Eine Brücke verteidigen

Brücke verteidigen

Brücke zu verteidigen. Es soll z. b. eine Infanterie-Feldwache von 100 Mann eine Brücke verteidigen; die Armee liegt nahe am Fluss in Kantonierungsquartieren, und es stehen rechts und links einige 1000 Schritt wieder Posten; die Brücke soll so lange wie möglich erhalten werden, damit man leichte Truppen hinüber schicken kann.

Man legt unter die Brücke an dieser Seite einen trockenen Holzstoß mit Stroh, und auf die Brücke einen anderen Haufen von trockenem Stroh, so dass, wenn das letztere angezündet wird, niemand die Brücke passieren kann, und dass, wenn der erstere angezündet wird, die Brücke in Brand gerät. Auf jener Seite der Brücke werden 12 Fuß breit die Bohlen los gemacht, ist es eine steinerne Brücke, so trägt man sie, oder einen Teil derselben ab, und wirft nachher Bohlen hinüber. Vor der Brücke, dicht am Fluss, wirft man eine Flesche auf, indem man sich einschneidet, weil dies die Arbeit erleichtert; dann kann uns der Feind durch sein Feuer nicht von der Brücke vertreiben. Bei Tage steht ein Offizier mit 20 Mann ungefähr 100 Schritt jenseits der Brücke, in einer anderen kleinen Flesche; er hat vor sich auf 100 Schritt einen Doppelposten, und einen anderen auf der Brücke; dieser letztere Doppelposten hat Befehl, im Notfall die Bohlen ins Wasser zu werfen, weil der Offizier doch noch mit seinen 20 Mann über die Balken wegkommen kann. In der Nacht wird dieser Posten eingezogen; die Bohlen werden von der Brücke abgenommen, an den Fluss werden einige Schildwachen, und andere auf 400 Schritt, in einem Kreis um den Posten, ausgesetzt. Das Detachement wird alle 3 bis 6 Tage abgelöst, und kampiert hinter der Flesche; jede Seite derselben ist 30 Schritt lang.

Dieser Posten kann nicht gut gewaltsam erorbert werden, wenn Jedermann seine Schuldigkeit tut. Am ersten richtet man vielleicht bei Nebel oder starkem Regen etwas aus; indem man an den Posten jenseits unentdeckt heran gekommen wäre, müsste man nun im vollen Laufen die Brücke zu erreichen suchen, und dann mit einem Teil diesen Posten von hinten angreifen, während der andere die Brücke zu behaupten sucht; dergleichen Unternehmungen sind jedoch nur immer Versuche. Wäre viel an der Brücke gelegen, wollte man hier über den Fluss gehen, so müsste man sich in der Nacht übersetzen, etwa mit hergebrachten Schiffen, dann von hinten das Detachement angreifen, und nun unseren übrigen Truppen, die um eine bestimmte Zeit vor der Brücke sein müssten, dieselbe öffnen.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

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