Bayerische Chevaulegers, 1800–1815

Testbericht der 1:72 Figuren von HäT Industrie

Bayerische Chevaulegers, 1800–1815

Die bayerischen Chevaulegers von HäT Industrie sind auf der Vorderseite der Verpackung mit einem Offizier dargestellt, der leider nicht im Lieferumfang enthalten ist. Die abgebildeten Schaffelldecken über den Schabracken, schwarz für Offiziere und weiß für Mannschaften, fehlen den Figuren ebenfalls, und die Chevaulegers reiten auf zu kleinen Pferden. Die Reiter sind gut gelungen, wenngleich Offiziere, Feldwebel, und Trompeter fehlen. Anders als die Verpackung vermuten lässt, führt keiner der Chevaulegers einen Karabiner mit.

Inhalt

12 Figuren in 4 Posen – 24 mm entsprechen 173 cm Körpergröße

  • Bayerischer Dragoner/Chevauleger mit Degen (3)
  • Bayerischer Dragoner/Chevauleger mit Degen an der Schulter (3)
  • Bayerischer Dragoner/Chevauleger mit gesenkter Ringhand (3)
  • Bayerischer Dragoner/Chevauleger mit erhobener Ringhand (3)

12 Pferde in 2 Posen – 20 mm Stockmaß entsprechen 144 cm Widerristhöhe

Bewertung

Gute Themenwahl, bayerische Chevaulegers gab es in diesem Maßstab zuvor nur als Zinnfiguren von Hinton Hunt, mit denen die Plastikfiguren von HäT nun durchaus kompatibel sind. Dass es sich um Chevaulegers handelt, erkennt man am runden Mantelsack, der bei den bayerischen Dragonern viereckig war.

Die Pferde sind mit nur 144 cm Widerristhöhe zu klein für Dragoner und leichte Kavallerie; gemäß Militärmaß wären hier mindestens 152 cm erforderlich. Mögliche Remonten könnten von den französischen Husaren von Strelets (Nr. 096) kommen, deren Schabracken und Mantelrollen denen der bayerischen Chevaulegers entsprechen.

Die Reiter sind mit 173 cm Körpergröße zu groß für den Dienst als Dragoner oder Chevaulegers, deren Körpergröße zwischen 157 und 172 cm liegen sollte; s. Militärdiensttauglichkeit. Von den gewählten Posen passt im Grunde nur der Reiter mit geschultertem Degen zu den gehenden und trabenden Pferden. Solange nämlich nicht im verstärkten Galopp, der Karriere, chargiert wird, darf keiner der Reiter irgendwie planlos mit dem Degen herumfuchteln, wodurch er nur den Kameraden an seiner Seite gefährden würde. Ungefähr 30 Schritt vom Feind, erfolgt das Kommando „Marsch! Marsch!“ worauf sich alles vorwärts deckt, und in der Karriere in den Feind einbricht; s. Chok.

Die Schachtel enthält Reiter mit leeren Ringhänden, und separate Reiterdegen, um diese Leute bewaffnen zu können. Die beigelegten Standarten sind für die bayerischen Dragoner gedacht, da die Chevaulegers im Felde keine Standarten führten. Entgegen der Darstellung auf der Verpackung, besitzt keiner der Reiter einen Karabiner, obwohl dieser zur Ausrüstung eines jeden Dragoners und Chevaulegers gehörte.

Offiziere und Feldwebel fehlen; die vier Reiter tragen den Raupenhelm der Mannschaften mit Lammfellraupe. Die Bärenfellraupe am Offiziershelm war voluminöser und sie ragte an der Front auffällig nach vorne, statt der Kontur des Helm nach unten zu folgen. Auf der Vorderseite der Verpackung ist dieser Raupenhelm richtig dargestellt, HäT sollte ihn aber auch mitliefern. Am Beschlag des Raupenhelms fehlt die Königskrone über dem Schildchen, die auf der Vorderseite der Verpackung richtig dargestellt ist. Offenbar kennt der Illustrator die bayerischen Chevaulegers viel besser als der Bildhauer; und Quality Control hat das nicht bemerkt oder einfach durchgehen lassen?!

Auffällige Gussnähte an Pferden und Reitern müssen vor dem Bemalen sorgfältig entfernt werden. Angesichts der vielen augenscheinlichen Mängel stellt sich hier allerdings die Frage, ob man seine wertvolle Zeit wirklich mit dem Bemalen dieser Figuren verbringen möchte. Wer bayerische Chevaulegers braucht, ist mit einem entsprechenden Umbau der französischen Chasseurs von Italeri womöglich besser bedient.

Historische Verwendung

  • Bayerische Chevaulegers 1800–1815

Umbauten

  • Bayerische Dragoner mit viereckigem Mantelsack, 1800–1811
    Für diesen Umbau eignen sich beispielsweise die Kürassierpferde von ESCI (P-235) oder Airfix (Nr. 01736), mit selbstgebauten »valise porte-manteau« aus Green Stuff.
  • Köpfe mit dem Raupenhelm, z. B. von der bayerischen Infanterie von HäT, können verwendet werden, um die französischen Chasseurs von Italeri (Nr. 6080) in bayerische Chevaulegers zu verwandeln; allerdings mit der Einschränkung, dass die Pferde teils in grotesken Gangarten dargestellt sind.

Bibliographie

Bayerische Chevaulegers waren an den bedeutenden Feldzügen 1809 und 1812 beteiligt, weshalb Figuren dieses Typs gerade für Wargamer interessant sind. Leider liefert HäT mit diesem Set nicht annähernd die benötigten Figuren für ein bayerisches Chevauleger-Regiment der napoleonischen Kriege, da Offiziere, Feldwebel und Trompeter fehlen, und keiner der Chevaulegers vollständig bewaffnet ist.

Figuren der Bayerischen Armee der Napoleonischen Kriege