Erdwurf

Erdwurf, Erdmörser, Erdgeschütz, wurde früher angewandt, ehe noch die Steinmortiere im Gebrauch waren, um die feindlichen Werke mit einer großen Menge Steine zu überschütten; auch kann man sich desselben jetzt noch in Ermangelung der großen Mörser bedienen. Man gräbt ein großes Fass ohne Boden, unter einem Winkel von 45 bis 50 Graden, in die Erde, und verdämmt es von allen Seiten gut, die hintere Seite ausgenommen, wo das Leitfeuer hineingeführt werden soll. Unten im Fass wird in die Mitte die Pulverladung gesetzt, und zwar in einem hölzernen kubischen Kasten, oder in einer großen metallenen Kammer oder Petarde; auf jedes Pfund der zu werfenden Steine rechnet man 2 bis 3 Lot Pulver. Auf die Ladung kommt ein hölzerner Hebespiegel, und über denselben werden die Steine eingelegt, doch so, dass die größeren unten, und über der Achse der Kammer, die kleinen aber an den Seiten und oben liegen, bis das Fass größtenteils voll ist; wenn man es ganz voll Steine packt, so fallen die oberen Lagen unmittelbar vor dem Fass nieder. Das Leitfeuer besteht aus einer Stoppine, die durch eine blecherne Röhre, oder alte Flinten- und Pistolenläufe, von denen man die Schwanzschrauben abgenommen hat, mittels eines in der Kammer befindlichen Loches, unten in die Ladung geführt wird. Die hierzu hinter dem Fass ausgegrabene Erde muss möglichst festgerammt, obenauf aber müssen Sandsäcke gelegt werden, die 1,5 Durchmesser des Fasses in der Länge und Breite einnehmen, und deren Höhe der ganzen Tiefe des Erdwurfs, mit Einschluss der Kammer gleich ist, um einen hinreichenden Widerstand zu erhalten, damit die Ladung nicht rückwärts wirkt. Besser noch kann man die Leitung vorne hinein durch die Ladung, und durch ein im Halbspiegel befindliches Loch führen, in diesem Fall wird die Stoppine oben heraus, und auf einem Brett noch ein Stück seitwärts gelegt, um den Erdwurf ohne Gefahr zünden zu können. Man kann auf diese Art auf 3 bis 500 Schritt, 500 bis 600 Pfund Steine oder Granaten auf einmal werfen.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

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