Wilhelm I., der Eroberer, König von England

Wilhelm I., der Eroberer, König von England, Stifter der englisch-normannischen Dynastie, geb. 1027 oder 1028 in Falaise als der natürliche Sohn Roberts II., des Teufels, Herzogs von der Normandie, gest. 9. Sept. 1087, wird 1033, als sein Vater eine Pilgerfahrt nach dem Gelobten Land antritt, als Nachfolger anerkannt und 1035 nach dessen Tod Herzog. 1046 tritt er persönlich die Herrschaft an und vermählt sich 1053 mit Mathilde, Tochter Balduins V. von Flandern. In zahlreichen Fehden mit benachbarten Herren gewinnt er Kriegserfahrung und Ruhm. 1051 stattet er seinem Verwandten Eduard dem Bekenner, König von England, einen Besuch in London ab, bei welcher Gelegenheit ihm dieser Zusicherungen in bezug auf die Erbfolge in England gemacht haben soll. Als nun nach dem am 5. Jan. 1066 erfolgten Ableben Eduards Graf Harald von Wessex von den englischen Großen auf den Thron erhoben wird, landet Wilhelm im September 1066 bei Hastings und siegt unweit davon am Senlac-Hügel 14. Okt. in einer blutigen Schlacht, in der Harald mit dem Kern des angelsächsischen Adels fällt. Nachdem Wilhelm darauf London eingenommen hat, lässt er sich 25. Dez. 1066 in Westminster krönen.

Mit den Ländereien der Krone und der im Kampfe gefallenen Angelsachsen stattet er seine normannischen Barone aus, führt eine scharfe Polizei ein, erbaut in London und den Provinzen Burgen, schreitet aber zunächst noch nicht zu einer allgemeinen Umgestaltung der Besitzverhältnisse, wie denn überhaupt durch den Sieg bei Senlac noch keineswegs das ganze Reich unterworfen ist. Vielmehr kommt es in den nächsten Jahren zu wiederholten Erhebungen der Angelsachsen in den Landschaften des Westens und Nordens, bei denen sie von den Königen von Schottland und von Dänemark unterstützt werden. Erst 1070 sind die Kämpfe, während deren die nördlichen Landschaften von den Normannen entsetzlich verheert werden, beendet und Wilhelm ist Herr des ganzen Reiches. Hierauf erst schreitet er zur systematischen Schwächung der angelsächsischen Adelsfamilien und zur vollen Durchführung der normannischen Feudalverfassung; die normannisch französische Sprache ist die herrschende im amtlichen Verkehr. Alle späteren Empörungsversuche der Angelsachsen, mit denen sich auch einzelne missvergnügte normannische Barone verbinden, und denen einmal sogar eine Erhebung Roberts, des ältesten Sohnes von Wilhelm, zustatten kommt, bleiben erfolglos und werden von dem König mit blutiger Strenge unterdrückt.

Mit dem Scheitern eines vom König Knut dem Heiligen von Dänemark geplanten Einfalles 1084 darf Wilhelm seine Herrschaft als gesichert ansehen. 1086 vollendet er sein berühmtes »Domesday Book« (s. d.), ein Grund- und Steuerkatasterbuch für das ganze Land. Äußerst streng sind Wilhelms Jagdgesetze; um seiner Jagdlust zu frönen, lässt Wilhelm in der Gegend von Winchester einen ausgedehnten Landstrich in Wald verwandeln und schafft daraus den sogen. New Forest. Die Begünstigung der Aufstände seines Sohnes Robert durch Philipp I. von Frankreich verwickelt Wilhelm in Krieg mit diesem; im August 1087 fällt er in das französische Gebiet ein, zieht sich aber in Mantes-sur-Seine durch einen Sturz vom Pferd eine Verletzung zu und stirbt an deren Folgen in Rouen. Zu Caen wird er bestattet, in Falaise wird 1851 seine Statue aufgestellt. Seiner Anordnung gemäß folgt ihm in der Normandie der älteste Sohn Robert, in England der zweite, Wilhelm II.; der dritte, Heinrich, erhält die Hinterlassenschaft seiner vier Jahre vorher verstorbenen Mutter.

Bibliographie

  • Cobbe: History of the Norman kings of England (Lond. 1869)
  • Dillon: King William I. the Conqueror (Lond. 1905)
  • Freeman: William the Conqueror (Lond. 1888)
  • Pauli: »Bilder aus Alt-England« (2. Aufl., Gotha 1876)
  • Planché: The Conqueror and his companions (Lond. 1874, 2 Bde.)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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