Bukanier

Bukanier (franz. Boucaniers, v. karibischen Wort buccan, französisch boucan, Rost zum Trocknen des Fleisches, also »Leute, die das Fleisch nach Art der Indianer an der Sonne dörren«), auch Flibustier genannt, Seeräuber, die in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in den westindischen Gewässern hausten, ein Schrecken der spanischen Kolonien. Zuerst wurden Bukanier die französischen Siedler genannt, die 1625 von der Insel St. Christopher aus Kaperei gegen spanische Schiffe trieben, aber um 1630 diese Insel verließen, um sich auf Haiti und Tortuga anzusiedeln. Bald gerieten sie in erbitterten Kampf mit den Spaniern, die ihre Ansiedlungen angriffen, und so entstand ein förmliches Seeräuberwesen, das die Bukanier in Banden von je 50, 100 oder 150 Mann betrieben.

Während die Bukanier auf dem Festland sich 1655 unter französischen Schutz stellten und den Kern der französischen Kolonie Santo Domingo (s. Haiti) bildeten, suchten die Bukanier auf Tortuga die reichsten Gegenden des spanisch-amerikanischen Festlandes überhaupt heim und machten die öffentlichen Landstraßen ebenso unsicher wie das Meer. Der erste, der sich dabei hervortat, war Monbars (l’Exterminateur), ein Edelmann aus Languedoc; nächst ihm trat François l’Olonnais (Jean-David Nau) auf, der mit 440 Mann Venezuela und Maracaibo plünderte. Noch berüchtigter machte sich Henry Morgan, ein walisischer Bukanier, der Portobello, die Insel Santa Caterina, Chagres und 1670 sogar Panama eroberte.

Van Horn, ein geborner Ostender, verband sich 1683 mit anderen Häuptlingen, hatte bald sechs Schiffe und 1200 Bukanier unter sich und überfiel Veracruz. Als plötzlich eine bedeutende Truppenmacht anrückte und dem Hafen sich eine Flotte von 17 Schiffen näherte, zogen die Bukanier mit 1500 Geiseln ruhig ab und segelten mitten durch die spanische Flotte hindurch. Ein Jahr nach dieser Expedition wurde eine Plünderung der spanischen Städte in Peru ausgeführt. Die Städte, die ihre Erhaltung nicht mit schwerem Geld erkauften, wurden in Asche gelegt.

Zu derselben Zeit machte sich Gramont, ein heruntergekommener Edelmann aus Paris, als Anführer der französischen Bukanier in Mexiko furchtbar. Weniger glücklich war eine Unternehmung gegen Cartagena 1697. Schon hatten die Bukanier, 1200 Mann stark, die Stadt erobert und geplündert, als sie von einer holländisch-englischen Flotte angegriffen und zum größten Teil aufgerieben wurden. Seitdem gingen die Bukanier allmählich auseinander und verschwanden vom Schauplatz.

Bibliographie

  • Archenholz: Geschichte der Bukaniere (Tübing. 1803)
  • Burney: History of the buccaneers of America (1816, zuletzt Lond. 1902)
  • Oexmelin, Alexandre Olivier: Histoire des Aventuriers, des Flibustiers et des Boucaniers d’Amérique
  • Poward Pyle: The buccaneers and marooners of America (New York 1891)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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