Goslar

Goslar

Goslar, Kreisstadt im [ehemaligen] preußischen Regierungsbezirk Hildesheim [heute Kreis Goslar], am Rande des Nordharzes, am Fuß des Rammelsbergs und an der Gose, einem Nebenfluss der Oker, 260 m ü. M., Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Vienenburg-Neuekrug und Goslar-Grauhof, hat mit seinen zahlreichen Kirch- und Befestigungstürmen von außen ein sehr altertümliches Aussehen. Unter diesen Türmen ist der aus ca. 7 m dicken Mauern und drei übereinanderliegenden Sälen bestehende sogen. Zwinger (von 1510, jetzt Restaurant und Museum) besonders bemerkenswert.

Großes Heiliges Kreuz in Goslar
Großes Heiliges Kreuz, die 1254 als Hospiz gegründete Einrichtung der städtischen Armenfürsorge in Goslar

Die meisten der früher vorhandenen Kirchen und Klöster (Chorherrenstift St. Peter und Augustinerstift St. Georg) sind verschwunden oder dienen anderen Zwecken, auch der altehrwürdige, vom Kaiser Heinrich III. erbaute Dom wurde 1820 auf Abbruch verkauft. In der noch vorhandenen kleinen Kapelle werden Überreste der alten Ausschmückung des Doms aufbewahrt, darunter der sogen. Krodoaltar (ein Reliquienschrein aus dem 12. Jahrhundert; Abbildung s. Krodo).

Neuwerkkirche und St.-Stephani-Kirche in Goslar
Neuwerkkirche und St.-Stephani-Kirche in Goslar

Unter den gottesdienstlichen Gebäuden (4 evangelische und eine katholische Kirche sowie eine Synagoge) sind noch zu nennen: die spätromanische Benediktiner-Klosterkirche St. Marien oder Neuwerk aus dem Ende des 12. Jahrhundert, mit Decken- und Wandgemälden aus dem 13. Jahrhundert, und die Frankenberger Kirche, eine überwölbte Pfeilerbasilika, 1108 eingeweiht und 1880 restauriert, ebenfalls mit alten Wandgemälden.

Marktkirche St. Cosmas und Damian und Jakobikirche, St. Jakobus der Ältere, in Goslar
Marktkirche St. Cosmas und Damian, und Jakobikirche, St. Jakobus der Ältere, in Goslar

Auf der dem ehemaligen Dom benachbarten Höhe, dem »Kaiserbleek«, steht das Kaiserhaus [Kaiserpfalz], ebenfalls von Heinrich III. um 1050 gegründet, das bis zur Mitte des 13. Jahrhundert von den Kaisern als Wohnung benutzt wurde, Geburtsstätte Heinrichs IV. ist und 23 Reichsversammlungen gesehen hat. 1867–80 ist das Kaiserhaus restauriert und durch Wislicenus aus Düsseldorf mit großartigen Fresken aus der deutschen Sage und Geschichte geziert worden.

Die Kaiserpfalz in Goslar
Die Kaiserpfalz in Goslar

Die Ulrichskapelle, einst die kaiserliche Hauskapelle, ist eine merkwürdige Doppelkapelle in zierlich romanischem Stil. Vor dem Kaiserhaus sind die in Kupfer getriebenen Reiterstandbilder Kaiser Friedrich Barbarossas (von Toberentz) und Kaiser Wilhelms I. (von Schott) sowie zwei Löwen (Nachbildungen des Burglöwen in Braunschweig) aufgestellt.

Die Kaiserworth am Marktplatz in Goslar
Die Kaiserworth am Marktplatz in Goslar

Unter den übrigen Bauwerken sind bemerkenswert: das Rathaus (aus dem 15. Jahrhundert, mit Überresten eines älteren aus dem 12.), enthält Wandmalereien und interessante Altertümer; die Kaiserworth, ein von sieben Bogen getragenes, mit acht Kaiserstatuen geschmücktes Gebäude (1494 als Gildehaus der Gewandschneider erbaut, jetzt Gasthof); ferner das Bäckergildehaus (1501–51, später Gasthof, jetzt IHK), das Geburtshaus des Marschalls Moritz von Sachsen, das Breite Tor von 1447, das sogen. Brusttuch, ein 1527 erbautes Haus mit meisterhaft ausgeführten satirischen Holzschnitzbildern (darunter die »Butterhanne«, irrtümlich als Wahrzeichen von Goslar bekannt), und auf dem Markt das uralte bronzene Brunnenbecken (11. Jahrhundert), an das sich seltsame Sagen knüpfen. 1903 ist dem Geheimen Legationsrat v. Dohm ein Denkmal errichtet worden.

