Detmold

Detmold, Haupt- und Residenzstadt des Fürstentums Lippe, liegt am Ostfuß des Teutoburger Waldes, zwischen Werre und Berlebecke sowie an der Staatsbahnlinie Herford–Altenbeken, 134 m ü. M., hat zwei evangelische und eine katholische Kirche, Kapellen der Methodisten und Irvingianer, Synagoge, ein Residenzschloss (um 1500 erbaut), ein neues Palais (Sitz des Grafen Leopold zur Lippe-Biesterfeld) mit Park bei dem Büchenberg, Monumentalbrunnen auf dem Marktplatz, ein Hof- und Sommertheater, desgleichen ein Zuchthaus und zählt (1900) mit der Garnison (Regimentsstab und III. Bataillon, Infanterie-Regiment „Graf Bülow von Dennewitz“ [6. Westfälisches] Nr. 55) 11.968 Einwohner (darunter 943 Katholiken und 229 Juden), die Fabrikation von bunten Etiketten, Tabak und Zigarren, Cakes, Möbeln, Stuck, Seife etc., desgleichen Bildhauerei und Bierbrauerei betreiben.

Die Stadt ist Sitz der Landesbehörden, eines Generalsuperintendenten, eines Landgerichts, eines Oberverwaltungsgerichts und hat ein Gymnasium mit Realschule, Schullehrerseminar, Taubstummenanstalt, Baugewerkschule, Gewerbeschule, Waisenhaus, öffentliche Bibliothek (80.000 Bände) und naturhistorisches Museum. Detmold ist Geburtsstadt der Dichter Freiligrath und Grabbe. In der Nähe auf dem Teutoburger Wald die Grotenburg (s. d.) mit dem Hermannsdenkmal und das fürstliche Jagdschloss Lopshorn mit Gestüt. Zum Landgerichtsbezirk Detmold gehören die neun Amtsgerichte zu Alverdissen, Blomberg, Detmold, Hohenhausen, Horn, Lage, Lemgo, Örlinghausen und Salzuflen. Vgl. die Führer durch Detmold von Thorbecke (»Der Teutoburger Wald, Detmold etc.«, 13. Aufl., Detm. 1901) und Sieweke (1902).

Zwischen Detmold und Horn, auf dem sogen. Winnfeld, fand nach gewöhnlicher Annahme die Varusschlacht statt [seit 1988 gilt Kalkriese als möglicher Fundort]. Aus Karls d. Gr. Zeit ist Theotmalli, Thiatmelle (»Volksgericht«) als Schauplatz eines Sieges über die Sachsen (im Mai 783) bekannt. 1011 schenkte König Heinrich II. den Gau von Detmold an das Bistum Paderborn, das später die edlen Herren von Lippe damit belehnte. Zwischen 1283 und 1305 erhielt Detmold Stadtrechte. Während der Soester Fehde wurde es 1447 von den hussitisch-böhmischen Kriegshorden erobert, 1547 mit der Burg durch einen Brand zerstört. 1501 wurde es Residenz der Herren von Lippe. Simon V. (gest. 1536) erbaute das jetzige Schloss.

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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