so ein, dass man vor Tagesanbruch den Hinterhalt erreicht. Die vorteilhafteste Lage zu Verstecken gewähren Berge und Waldungen; sie gelingen hier am leichtesten, weil es dem Feind schwer wird, alle Schlupfwinkel zu durchsuchen; man wird jedoch auch in offenen, ja ganz ebenen Gegenden Orte finden, wo man Truppen in Hinterhalt legen kann. Es gibt überall sanfte Vertiefungen, kleine Gebüsche, Gräben, Hecken, Umzäunungen, Gehöfte etc., um sich ihrer hierzu zu bedienen. Man muss aber dabei vorzüglich darauf Rücksicht nehmen, dass man sich nicht selbst einsperrt, und dem Feind hierdurch Gelegenheit gebe, uns abzuschneiden, im Fall er etwa von unserem Versteck Nachricht erhalten hätte. Dieser Gefahr würde man sich zum Beispiel aussetzen, wenn man sich in einem einzelnen Gehöft in Hinterhalt legen wollte, ohne sich mehrere Ausgänge in demselben vorbereitet zu haben.

Die Beschaffenheit des Geländes bestimmt die Art der Truppen, deren man sich zu einem Versteck bedienen muss; will man aber einen entscheidenen Vorteil erhalten, so muss man Infanterie mit Kavallerie verbinden. Das unerwartete Feuer der Infanterie bringt den Feind in Verwirrung, und die dann plötzlich hervorbrechende Kavallerie wirft ihn mit leichter Mühe in demselben Augenblick über den Haufen, und schneidet ihm den Rückzug ab, indem sie ihm in den Rücken fällt. Wenn man nicht bestimmt die Truppenart des Feindes kennt, so ist es besonders nötig, sich sowohl der Infanterie als der Kavallerie zu bedienen; ist das Terrain jedoch stark durchschnitten, so wird man nur Infanterie gebrauchen können. Will man den Feind überfallen, indem er eben einen Ort zu besetzen gekommen ist, so legt man vor seiner Ankunft nahe bei dem Ort Tuppen in Hinterhalt, und wartet den günstigsten Zeitpunkt ab, seine eben ausgesetzten Feldwachen zurückzuwerfen, mit diesen zugleich in den Ort zu dringen, und den Feind anzugreifen, ehe er sich in Verteidigungszustand gesetzt hat. Man muss hierbei so ungestüm verfahren wie möglich, und den Teil der Kavallerie muss den Ort umgehen, um dem Feind, wenn dieser gezwungen wird, ihn zu verlassen, in den Rücken zu fallen.

In durchschnittenen Gegenden findet man größtenteils Gelegenheit, das Versteck nahe an den Weg, den der Feind passieren wird, zu legen; man teilt seine Mannschaft in mehrere Trupps, welche man nebeneinander, oder zu beiden Seiten, nach Beschaffenheit des Terrains, verdeckt postiert, und lässt sie dann, wenn der Feind vorbei ist, auf ein gegebenes Zeichen hervorbrechen. Hat man von den Blänkern der feindlichen Avantgarde und Seitenpatrouillen Furcht endeckt zu werden, so zieht man seine Trupps tiefer in den Wald, oder in das Gebirge, und rückt wieder vor, wenn die Avantgarde vorbei ist. Stößt man dann auch noch auf Seitenpatrouillen, so wirft man diese rasch über den Haufen, und dringt mit ihnen zugelich in den Feind ein. Der Schreck, die Verwirrung, das Unterwartete eines solchen Angriffs gibt uns ein solches Übergewicht über den Feind, dass uns diese Umstände erlauben, mit einer geringeren Truppenzahl, als die des Feindes anzugreifen.

Ist der Feind ungefähr von gleicher Truppenzahl, so muss man versuchen, ihn ganz aufzuheben; ist er aber viel stärker als wir, so ist es gefährlich, ihm alle Wege zum Rückzug abzuschneiden, weil ihn dies zu einer verzweifelten Gegenwehr reizen könnte. Wenn schon seine Avantgarde stärker ist als wir, so ist es nicht ratsam, uns diese in den Rücken kommen zu lassen; man falle daher gleich über diese her, mache so viel Gefangene wie möglich, und ziehe sich rasch zurück, ehe sich der Haupttrupp sammeln kann.