Das Breite Tor der Goslarer Stadtbefestigung
Das Breite Tor der Goslarer Stadtbefestigung

Die Bevölkerung beträgt (1900) mit der Garnison (I. Bataillon, 5. Hannoversches Infanterie-Regiment Nr. 165) 16.403 Seelen, davon 1264 Katholiken und 65 Juden. Die Haupterwerbsquelle bildet seit alten Zeiten der Bergbau. Die reichen Erzlager des Rammelsbergs, der, 636 m hoch, im Süden der Stadt liegt, werden seit 968 bearbeitet, zuerst durch Franken, die sich die Peter-Paulskirche bauten, und nach denen noch heute der obere Teil von Goslar der Frankenberg heißt. Außer Silber und etwas Gold, werden Kupfer, Blei, Zink, Alaun, Schwefel, Vitriol, vor allem viel Schwefelsäure gewonnen. Außerdem betreibt die Bevölkerung Fabrikation von Chemikalien, Spielkarten, Hüten, Farben, Stärke und Zigarren, Glasschleiferei, Branntweinbrennerei und Bierbrauerei. Berühmt war ehedem die Goslarer Gose (s. d.), ein ebenso nahrhaftes wie wohlschmeckendes Weizenbier. Goslar hat ein Gymnasium und Realgymnasium, eine technische Lehranstalt für Bau- und Maschinenwesen, Nervenheilanstalt, Kräuterkuranstalt, zahlreiche milde Stiftungen etc.; ferner ein Amtsgericht, Bergamt, Bergrevier, 2 Oberförstereien und eine Handelskammer. Westlich von der Stadt erheben sich der Georgenberg, ein Villenviertel mit Bismarckdenkmal, und der Steinberg mit Turm und prächtiger Aussicht.

Der Schuhhof, ältester Platz in Goslar
Der Schuhhof, ältester Platz in Goslar

Goslar soll von König Heinrich I. um 920 durch Zusammenlegung mehrerer Dörfer am Rammelsberg (Bergdorf, Warsleben, Sudburg) gegründet worden sein. Unter Otto d. Gr. wurden die Schätze des Rammelsbergs entdeckt. Goslar wurde ein Lieblingsaufenthalt der sächsischen und noch mehr der salischen Kaiser. 1039 wurde das Domstift St. Simonis und Judä, das den Titel Capella imperii führte, von der Harzburg nach Goslar verlegt und dann von Heinrichs III. Gemahlin Agnes das Stift zum Petersberg gegründet. Ein Rangstreit zwischen dem Bischof Hezilo von Hildesheim, in dessen Sprengel Goslar lag, und dem Abt Widerad von Fulda, als Erzkanzler der Kaiserin, artete 1063 bei der Anwesenheit Kaiser Heinrichs IV. in der Domkirche in offene Fehde aus und veranlasste ein Blutbad, wobei selbst der Kaiser fliehen musste. 1180 schlug Goslar den Angriff Heinrichs des Löwen ab, wurde aber 1206 von der welfischen Partei erobert und geplündert. Der letzte deutsche König, der in Goslar weilte, war Wilhelm von Holland. Von Rudolf I. wurde Goslar mit der Reichsvogtei betraut und trat der Hanse bei; von Karl IV. wurde es zur Reichsstadt erhoben. Aus der Mitte des 14. Jahrhunderts stammen die goslarischen Statuten, ein Gesetzbuch, das von mehreren Städten angenommen wurde (hrsg. von Goschen, Berl. 1840). Der Reformation wendete sich Goslar schon 1521 zu, 1528 war sie durchgeführt. 1552 büßte die Stadt ihre Bergwerke und Forsten an Herzog Heinrich den jüngeren von Braunschweig, ihren »Erbschutzherrn«, ein und wurde im Dreißigjährigen Krieg von den Schweden erobert und gebrandschatzt. 1802 verlor Goslar die Reichsunmittelbarkeit und fiel an Preußen; 1807 kam es an Westphalen, 1816 an Hannover, und 1866 wieder an Preußen.

Bibliographie

  • »Urkundenbuch der Stadt Goslar« (bearbeitet von Bode, bisher 3 Bde., Halle 1893–1900)
  • Asche: Die Kaiserpfalz zu Goslar (Gosl. 1892)
  • Behme: Geologischer Führer durch die Umgebung der Stadt Goslar (3. Aufl., das. 1903)
  • Crusius: Geschichte der vormals kaiserlichen freien Reichsstadt Goslar (Gosl. 1842–43)
  • Erdmann: Die alte Kaiserstadt Goslar und ihre Umgebung in Geschichte, Sage und Bild (Gosl. 1891)
  • Hölscher: Geschichte der Reformation in Goslar (Hannover 1902)
  • Mithoff: Kunstdenkmale und Altertümer im Hannoverschen, Bd. 3 (Hannov. 1874)
  • Neuburg: Goslars Bergbau bis 1552 (Hannov. 1892)
  • Steinacker: Die Holzbaukunst Goslars (Gosl. 1899)
  • Wolfstieg: Verfassungsgeschichte von Goslar (Berl. 1885)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

Historische Orte