Bolus

Bolus (Bol), Mineral, das als braune und rote Farbe und seit dem Altertum arzneilich benutzt wurde. Besonders stand die lemnische Erde als Heilmittel in hohem Ruf, während die von Sinope als Malerfarbe diente. Erstere kam wie noch jetzt mit aufgedrücktem Siegel in den Handel (Siegelerde, Terra sigillata). Seit 1508 war die lichtbraune Siegelerde von Striegau, später die bläulichgraue sächsische Siegel- oder Wundererde (Teratolith, Eisensteinmark) von Planitz bei Zwickau im Gebrauch. Die Mineralogie versteht unter Bolus ein fettig anzufühlendes, schwach fettglänzendes, im Wasser in eckige Stücke zerfallendes Mineral, von isabellgelber bis leberbrauner Farbe; Härte 1–2, spez. Gew. 2,2 bis 2,5. Wesentlich ein wasserhaltiges Tonerdesilikat von schwankender Zusammensetzung findet sich der Bolus häufig in Mandelräumen und auf Klüften von Basalt, so zu Striegau und Goldberg in Schlesien, im Habichtswald, in der Rhön, in Böhmen, bei Siena, ebenso in älteren Trappgesteinen zu Sinope und auf Zypern (cyprische Umbra). Seltener ist das Vorkommen im Serpentin (Frankenstein in Schlesien), im Kalkstein, auf Eisenerzlagerstätten (Neuenburg in Württemberg) und auf Erzgängen (Freiberg).

Der weiße Bolus (Bolus alba), gewöhnlich ein hellgrauer Ton oder Bolus, diente früher als austrocknendes und blutstillendes Mittel und als Kitt. Brauner Bolus (braune Erde von Siena, Terra di Siena) wird in der Freskomalerei und als Druckfarbe für braune Kupferstiche benutzt. Roter Bolus von Sinope und aus Nordafrika zeigt sich noch in Pompeji in voller Farbenpracht. Roter Bolus (Bolus rubra) dient als Anstrichfarbe und wird besonders aus Nürnberg bezogen, die feinste Sorte ist der armenische oder morgenländische Bolus. Schon die Alten wendeten das Leukophoron als Unterlage für das Gold auf Holz an, und noch jetzt benutzt man Bolusgrund bei Holzvergoldung, bei Gold- und Silberpapier.

Gelber Bolus kommt gebrannt als Englisch- oder Berliner Rot in den Handel, auch dient er als Kitt, zur Anfertigung von Formen für Metallguss, zu Gefäßen und Pfeifenköpfen und geschlämmt als Poliermittel für Glas, Metalle und Steine. Vgl. Erden, essbare, und Kaolin.

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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