Brabant

Brabant

Brabant, Landschaft in der Mitte des niederländisch-belgischen Tieflandes, war ehemals ein deutsches Herzogtum, bildete dann seit 1815 die erste Provinz des Königreichs der Niederlande und wurde bei Errichtung des Königreichs Belgien in zwei Teile getrennt.

Die niederländische Provinz Nordbrabant (s. Karte »Niederlande«), zwischen Limburg, Gelderland, Südholland, Zeeland und Belgien gelegen, enthält 5128,32 qkm mit (1899) 553.842 meist katholischen Einwohnern (108 auf 1 qkm). Hauptstadt ist Herzogenbusch (’s-Hertogenbosch).

Die belgische Provinz Brabant (s. Karte »Belgien«) grenzt im Westen an Ostflandern, im Süden an Hennegau und Namur, im Osten an Lüttich und Limburg, im Norden an Antwerpen und enthält 3283 qkm mit (1900) 1.263.807 Einwohnern (385 auf 1 qkm), ist somit die am dichtesten bevölkerte Provinz Belgiens. Eingeteilt ist sie in die drei Arrondissements: Brüssel, Löwen und Nivelles. Hauptstadt ist Brüssel.

Geschichte Brabants

Ursprünglich von Menapiern bewohnt, später den Römern unterworfen, seit dem 5. Jahrhundert zum Frankenreich gehörig, fiel Brabant bei der Teilung des Karolingerreichs an Deutschland und umfasste seit 959 mehrere Grafschaften des Herzogtums Niederlothringen, die Lambert I., der Stammvater der Grafen von Löwen (s. d.), zu einem einzigen Territorium vereinigte. Unter diesem tatkräftigen Fürsthaus, das sich Ende des 11. Jahrhunderts auch des Kempenlands bemächtigte, erlangte »Bracbatensis patria« bald eine leitende Stellung in Niederlothringen, dessen Herzogstitel die Grafen seit 1106 führten.

Seit Mitte des 12. Jahrhunderts von dem lebhaften Durchgangsverkehr zwischen Köln und Brügge berührt, nahm Brabant schon im 13. Jahrhundert einen merkbaren wirtschaftlichen Aufschwung, der durch die kluge internationale Politik seiner Herzöge und ihre erfolgreichen Kämpfe mit den benachbarten Fürstentümern Lüttich, Luxemburg, Köln und Limburg, besonders die Einverleibung des letzteren (1288), kräftig gefördert ward. Im 14. Jahrhundert wurden die Privilegien und Verfassungsgrundsätze des Landes gesetzlich festgelegt: 1312 durch den »Brief von Cortenberg«, der eine ständische Vertretung schuf, 1349 durch die Brabanter Goldene Bulle Kaiser Karls IV., die Brabant von jeder ausländischen Gerichtsbarkeit befreite, und nach dem Tode des letzten einheimischen Herzogs Johann III. durch die von seinem Schwiegersohn Wenzeslaus von Luxemburg, Gemahl Johannas von Brabant und Bruder Karls IV., 1356 beschworene »Joyeuse entrée«, die nicht nur die Untenharken Brabants und die ausschließliche Ämterbesetzung mit Landeskindern verfügte, sondern auch die Entscheidung über Krieg und Frieden, Abschluss von Bündnissen etc. den drei Ständen (Städte, Adel, Geistlichkeit) vorbehielt. Die Regierung Wenzeslaus’ (bis 1383) bezeichnete für das mit Luxemburg vereinigte Brabant eine Periode politischen wie wirtschaftlichen Niederganges, namentlich durch die erzwungene Abtretung Antwerpens (s. d.) und Mechelns (s. d.) an Flandern (1357). Erst als seine Witwe Johanna 1390 ihrem Neffen Philipp dem Kühnen von Burgund die Regentschaft übertrug, begann für Brabant wieder eine bessere Zeit.

Unter dem Zepter der Häuser Burgund, bzw. Habsburg (seit 1482) spielte Brabant als der industrielle, kommerzielle und kulturelle Mittelpunkt der Niederlande) lange eine glänzende Rolle. Die religiösen und politischen Wirren seit Mitte des 16. Jahrhunderts machten dieser Blütezeit ein Ende. Durch den Aufstand gegen Spanien ward der nördliche Teil losgerissen und 1648 als Generalitätslande (jetzt das holländische Nordbrabant) endgültig der niederländischen Republik einverleibt. Der Rest von Brabant teilte fortan die Schicksale der spanischen, bzw. österreichischen Niederlande, war während der letzten Regierungsjahre Josephs II. Hauptsitz der unter dem Namen Brabanter Revolution bekannten Aufruhrsbewegung und bildete seit der französischen Eroberung (1794) zwei Departements mit den Hauptstädten Antwerpen und Brüssel, seit der Zugehörigkeit zum Königreich der vereinigten Niederlande (1815) die beiden Provinzen Antwerpen und Südbrabant. Letzteres war 1830 der Herd des belgischen Aufstandes und ist jetzt als Brabant die Hauptprovinz des Königreichs Belgien.

Bibliographie

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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