Wilhelm III., König von England

Wilhelm III. von Oranien-Nassau, König von England, Sohn Wilhelms II. von Oranien und der Maria Stuart, Tochter Karls I. von England, geb. 14. Nov. 1650, acht Tage nach dem Tod seines Vaters, im Haag, gest. 19. März 1702 in London, wird nach dem 1661 erfolgten Tod seiner Mutter von der Großmutter Amalia von Solms unter Aufsicht der Generalstaaten erzogen. In seiner Jugend durch die Handelsaristokratie der Niederlande, an deren Spitze die Brüder de Witt (s. d.) stehen, von den seiner Familie früher zugehörigen wichtigsten Ämtern und Würden ausgeschlossen, wird er im Frühjahr 1672 durch eine beim Beginn des Krieges mit Ludwig XIV. ausgebrochene Volksbewegung als Erbstatthalter an die Spitze des Staates gestellt und von den Generalstaaten zum Generalkapitän und Großadmiral der Vereinigten Provinzen ernannt. Seine Energie und Tatkraft sowie die Unterstützung der fremden Mächte, die er erwirkt, retten die Niederlande vor dem Verderben. Militärisch freilich erringt Wilhelm keine großen Erfolge.

Figuren

  • William III, King of England, 28 mm Reiver PER7
  • Wilhelm III. von Oranien-Nassau, 25 mm Minifigs MALCX 8
  • Wilhelm III. von Oranien-Nassau, 15 mm Minifigs 99LC

In der Schlacht bei Seneffe gegen Condé 11. Aug. 1674 erleidet er zwar keine eigentliche Niederlage, aber in dem blutigen Kampf vom 11. April 1677 wird er bei Mont Cassel vom Marschall von Luxemburg geschlagen. Nichtsdestoweniger widersetzt er sich hartnäckig den Bemühungen der ständischen Partei in Holland auf dem Kongress zu Nimwegen, mit Frankreich Frieden zu schließen, greift, um diesen zu verhindern, die Franzosen 14. Aug. 1678 nochmals bei Mons an, muss aber tags danach auf die Nachricht von dem inzwischen erfolgten Friedensschluss die errungenen Vorteile aufgeben. Unerschüttert setzt er dennoch den Widerstand gegen Ludwigs XIV. Eroberungspolitik fort, auf dem seine welthistorische Bedeutung beruht.

1677 hat er sich mit Maria, Tochter des Königs Jakob II. von England, vermählt. Gegen dessen Versuche, England zu katholisieren und die Rechte des Parlaments zu vernichten, rufen mehrere einflussreiche Herren, teils Whigs, teils Tories, Wilhelms bewaffnete Einmischung an. Dieser landet 15. Nov. 1688 zu Torbay; fast die ganze Nation schließt sich ihm an, Jakob flieht nach Frankreich, und Wilhelm zieht 28. Dez. 1688 in London ein. Nachdem er den Vorschlag, seine Gemahlin als Königin auszurufen, mit der Drohung seiner Rückkehr nach Holland beantwortet hat, wird 23. Febr. 1689 ihm und seiner Gemahlin zusammen die britische Krone übertragen mit der Bestimmung, dass er allein die Regierung führen und nach beider kinderlosem Tode Marias Schwester, die Prinzessin Anna, den Thron erben soll. Noch vor der Thronbesteigung aber muss er die declaration of rights, in der die Rechte der Nation und des Parlaments zusammengefasst sind, unterzeichnen. Auch die schottische Nationalkonvention spricht ihm im Mai 1689 die Krone zu.

Leicht erlangt Wilhelm die Zustimmung des Parlaments zur Teilnahme am Krieg gegen Frankreich und zu einem engen Bündnis mit den Generalstaaten. Noch ehe er jedoch den Krieg erklärt, landet Jakob II. mit französischer Hilfe auf Irland, und die ganze Insel fällt ihm zu. Wilhelm selbst zieht gegen ihn; 11. Juli 1690 erkämpft er den glänzenden Sieg am Boynefluss, und 1691 ist die Unterwerfung der Insel vollendet. Im Februar 1691 geht Wilhelm mit 45.000 Mann nach den Niederlanden, kämpft aber weder in diesem noch in den folgenden Feldzügen glücklich. Während die britische Flotte bei La Hogue im Mai 1692 einen glänzenden Sieg erringt, behalten die Franzosen zu Lande die Oberhand. Die erneuten Versuche Jakobs II., in England festen Fuß zu fassen, misslingen indes ebenso wie ein von den Jakobiten 1696 gegen das Leben des Königs geplantes Attentat; trotzdem machen die missliche Finanzlage und heftige Parteikämpfe in England auch für Wilhelm den Frieden wünschenswert, der im September 1697 zu Ryswyk abgeschlossen wird und Wilhelm die Anerkennung seiner Königswürde durch Ludwig XIV. verschafft.

Im Innern hat Wilhelm, der seit dem Tode seiner Gemahlin (7. Jan. 1695) allein herrscht, mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Der Mehrzahl seiner Untertanen bleibt er immer ein Fremdling. Sein verschlossenes Wesen, seine Gleichgültigkeit gegen die Hochkirche und die Interessen der Geistlichkeit, seine Vorliebe für seine niederländischen Günstlinge rufen vielfach Verstimmung gegen ihn hervor, während ihn die Zänkereien der Parteien im Parlament und die Angriffe, die dabei auf seine Person fallen, mit solchem Widerwillen erfüllen, dass er mehr als einmal die Niederlegung der Krone ins Auge fasst. Nur mit Widerstreben und nach einjährigem Zögern bestätigt er 1694 das Gesetz, durch das die Dauer der Parlamente von sieben auf drei Jahre herabgesetzt wird.

Seine letzten Jahre sind wieder hauptsächlich von Fragen der auswärtigen Politik erfüllt; abermals bekämpft er in der Frage der spanischen Erbfolge im Interesse des europäischen Gleichgewichts die Übermacht Ludwigs XIV. Als dieser das Testament Karls II. von Spanien, durch das Philipp von Bourbon zum alleinigen Erben der spanischen Monarchie bestimmt ist, angenommen hat, bewegt Wilhelm 1701 das Parlament zur Absendung eines Korps von 10.000 Mann in die Niederlande, und nachdem er im Juni 1701, infolge des Ablebens des einzigen Sohnes der Prinzessin Anna, die protestantische Erbfolge in England gesichert hat, schließt er 7. Sept. des Jahre im Haag die Allianz mit dem Kaiser und den Niederlanden. Mit Rüstungen zum Krieg gegen Frankreich beschäftigt, stirbt er im nächsten Frühjahr an den Folgen eines Sturzes mit dem Pferd. Mit ihm erlischt die ältere Linie des Hauses Oranien. In England folgt ihm seine Schwägerin Anna. Die Begründung des modernen parlamentarischen Regierungssystems in England und die Beseitigung des französischen Übergewichts in Europa sind zum großen Teil das Ergebnis der Regierung und das persönliche Verdienst Wilhelms III.

Bibliographie

  • Koch: Die Friedensbestrebungen Wilhelms III. von England in den Jahren 1694–1697 (Tübing. 1903)
  • Nippold: Wilhelm III. (Berl. 1900)
  • Preuß: Wilhelm III. von England und das Haus Wittelsbach im Zeitalter der spanischen Erbfolgefrage (Bresl. 1904, Bd. 1)
  • Traill: William the third (Lond. 1888)
  • Trevor, Arthur (Lord Dungannon): Life and times of William III. (Lond. 1835–36, 2 Bde.)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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