Auf den Fall, dass das Versteck nicht gelänge, oder der Feind vergeblich erwartet würde, muss man seinen Leuten schon vorher den Weg zum Rückzug angezeigt haben, und dieser muss so verdeckt wie möglich geschehen, um uns diese Gelgenheit zum Versteck nicht auf künftige Zeiten zu verderben. Ist dies bei Tage nicht möglich, selbst wenn man seine Leute einzeln zurückgehen lässt, so muss man seinen Rückzug bis auf die Nacht verschieben. – Man muss übrigens seine Truppen von der entgegengesetzten Seite, aus welcher man gegen den Feind kommt, in den Hinterhalt führen, damit die Fußspuren uns nicht verraten. Immer greift man von verschiedenen Seiten an, behält aber ein Soutien, um Hilfe dahin zu schicken, wo sich der Feind am herzhaftesten zur Wehr setzt.

Die Truppen müssen Wasser und Nahrungsmittel bei sich haben, um sich nicht entfernen zu dürfen; wenn sie auf der Erde liegen, so muss dies so geschehen, dass sie beim Aufstehen gleich in Reihe und Glied sind. Weder Hunde, noch Pferde, welche wiehern, oder Menschen, die mit Husten oder Schnupfen behaftet sind, werden mit in den Hinterhalt genommen; alles beachtet die größte Stille; jeder Vorübergehende wird angehalten, wenn man glaubt, dass er den Hinterhalt entdeckt haben könnte. Je näher man das Versteck an den Feind legen kann, desto mehr Wahrscheinlichkeit hat man, dass der Feind in die ihm aufgestellte Schlinge fallen wird; denn er lässt die Vorsicht während des Marsches hier mehr aus den Augen, als da, wo er bei jedem Schritt auf uns zu stoßen erwarten muss. Die Schildwachen, welche man zur Beobachtung aussetzt, müssen verdeckt sein; man setzt sie auf Bäume, oder sie legen sich auf die Erde, und geben durch verabredete Zeichen die Annäherung des Feindes zu erkennen.

Glaubt man, dass das beabsichtigte Versteck dem Feind verraten sei, so muss man sein Vorhaben aufgeben, und schleunigst zurückmarschieren, wenn man sich schon aufgestellt hat; denn gewiss wird der Feind versuchen, uns abzuschneiden. Ist aber das Terrain so beschaffen, dass man in einem nahen Bezirk mehrere Hinterhalte legen kann, so könnte man, wenn auch das gelegte Versteck bereits verraten wäre, seine Stellung verändern, und den Feind dennoch da, wo er es nun nicht erwartet, anfallen. Doch muss das Lokale ein solches Unternehmen ganz vorzüglich begünstigen, weil der Feind gewiss alle Geländeteile mit der größten Sorgfalt durchsuchen wird.

Beunruhigt der Feind unsere Vorposten häufig, so ist das sicherste Mittel, sich Ruhe zu verschaffen, wenn man ihm Verstecke legt. Dies geschieht am besten nahe hinter den Vorposten, welche nun zurückweichen, und dadurch den vielleicht hitzig verfolgenden Feind in unsere Schlinge locken. – Auf eine ähnliche Art kann man auch den Feind bei anderen Gelgenheiten veranlassen, geradezu unserem Hinterhalt in die Hände zu laufen; man lässt einen Teil seiner Truppen eine leichte Attacke auf den Feind machen, nach welcher man sich zurückzieht, und den Feind, der uns geschlagen zu haben glaubt, verleitet, uns zu verfolgen; hat man nun den größten Teil seiner Truppen in ein Versteck gelegt, so wird es uns möglich sein, dem Feind eine Schlappe beizubringen. Hat der Feind die Gewohnheit, beim Angiff seinen Truppen durch den Genuss des Weins oder Brandweins Mut einzuflößen, die dann in wilder Eile und unordentlichen Haufen ihre erlangten Vorteile verfolgen, so wird es uns fast immer gelingen, ihnen ein Versteck zu legen. Auch kann man oft den Feind durch falsche Nachrichten und Vorspiegelungen von irgend einem ausführbaren Unternehmen, und welche man ihm auf eine geschickte Art zu hinterbringen weiß, zu einer Bewegung verleiten, die ihn einem von uns gelegten Hinterhalt in die Hände spielt.

Die Abbildung zeigt russische Husaren der Napoleonischen Kriege in Marschkolonne, kurz bevor sie von französischen Grenadieren aus dem Hinterhalt heraus angegriffen werden. Die Husaren sind 15 mm Zinnfiguren von Minifigs, die Grenadiere Plastikfiguren von Italeri im Maßstab 1:72.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

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